Das Rennen um die Nachfolge von Polizeipräsident Peter Stiedl ist entschieden. Seit Mittwoch steht fest: Der Polizeijurist Gerhard Pürstl wird neuer Wiener Polizeipräsident. Er selbst zeigte sich zunächst "total überrascht" darüber.
Innenminister Platter und Bürgermeister Häupl einigten sich.
"Respekt vor der Aufgabe"
Auf den neuen Präsidenten einigten sich Mittwochfrüh Innenminister Günther Platter (ÖVP) und der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) nach gemeinsamen Gesprächen. Pürstl war der bestgereihte Kandidat der Bestellungskommission des Innenministeriums. Als einziger Bewerber sei er "als in höchstem Ausmaß geeignet" beurteilt worden, hieß es. Pürstl reagierte erst "total überrascht" und sagte auf Medienanfragen, er müsse "das erst verarbeiten". Dann äußerte er Freude über seine Bestellung, "aber auch großen Respekt vor der Aufgabe". Es sei eine "hohe Auszeichnung", dass der Innenminister und der Wiener Bürgermeister ihm das Vertrauen schenken würden.
Bisher Leiter der Datenschutzabteilung
Pürstl, den Platter als "Spitzenjurist" bezeichnet, der wesentlich an der letzten Wiener Polizeireform beteiligt gewesen sei, verfügt über langjährige Erfahrung. Zuletzt war er Vorstand des Büros für Rechtsfragen und Datenschutz bei der Bundespolizeidirektion Wien. Der 45-Jährige wurde in Wien geboren, ist verheiratet und hat zwei studierende Kinder. Details will Pürstl erst zur Amtseinführung bekanntgeben.
Herausforderung "interner Schwierigkeiten"
Als die ersten großen Herausforderungen bezeichnete Pürstl die "internen Schwierigkeiten der Wiener Polizei" und die Bewältigung der Euro 2008. Auch die Veränderungen, die sich durch die StPO-Reform für die Exekutive ergeben, seien eine Aufgabe.
"Ich bitte um Verständnis, dass ich Details zu meinen Vorstellungen in diesen Bereichen erst nach meiner offiziellen Amtseinführung (am 28. Dezember, Anm.) nennen werde", sagte der designierte Polizeipräsident. Er sei natürlich mit "sehr konkreten Vorstellungen" in die Bewerbung gegangen, die er sich auch schon in den vergangenen Jahren als Mitglied des Führungsteams gemacht habe. Das ist in ein detailliertes Konzept eingeflossen.
Pürstl hofft weiter auf Teamgeist
Dadurch, dass er jetzt Vorgesetzter seiner ehemaligen Vorgesetzten werde, "erwarte ich überhaupt keine Probleme, weil wir in der Führungsebene immer ein gutes Team waren", sagte Pürstl. Auch mit seinen Mitbewerbern sollte es dem neuen Chef zufolge keine Probleme geben: "Mit den meisten bin ich eng befreundet, und ich hoffe, das bleibt so."
Pürstl glaubt auch nicht, dass durch die StPO-Reform die Behörde, also die Polizeijuristen, Aufgaben abgeben muss. "Das sehe ich überhaupt nicht so, im Gegenteil." Es könnten sogar neue Aufgaben dazukommen. Pürstl hatte Frühwirth, den Leiter der Kriminaldirektion 1, kritisiert.Scharfe Worte gegen Frühwirth
Pürstl hatte im Privatklageprozess von Roland Frühwirth, Leiter der Kriminaldirektion 1 (KD 1), gegen den suspendierten interimistischen Leiter der kriminalpolizeilichen Abteilung, Ernst Geiger, den Kläger wegen der Ermittlungen in der Saunaaffäre heftig kritisiert: "Entweder das waren Polizeistaatsmethoden - oder, wenn man nur ungeschickt vorgegangen ist, dann in einer Anhäufung, die ich in einer Polizei dieses Jahrhunderts nicht gerne sehen möchte."
Dennoch glaubt auch er nicht an Probleme als Leiter der Behörde mit dem Wachkörper: "Nein. Man schätzt klare Worte."
Seit fünf Jahren Vorstand im Büro für Datenschutz und Rechtsfragen.
Seit 1988 bei der Wiener Polizei
Pürstl wurde 1962 in Wien geboren. Nach der Reifeprüfung absolvierte er beim Bundesheer eine Einjährig-Freiwilligen-Ausbildung, mehrere Führungsausbildungen und Truppenverwendungen. Er wurde als Oberleutnant ausgemustert.
Nach Abschluss des Studiums der Rechtswissenschaften trat Pürstl am 1. April 1988 als Beamter des rechtskundigen Dienstes in die Bundespolizeidirektion (BPD) Wien ein. Von 1988 bis 1990 war er in den Bezirkspolizeikommissariaten Brigittenau, Währing und Leopoldstadt als Referent tätig.
Danach hatte er sechs Jahre lang die Funktion eines Hauptreferenten im Büro für Organisation, Rechtsfragen und Fachaufsicht in der Präsidialabteilung der BPD Wien inne. Von November 1996 bis 2002 war ihm die Stellvertretung des Vorstandes dieses Büros übertragen.
Nach der Umstrukturierung der BPD war Pürstl vorerst als Hauptreferent im Büro für Rechtsfragen und Datenschutz und ab Oktober 2002 als dessen Vorstand tätig.
Amtseinführung am 28. Dezember.
Bestellung noch vor Silvester
Platters Sprecherin Michaela Huber bestätigte, dass die offizielle Bestellung Pürstls noch vor Silvester, am 28. Dezember, erfolgen wird. Möglich ist auch, dass die Besetzung weiterer Posten bekanntgegeben wird, etwa des Nachfolgers von Ewald Bachinger als Leiter des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT).
wien.ORF.at; 19.12.07
Während der neue Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl die Personalentscheidung, wie er sagt, "erst verarbeiten" muss, zeigen sich Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), Innenminister Günther Platter (ÖVP) und Pürstls Vorgänger Peter Stiedl zufrieden.
wien.ORF.at; 18.12.07
Eine niedrigere Aufklärungsquote und allerhand Affären und Skandale: Das Jahr 2007 war für die Wiener Polizei in vielerlei Hinsicht ein missglücktes - zum Ende nimmt nun auch noch Präsident Peter Stiedl seinen Hut. Ein Rückblick. Verflixtes Jahr 2007 bei der Polizei
ORF Wien, 19.12.2007