Handys haben nicht nur unser Leben vereinfacht. Auch das der Überwacher ist durch Mobilfunk um einiges leichter geworden. Auf Knopfdruck können nicht nur Gespräche abgehört werden, sondern mit einigen wenigen Klicks am Rechner wird auch die Position des Handy-Besitzers angezeigt. An sich nichts Revolutionäres, seit gut einem Jahrzehnt stehen den Behörden Systeme zur Verfügung, mit denen sie Handy-Kunden abhören, lokalisieren und sogar SMS-Nachrichten mitlesen können. Neu ist, dass die Befugnisse der Polizei mit der Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes (tritt am 1.1.2008 in Kraft) ausgeweitet werden. Sie muss keinen Richter mehr fragen, wenn sie einen Handy-User orten will. Neu ist auch, dass man kein Polizist sein muss, um einen Handy-User, bzw. eine Handy-Nummer zu orten. Das Lokalisieren und Aufzeichnen von Bewegungsmustern schaffen auch Laien, wie ein KURIER-Test zeigt.Ortung
Wie die Technik funktioniert, ist einfach erklärt: Da jedes Handy bei einem Mast bzw. einer Funkzelle "angemeldet" ist, sind Standort und Radius bekannt. Mithilfe von Systemen wie etwa "Timing Advance" kann der Standort ziemlich genau berechnet werden - bei dieser Methode wird das Handy von der Zentrale aus bei mehreren Basisstationen eingeloggt, der Schnittpunkt der Funklinien definiert den Standort.
In Deutschland gibt es bereits private Ortungsdienste, wie etwa http://www.traceyourkid.de oder http://www.picosweb.de In Österreich sind solche Dienste noch nicht erlaubt, allerdings gibt es bereits erste Ansätze: Kürzlich wurde das Spezial-Service MyStella vorgestellt, dabei handelt es sich um ein kleines Handy mit GPS für die Überwachung von Senioren. Betreiber ist die Sicherheitsfirma Hellwacht. MyStella schlägt etwa Alarm, wenn die Person ein vordefiniertes Gebiet/Route verlässt. Doch Nicht nur im Not- auch im Normalfall kann geortet werden, und zwar mithilfe von Google (http://www.google.de/ gmm/mylocation.html?hl=de). Besitzer von Handys mit integriertem GPS können sich die Position auf "Google Maps" anzeigen lassen. Wer also nur kurz Zugang zum fremden (GPS-)Handy hat, kann die Überwachungshoheit übernehmen.
Blaulicht
Cobra, übernehmen Sie - auch Handys mit integriertem Bluetooth-Funkchip können "erobert" werden. Dafür hat sich der Begriff "Bluejacking" (in Anlehnung an Highjacking) eingebürgert. Ist "Bluetooth" aktiviert, kann das Handy mit Spezialsoftware gekapert werden.
Das Programm, das gratis im Web angeboten wird, nennt sich Blooover. Mit dieser Software, die aufs Handy geladen wird, kann man sich Informationen über Mobiltelefone anzeigen lassen, die in der näheren Umgebung betrieben werden und ob deren Bluetooth aktiviert ist (was viele machen, da sie Freisprecheinrichtungen im Betrieb haben). Zu den Angriffsmethoden zählt die "BlueBug"-Attacke, bei der Telefonnummern und der Versand und Empfang von SMS ausspioniert werden können. "BlueSnarf" wiederum ermöglicht sensible Daten wie Adressen oder Termine auszuspähen.
Mobilbox
Möglich ist es übrigens auch, Mobilboxen zu hacken, allerdings bedarf es da einer bestimmten technischen Ausstattung. Dieses System gaukelt der Mobilbox vor, dass der Anruf vom eigenen Handy kommt; sodann benötigt man keine PIN-Eingabe und wird zu den Nachrichten auf der Mobilbox durchgestellt.
Lauschen
Lediglich beim Lauschangriff tun sich Private noch schwer. Da Handy-Gespräche im Normalfall verschlüsselt sind, benötigt man Spezialgeräte, um diese zu überwachen. Es bedarf sogenannter "IMSI-Catcher", die von der deutschen Firma Rohde&Schwarz erzeugt werden. Hierbei handelt es sich um teure Scanner, die die "International Mobile Subscriber Identity" - diese Information ist auf der SIM-Karte gespeichert - ausforschen. Nur wenn die IMSI bekannt ist, ist es möglich ein Handy zu belauschen. Handelt es sich dabei um kein Wertkarten-Telefon, werden die Gespräche gleich namentlich einem Handy-Besitzer zugeordnet.
http://www.ueberwachungsstaat.at
Kurier vom 27.12.2007
http://www.kurier.at/