Martin Wabl will heute seine Entführungstheorien vor Gericht beweisen. Auch Natascha Kampusch und ihr Vater Ludwig Koch sind als Zeugen geladen.
Bereits im Vorfeld sorgte der heutige Prozess, den der pensionierte Richter Martin Wabl in Zusammenhang mit der Kampusch-Entführung angestrebt hat, für großes Interesse bei den in- und ausländischen Medien. Wabl vertritt nach wie vor die Meinung, dass Nataschas Mutter Brigitta Sirny an der Entführung beteiligt war.
Zählkarten. Der Prozess hätte eigentlich in Gleisdorf stattfinden sollen. Aufgrund des großen Medieninteresses wurde die Verhandlung jedoch ins Grazer Zivilgericht verlegt. Journalisten brauchen eine Akreditierung um Zutritt zur Verhandlung zu erhalten, Zuschauer benötigen ebenfalls Zählkarten.
Klägerin Sirny. Nach mehreren Prozessen ist nun wieder Brigitta Sirny die Klägerin, die dagegen auftritt, dass Wabl sie beschuldigt, an der Entführung ihrer Tochter beteiligt gewesen zu sein. Wabl hat zahlreiche Zeugen beantragt, die seine Theorie untermauern sollen. Richter Jürgen Schweiger hat elf Zeugen geladen, unter ihnen auch Natascha Kampusch und ihren Vater Ludwig Koch. Außerdem den Arzt Max Friedrich, der nach dem Verschwinden des Mädchens ein Gutachten erstellt hatte, das besagte, es sei vor der Entführung zu keinem sexuellen Missbrauch gekommen. "Hofrat Geiger hat mir gegenüber gesagt, dass die Polizei einen Tatverdacht gegen die Mutter gehabt hat, diesen aber nach dem Gutachten fallengelassen hat", erklärte Wabl beim Prozessauftakt heuer im April in Gleisdorf.
Zeugen. Unter den Zeugen sind auch der ehemalige Wiener Spitzenkriminalist Ernst Geiger sowie Max Edelbacher, der Ex-Chef des Wiener Sicherheitsbüros. Die Verhandlung wurde bis 18.00 Uhr anberaumt. Ein sofortiges Urteil ist eher unwahrscheinlich, es dürfte - wie im Zivilgericht meist üblich - schriftlich erfolgen.
Großer Medianandrang im Zivilgericht
Schon eineinhalb Stunden vor Beginn des Prozesses im Fall Kampusch gab es im Grazer Zivilgericht am Marburgerkai großen Andrang. Zahlreiche Zuschauer, die Nummern für Zählkarten hatten, hofften auf Einlassscheine. Für sie hieß es allerdings warten, da zunächst die Plätze für die Journalisten vergeben wurden. Immerhin hatten sich 37 Medien aus dem Inn- und Ausland mit bis zu vier Personen pro Team akkreditiert.
Medienvertreter. Das Gericht hatte direkt neben dem Verhandlungssaal einen Medienraum eingerichtet, der mit zahlreichen Steckdosen und Verteilerkabeln perfekt ausgestattet war. Sogar Getränke standen für die Medienvertreter bereit. Im Saal hatten sich mehrere Journalisten bereits Plätze reserviert, auch für "prominente" Gäste aus Wien wie den Vorsitzenden der Kampusch-Ermittlungskommission Ludwig Adamowitsch hatte das Gericht Plätze belegt. Insgesamt standen 44 Sessel zur Verfügung.
Fernsehteam
Ein deutsches Fernsehteam wollte durch die Fenster im zweiten Stock des Gebäudes Kabel leiten, was allerdings von Seiten des Gerichts strikt abgelehnt wurde. "Wie soll man ohne Kabeln Fernsehen machen?", fragte der Medienvertreter leicht verzweifelt. Vorsichtshalber schlossen die Gerichtsmitarbeiter gleich alle Fenster.
Kleine Zeitung, 15.5.2008
URL: http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/375716/index.do