Seit Dienstag sind Spekulationen über Mittäter bei der Kampusch-Entführung neu entflammt, ausgelöst durch Aussagen des Vorsitzenden der U-Kommission, Ludwig Adamovich. Die Justiz ist verwundert: "Er soll sagen, woher er das hat." Zeitlicher Zusammenfall mit Spekulationen um Mittäter und intime Enthüllungen "nicht zufällig".
Nachdem sein Interview im "Standard" (Mittwoch-Ausgabe) für Wirbel gesorgt hatte, sagte Adamovich am Mittwoch, ein Zwischenbericht zur Causa sei nun "nahezu sicher". Wie angekündigt, soll die Kommission am Montag zu Beratungen darüber zusammentreten.
Ob die Spekulationen um mögliche Mittäter und die Enthüllungen in einer Tageszeitung über intime Details aus der Gefangenschaft der 20-Jährigen Thema sein werden, beantwortete Adamovich nicht direkt: "Es ist natürlich nicht zufällig, dass man sich jetzt für eine Zwischenbilanz entscheidet", formulierte er.
Zwischenbericht "nahezu sicher"
Adamovich hatte gegenüber dem "Standard" erklärt, Mittäter rund um die Entführung Kampuschs seien "möglich".
Spekulationen über Mittäter
Im "Standard" hatte Adamovich von Informationen gesprochen, die über die bereits bekannten ersten Aussagen Kampuschs gegenüber der Polizistin hinausgehen.
Die Beamtin war die erste, die mit Kampusch nach ihrer Flucht gesprochen hatte. Sie hielt danach in einer Aktennotiz unter anderem fest, die junge Frau habe auf ihre Frage nach Mittätern die Antwort gegeben, sie könne "keine Namen nennen".
"Wenn es nur diese eine Stelle gäbe, könnte man sagen, man lässt weitere Nachforschungen sein", wird der Kommissionsvorsitzende in dem Blatt zitiert. Die Frage nach Mittätern sei aber nicht eindeutig geklärt.
"Er soll sagen, woher er das hat"
Die Aussagen Adamovichs zu einer möglichen Mittäterschaft lösten bei der Justiz Verwunderung aus. "Ich weiß nicht, wie Präsident Adamovich zu dieser Ansicht kommt. Er soll sagen, woher er das hat. Unsere Ermittlungen haben jedenfalls keine Indizien in diese Richtung ergeben", bekräftigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch, am Mittwoch.
Hatte Priklopil Mittäter? Die Staatsanwaltschaft schließt es aus.
Ergebnis laut Staatsanwaltschaft eindeutig
Jarosch hatte bereits am vergangenen Donnerstagabend entschieden eine Mehrtäter-Theorie im Fall Kampusch dementiert, als in der Wiener Gratiszeitung "Heute" von möglichen Mittätern die Rede war.
Im Gespräch mit der Austria Presse Agentur wiederholte er dies: "Im Zusammenhang mit möglichen Komplizen Priklopils sind wirklich alle Spuren überprüft worden. Es wurde über Monate hinweg penibelst ermittelt. Das Ergebnis war eindeutig. Nach unserem Dafürhalten hat es keine Mittäter gegeben. Für uns sind solche auszuschließen."
wien.ORF.at; 22.4.08
Der Leiter der U-Kommission im Fall Kampusch, Ludwig Adamovich, will nicht völlig ausschließen, dass Wolfgang Priklopil bei der Entführung und Gefangenschaft Natascha Kampuschs Mittäter hatte. Das sagte er zum "Standard".
ORF Wien, 23.4.2008, URL http://wien.orf.at/stories/272945/
Weitere Infos auf ORF.at
wien.ORF.at; 21.4.08
Berichte über private Details rund um die Gefangenschaft und Flucht von Natascha Kampusch haben nun Konsequenzen: Ihr Anwalt Gerald Ganzger reichte medienrechtliche Klagen ein. Diesen Schritt gab er am Montag bekannt.