Das Internet erleichtert es Terror-Gruppen wie Al-Kaida, Sympathisanten anzuwerben und zu rekrutieren
"Das Unbekannte ist das Problem." Gert René Polli, Österreichs oberster Staatsschützer, ist bestrebt, bohrende Journalistenfragen, ob sich die terroristische Bedrohung in Österreich in konkrete Zahlen fassen lasse, abzublocken. Lediglich um den "hohen Bedrohungsgrad in Europa" zu demonstrieren, gibt es eine Zahl: von Jänner 2006 bis einschließlich Juni 2007 wurden den Sicherheitsbehörden in Europa insgesamt 500 terroristische Handlungen bekannt.
Staatsschutzbericht
Sicher ist: Der internationale Trend zu islamistischem Extremismus mache auch vor Österreich nicht Halt, heißt es im jüngsten Staatsschutzbericht, der am Mittwoch im Innenministerium präsentiert wurde. Und auch wenn "Österreich kein primäres Zielland für terroristische Anschläge" sei, müsse es erlaubt sein, eine Erweiterung von Polizeibefugnissen anzudenken", sagte Ressortchef Günther Platter (VP).
Trainingscamp
Vor allem dem Internet wird dabei ein wachsender Stellenwert beigemessen. Die virtuelle Welt gilt unter anderem als "Ort der Rekrutierung" und als Trainingscamp für Bombenbauer. "Al-Kaidas Widerstandskraft und Langlebigkeit basiert auf der Fähigkeit, über das Internet das Interesse von Sympathisanten zu wecken und sie zu radikalisieren", heißt es im Bericht.
Als Rekrutierungsstelle dienen in Einzelfällen auch Moscheen, in denen radikale Botschaften gepredigt werden: Dort wird unter anderem der globale bewaffnete Djihad (Heiliger Krieg) thematisiert und gerechtfertigt und auch sonstige radikalislamische Ideologien verbreitet.
Fahndungsdruck
Als heimisches Zentrum islamistischer Extremisten gilt in erster Linie die Bundeshauptstadt. Allerdings sei auch hier der Fahndungsdruck am höchsten, weshalb sich beobachten lasse, das einzelne Proponenten ihren Wirkungsbereich in die Bundesländer verlagern würden, erklärte Polli. Radikalisiert werde in Österreich verstärkt die zweite Migranten-Generation.
Terrorfinanzierung
Leicht gestiegen sind die Anzeigen hinsichtlich der Terrorfinanzierung: 2006 wurde in Österreich in 33 Fällen ermittelt. Im Jahr davor waren es noch 29. Untersucht wurden Beträge in der Größenordnung von 200 Euro bis 50 Millionen Euro: In einem Fall wurde eine algerische Gruppe ausgehoben, die mit Diebstähle eine im nordafrikanischen Raum tätige Gruppe finanziert hatte.
Polli bestätigte am Rande, dass es auch Ermittlungen im Zusammenhang mit einer radikalen ägyptischen Webseite gebe, auf die es verstärkte Zugriffe von Österreich aus gegeben habe. Festnahmen seien aber zumindest in Österreich nicht erfolgt.
Überwachungskameras
Aus aktuellem Anlass - der Hinterlegung einer Bombenattrappe vor dem Parlament - forderte Innenminister Platter, dass die Überwachungskameras vor dem Hohen Haus sofort auch Bilder aufzeichnen sollen. Wie berichtet, fehlt dafür noch die Genehmigung des Datenschutzrates.
Bombendrohungen
Fast jeden dritten Tag gehen irgendwo in Österreich anonyme Bombendrohungen ein. Die meisten davon telefonisch und verbunden mit dem Ausdruck politischer Unzufriedenheit. "Das ist kein Jux", warnte Platter mit Verweis auf den Verbrechenstatbestand. Von den acht Bombendrohungen, die seit März in Graz gemeldet wurden, sind inzwischen fünf geklärt.
Links- und rechtsextrem
Der Staatsschutzbericht beinhaltet auch eine Einschätzung von links- beziehungsweise rechtsextremen Aktivitäten. In beiden Fällen ist zwar eine Steigerung zu vermelden, Platter sieht aber "keine akute Bedrohung für den demokratischen Staat". Konkret wurden im Vorjahr 144 linksextrem motivierte Straftaten (2005: 57) gemeldet, der Großteil davon waren Schmieraktionen und Vandalismusakte. Die Zahl von rechtsextrem motivierten Anzeigen stieg von 406 auf 419. Die Mehrheit davon wegen eines Verstoßes gegen das Verbotsgesetz und gegen das Abzeichengesetz.(simo/DER STANDARD, Printausgabe vom 26.7.2007)
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Bundesministerium für Inneres
Quelle: Der Standard, 26.7.2007
URL: http://derstandard.at/?url=/?id=2974042