Österreichs CIO ist nun IT-Sicherheitschef in der EU
IT-Sicherheit ist ein zentraler Punkt im Zusammenspiel von großen IT-Systemen mit Kunden und Bürgern. Und ohne große IT-Systeme geht heutzutage gar nichts mehr. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat die Europäische Union sich dem Problem gestellt und im Jahr 2004 die " European Network and Information Security Agency (ENISA)" ins Leben gerufen. Deren Aufgabe ist, das weite Feld der Sicherheitsbedrohungen innerhalb der IT-Welt zu überblicken und die nötigen Gegenmaßnahmen zu treffen.
Conrad Gruber
Für Österreich eine besondere Ehre ist, dass seit März 2007 der Grazer Security-Spezialist Reinhard Posch in den Vorsitz der ENISA gewählt wurde. Posch, bekanntlich auch oberster Chief Information Officer der österreichischen Bundesregierung, ist damit nun an leitender Stelle für IT-Sicherheitsfragen auf europäischer Ebene zuständig.
Die Ziele, die er mit diesem Posten verbindet, umreißt Posch gegenüber MONITOR so: "Österreich hat sich seit Beginn der Einrichtung von ENISA aktiv engagiert. Meine Wahl zum Vorsitzenden des Verwaltungsrates von ENISA ist ein klares Anerkennen dieses Bemühens und gibt gleichzeitig die Chance, in der Netzwerk- und Informationssicherheit in Europa mitzuwirken". Das gemeinsame Ziel, so Posch, müsse dabei die Stärkung von Wirtschaft und Verwaltung in Europa "auf Basis einer effizient und nachhaltig arbeitenden Sicherheitsagentur" sein.
Die Kernherausforderungen der ENISA betreffen unter anderem im nicht-kriminellen Bereich immer stärker die Spam-Problematik. Trotz aller Hilfsmittel der Softwareanbieter hat sich an der Spam-Plage in den letzten Jahren keineswegs etwas gebessert, was nicht unbedingt an schlechter Antispam-Software liegen muss, sondern an der unglaublichen Zunahme der Spamfülle, die im Umlauf ist. Die ENISA sucht dabei nach Lösungen, die die Internetbetreiber zu noch verstärkter Filterung und Sperre von einschlägigen Adressen veranlassen soll.
Einen zweiten wichtigen Bereich der ENISA umfasst das Thema Phishing beziehungsweise noch raffiniertere Formen des speziell gegen Banken gerichteten Online-Trickbetruges. Hier wurden in Zusammenarbeit mit den betroffenen Instituten in der Vergangenheit bereits umfangreiche Maßnahmen gesetzt, die die Phishing-Fälle in Zukunft stark eindämmen sollen. Darunter fällt auch die Weiterentwicklung der Verschlüsselungstechnologien für sicherheitskritische Homepages, genauso aber auch erweiterte Aufklärung für Online-Banking-Nutzer.
In diesem Zusammenhang steht auch das allgemeine Thema der Verschlüsselung elektronischer Dokumente, dem sich die ENISA widmet. Dies betrifft Anwendungsfälle wie die Bürgerkarte und die elektronische Signatur, für die es beide noch keinen europaweiten Standard in ausreichender Marktreife gibt.
Die 2004 gegründete ENISA-Agentur mit Sitz im griechischen Heraklion berät die Europäische Kommission sowie die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in Fragen der Informations- und Kommunikationstechnologie und koordiniert die IT- Aktivitäten auf europäischer Ebene. Nach der ersten Periode unter finnischem Vorsitz ist die Leitung dieses durchaus bedeutenden Gremiums nun mit Reinhard Posch in österreichischer Hand.
Posch will dabei natürlich auch sein Know-how als anerkannter IT-Security-Experte einbringen: Dabei streut ihm TU-Rektor Hans Sünkel Rosen: "International höchst anerkannte Konzepte wie etwa die Bürgerkarte sind Ergebnisse der Bündelung der IT- Sicherheitskompetenz an der TU Graz. Wir sind stolz, dass das Know-how und die Aktivitäten von Professor Posch nun auch auf europäischer Ebene einen Beitrag zum Datenschutz und damit zur IT-Sicherheit in Europa leisten", so Sünkel.
Posch und sein Team beschäftigen sich an der TU Graz bereits seit den späten 80-er Jahren mit Fragen der Kryptographie und der Computersicherheit. Der Mikrochip-Entwurf für Sicherheitskarten und Sicherheitsmechanismen für E-Government sind Schwerpunkte seines Instituts für Angewandte Informationsverarbeitung und Kommunikationstechnologie an der TU Graz.
ENISA im Internet: www.enisa.europa.eu
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Reinhard Posch (Jahrgang 1951) hat Technische Mathematik mit Schwerpunkt Informationsverarbeitung an der TU Graz studiert und war dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.
1979 ging er als Gastforscher in die USA.
1984 habilitierte er sich und wurde zum Universitätsprofessor berufen.
Seit 1986 leitet er nun sein Institut,
1999 übernahm er zudem die wissenschaftliche Leitung des „Zentrums für sichere Informationstechnologie (A- SIT)“.
Seit 2001 berät er als „Chief Information Officer“ die österreichische Bundesregierung in IT-Fragen.
2005 wurde Posch zum Vorsitzenden der „Plattform Digitales Österreich“ ernannt. Diese koordiniert Informations- und Kommunikationstechnologien sowie E-Government-Aktivitäten für die Bundesregierung.
Monitor 5/07
http://www.monitor.co.at/index.cfm?storyid=8915