In dem schockierenden Inzestfall von Amstetten haben sich am Montag die Verdachtsmomente gegen den Tatverdächtigen Josef F. bestätigt. Der gestand laut Polizei, seine heute 42-jährige Tochter 24 Jahre lang im Keller seines Hauses festgehalten und missbraucht zu haben. Für die Ermittler ist der Fall "im Großen und Ganzen" geklärt. Doch es bleiben Fragezeichen: Völlig unerklärlich ist, wie der Mann sein Doppelleben derart lange verbergen konnte. Die größten Rätsel gibt allerdings das Kellerverlies auf.
Niemand bemerkte heimlichen Ausbau
Räume im Keller laut Polizei nach und nach ausgebaut.Trotz eines Geständnisses des Tatverdächtigen - in dem schockierenden Inzest- und Missbrauchsfall im niederösterreichischen Amstetten bleibt für die Polizei noch eine ganze Reihe von Fragen zu beantworten. "Im Großen und Ganzen" sei der Fall geklärt, hatte der niederösterreichische Sicherheitsdirektor Franz Prucher am Montag bei einer Pressekonferenz mitgeteilt.
Keiner wusste von Kellerverlies
Doch im Dunkeln liegt bisher noch, wie der 73-jährige Josef F. sein perfektes Doppelleben vor Nachbarn und sogar der eigenen Ehefrau derart lange hatte verbergen können. Offensichtlich nahm über Jahre hinweg niemand Notiz von der Existenz jenes Kellerverlieses, in das F. seine heute 42-jährige Tochter 24 Jahre lang eingesperrt hatte. In zumindest drei kleinen Räumen hielt der Mann darin außerdem drei Kinder seiner Tochter fest, deren Vater laut Landeskriminalamt Niederösterreich (LK NÖ) der Tatverdächtige selbst ist.
Für Polizei unerklärlich
Vor allem aber ist völlig unklar, wie F. das Verlies im Keller des Mehrparteienhauses ausbauen und seine Opfer unbemerkt von der Außenwelt mit Lebensmitteln und dem Notwendigsten versorgen konnte. Seine 68-jährige Ehefrau habe davon nichts mitbekommen, heißt es dazu von der Polizei. Dort kann man sich das bisher nicht wirklich erklären: "Mir fehlt jede Vorstellungskraft, dass seine Frau, die ihr ganzes Leben mit ihm verbracht hat, von alledem nichts mitbekommen hat", sagte Niederösterreichs Kripo-Chef Franz Polzer am Montag. "Wir haben nie etwas bemerkt", hieß es auch von den Nachbarn.
"Kurier": Als Schutzraum genehmigt
Laut einem Bericht des "Kurier" (Online-Ausgabe) war das Kellerverlies unter dem Haus in der Ybbsstraße ursprünglich als Schutzraum baubehördlich genehmigt worden. Der Antrag dazu stamme aus den 70er Jahren, zitierte die Zeitung einen Verantwortlichen der Stadtgemeinde Amstetten.
Nach und nach Zubauten
Das Kellerverlies, das Sonntagabend von der Polizei geöffnet wurde, dürfte anfangs nur aus einem Raum (mit Sanitäreinrichtung) bestanden haben und sukzessive erweitert worden sein. Laut Kripo-Chef Polzer war dieser bereits im Grundriss des in den 60er Jahren errichteten Hauses eingezeichnet. Im Lauf der Zeit dürften Durchbrüche und Anbauten - teilweise unter dem Garten gelegen - erfolgt sein. Schließlich erreichte der Ausbau nach Angaben der Polizei eine Fläche "von 50 bis 60 Quadratmetern", aufgeteilt auf mehrere schmale Räume, davon keiner höher als 1,70 Meter - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
Keine Möglichkeit zur Flucht
Der Eingang zu den Räumen war laut aktuellem Ermittlungsstand hinter einem Regal in einem Werk- bzw. Arbeitsraum versteckt. Die 42-jährige Tochter des Tatverdächtigen hatte den Behörden zufolge keinerlei Chance, aus ihrem Gefängnis zu entkommen. Die Tür zu den Räumen habe nur mit einer Fernbedienung und einer Kombination von Schaltern geöffnet werden können. F. habe die Fernbedienung stets bei sich getragen.
Polizei sucht Zeugen
Die Polizei sucht nach weiteren Zeugen und Hinweisen im Fall Josef F. Zweckdienliche Hinweise bitte an den Journaldienst des Landeskriminalamtes Niederösterreich, 059133/30 3333.
Links:
Quelle: ORF, 29.4.2008
URL: http://www.orf.at/080428-24473/index.html