Deutschland: Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble und der Vorsitzende der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder, der Berliner Innensenator Dr. Erhart Körting, haben heute in Berlin die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2006 vorgestellt.
Download: Polizeiliche_Kriminalstatistik_2006_de.pdf
„Die polizeilich registrierte Kriminalität in Deutschland ist auch im Jahr 2006 wieder zurückgegangen. Vor ziemlich genau einem Jahr konnte ich Ihnen mitteilen, dass die Aufklärungsquote für das Berichtsjahr 2005 den höchsten Wert seit Erstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik überhaupt erreicht hat. Heute kann ich berichten, dass diese Bestmarke noch einmal leicht übertroffen worden ist. Die Eckdaten der PKS 2006 schreiben die insgesamt positive Entwicklung der vergangenen Jahre fort: Stetig steigende Aufklärungsquote bei konstanter bis tendenziell rückläufiger Straftatenzahl“, bilanzierte Dr. Schäuble.
„Dies wäre nicht ohne die hervorragende Arbeit unserer Polizei möglich. Mein Dank gilt deshalb vor allem den Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten der Länder und des Bundes, die täglich mit großem Engagement und sehr bürgernah einen oft schwierigen und - wie das abscheuliche Gewaltverbrechen an einer Beamtin und einem Beamten jüngst in Heilbronn wieder gezeigt hat - gefährlichen Dienst tun. Zu Recht wird die deutsche Polizei von der Bevölkerung nach wie vor zu den vertrauenswürdigsten Institutionen unseres Landes gezählt“, sagte der Bundesinnenminister.
Die polizeilich registrierte Kriminalität in Deutschland ist auch im Jahr 2006 zurückgegangen, und zwar um 1,4%. Nach den nun zur Verfügung stehenden Zahlen für den Berichtszeitraum 2006 ist eine Gesamtzahl von 6.304.223 registrierten Delikten zu verzeichnen. Das sind 87.472 Straftaten weniger als im Vorjahr (6.391.715). Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote im Vergleich zu 2005 (55,0%) nochmals leicht angestiegen. Sie liegt nunmehr bei 55,4%.
„Unter Berücksichtigung der allgemein bekannten globalen Rahmenbedingungen, die ständig höhere Anforderungen an eine effektive Verbrechensbekämpfung stellen, sind dies wieder einmal beachtliche Erfolge“, sagte der Bundesinnenminister.
Die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundes für das Jahr 2006 sind ein weiterer Beleg dafür, dass Deutschland nach wie vor eines der sichersten Länder der Welt ist. Zu diesem Ergebnis war auch der am 15. November 2006 vom Bundeskabinett verabschiedete Zweite Periodische Sicherheitsbericht der Bundesregierung gekommen, den ein Gremium aus namhaften Wissenschaftlern und Vertretern von Bundesbehörden sowie der Kriminologischen Zentralstelle erarbeitet hatte.
Innensenator Dr. Körting kündigte an: „Auch in Zukunft werden Bund und Länder gemeinsam dafür sorgen, dass Deutschland sicher bleibt.“Die Entwicklung ausgewählter Zahlen im Einzelnen:
Nach einem leichten Anstieg im Jahr 2004 ist die Gesamtzahl der Tatverdächtigen im Jahr 2006 zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen. Sie liegt mit 2.283.127 Personen um 1,3% unter dem Wert von 2005 (im Vorjahr Rückgang um 3,0%).
Der erfreuliche Trend eines überproportionalen Rückgangs der nichtdeutschen Tatverdächtigen setzte sich hierbei fort. Die Zahl der deutschen Tatverdächtigen sank im Vergleich zum Vorjahr (lediglich) um 0,8% auf 1.780.090, während die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen um 3,2% auf 503.037 zurückging. Die Gründe für diesen Trend sind vielschichtig. Neben fortwirkenden Faktoren wie der Novellierung des Asyl- und Flüchtlingsrechts sowie der EU-Osterweiterung im Mai 2004 mit ihren Auswirkungen auf die legalen Einreisemöglichkeiten der Staatsangehörigen der neuen Mitgliedsstaaten wirken hier auch die erheblich gesteigerten Integrationsbemühungen des Bundes und der Länder.
Vielfach wird in der Öffentlichkeit die Kriminalität unter Jugendlichen und Heranwachsenden thematisiert. Die Zahl der Tatverdächtigen im Kindes-, Jugend- und Heranwachsendenalter sind jeweils (wie bei den Erwachsenen) leicht rückläufig. Diese Feststellung gilt für die Gesamtbetrachtung aller Deliktsfelder. Allerdings sind im Bereich der Gewaltkriminalität –wie im letzten Jahr- auch für Jugendliche und Heranwachsende Anstiege zu verzeichnen. Auffällig sind Anstiege im Jahr 2006 insbesondere bei einfachen Körperverletzungsdelikten (Jugendliche: +2,7%; Heranwachsende: + 4,6%).
Der Anstieg der registrierten Fallzahlen bei den Körperverletzungsdelikten allgemein und speziell in der Gruppe der Tatverdächtigen im Alter von 14 bis unter 21 Jahren bedeutet aber nicht zwangsläufig einen tatsächlichen Anstieg der Kriminalität. Der Anstieg der Fallzahlen geht zumindest auch zu einem erheblichen Teil auf eine erhöhte Bereitschaft in der Bevölkerung zurück, Körperverletzungsdelikte bei der Polizei zur Anzeige zu bringen. Dies hat auch der Zweite Periodische Sicherheitsbericht bestätigt. Die erhöhte Anzeigebereitschaft ist Folge von Sensibilisierung des Kriminalitätsbewusstseins, unter anderem als Konsequenz der Einführung des Gewaltschutzgesetzes. Auch die Handhabung von Fällen von Gewalt an Schulen hat positive Änderungen erfahren. Eine gemeinsame Untersuchung der Universität Greifswald und des Landeskriminalamtes Mecklenburg-Vorpommern zum Thema Gewalt an Schulen belegt diese Änderung im Anzeigeverhalten in den letzten Jahren. Durch die Untersuchung wurde festgestellt, dass im Jahr 1997 nur etwa 6,7% aller Vorfälle der Polizei gemeldet worden sind, während sich diese Zahl im Jahr 2004 bereits auf 22,5% erhöht hatte.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik bildet bekanntlich das so genannte Hellfeld ab. Über das Dunkelfeld bei Jugendkriminalität (speziell Jugendgewalt) und mögliche Ursachen wird hingegen viel gemutmaßt und unterstellt. Es mangelt derzeit an einer validen Erhebung des Dunkelfeldes und der Ermittlung möglicher Ursachen bzw. Zusammenhänge. Um bestehende Erkenntnisdefizite zu schließen, werden das BMI und das Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (KFN, unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Christian Pfeiffer) in einem gemeinsamen Projekt „Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter“ eine repräsentative Dunkelfelderhebung zur Jugendkriminalität (insbesondere Jugendgewalt) und Aufdeckung möglicher Ursachenzusammenhänge vornehmen. Die Befragung von etwa 50.000 Schülern, bei deren Durchführung uns die Länder unterstützen, soll noch in diesem Monat zum Abschluss kommen; erste Ergebnisse sollen zum Jahresende 2007 vorliegen.
Darüber hinaus befasst sich die Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention (DFK), deren Kuratoriumspräsident Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble ist, angesichts der gesellschaftspolitischen Bedeutung schwerpunktmäßig mit der Gewaltprävention. Die Aufgabe des DFK besteht vor allem darin, bestehende Ansätze für die Prävention weiter zu entwickeln und im Sinne von Nachhaltigkeit auszugestalten.
Besonders erwähnenswert ist auch die Entwicklung der Zahlen im Bereich der Diebstahls- und Betrugsdelikte.
Die Gesamtzahl der Diebstahlsdelikte ist weiterhin deutlich rückläufig. Hier gab es im Jahr 2006 nochmals einen Rückgang um 4,6% auf 2.601.902 Fälle. Überdurchschnittlich gesunken ist hierbei erneut der Diebstahl von Kraftfahrzeugen (-16,0%). Seit 1993 konnte der KFZ-Diebstahl damit insgesamt auf weniger als 1/5 reduziert werden. Dies sind nicht zuletzt Erfolge verbesserter technischer Sicherungseinrichtungen sowie der Präventionsprogramme und -maßnahmen des Bundes und der Länder.
Im Gegensatz zu den Diebstahlsdelikten entwickeln sich die Betrugsdelikte mit umgekehrten Vorzeichen: Deren Gesamtzahl hat sich 2006 um 0,5% auf 954.277 Delikte erhöht, wobei die Fälle des Waren- und Warenkreditbetruges wie im Vorjahr erheblich zugenommen haben (+11,5% im Jahr 2005 und +8,8% im Jahr 2006). Dies lässt sich vor allem mit der vermehrten Nutzung des Internet erklären. Besonders im Zusammenhang mit Online-Auktionen bzw. Online-Shops bietet das Internet günstige Tatgelegenheiten für Betrügereien (z.B. Bestellung von Artikeln im Internet, ohne den Kaufpreis entrichten zu wollen oder zu können; Angebot minderwertiger Waren als Qualitätsprodukte; Nichtlieferung von im Internet angebotener Ware trotz erfolgter Vorauszahlung). Von allen registrierten Fällen, bei denen das Internet als Tatmittel genutzt wurde, sind 82,6% Betrugsdelikte.
Obgleich es bereits eine Reihe von Sicherheitsvorkehrungen gibt, ist weiterer Bedarf in diesem Bereich deutlich erkennbar. Einen ausdrücklichen Hinweis verdient dabei auch die Kampagne „Online kaufen – mit Verstand“ des Programms Polizeiliche Kriminalprävention des Bundes und der Länder (kurz: ProPK) in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Internet-Nutzer werden hier über die wichtigsten Grundregeln zum sicheren Einkaufen im Internet informiert. So sind die „7 Goldenen Regeln zum sicheren Online-Handel“ auf der Internetseite www.kaufenmitverstand.de abrufbar.
Weitere Zahlen und Informationen finden Sie in der kompletten Polizeilichen Kriminalstatistik 2006, die Ihnen unter www.bmi.bund.de zum Download sowie als Broschüre zum Bestellen zur Verfügung steht.
8.5.2007
URL: http://www.bmi.bund.de/cln_012/nn_122688/Internet/Content/Nachrichten/Pressemitteilungen/2007/05/Polizeiliche__Kriminalstatistik.html