Angeklagte gesteht Betrugsserie - Mit Kontakten zu Ministerien und Geheimdiensten geprahlt
rast Lüneburg. Sie ist die Privatdetektivin, die selbst hoffnungslose Fälle lösen kann. Das ermöglichen ihr ihre erstklassigen, weltweiten Kontakte unter anderem zu Ministerien und Geheimdiensten. Das machte die heute 42 Jahre alte Detektivin ihren Klienten glaubhaft. Alles Lüge. Denn ihre Klienten zahlten der Dame mit Detektei in bester Wohnlage in Winsen/Luhe zwar satte Vorschüsse, Ergebnisse gab's dafür aber nicht. Schaden: fast 350 000 Euro. Wegen Betrugs in 49 Fällen muss sich Katharina H. seit gestern vor der 4. Strafkammer am Landgericht Lüneburg verantworten.
Die Angeklagte redete nicht lange drum herum: "Ich übernehme die volle Verantwortung für die mir vorgeworfenen Taten." Und um die aufzulisten, benötigte der Staatsanwalt mehr als eine halbe Stunde. Aus Anklageschrift und dem Geständnis von Katharina H. ergab sich für die Strafkammer folgendes Bild:
Die Angeklagte kam 1964 als Hans-Jürgen H. zur Welt, arbeitete als Landesvermesser. Mitte der 90er-Jahre ließ sich der Transsexuelle Hans-Jürgen operieren, aus ihm wurde Katharina: "Nach der OP fand ich keine Arbeit mehr, wollte aber aus der Sozialhilfe rauskommen." So stieg sie 1997 in eine Hamburger Detektei ein - und nach fünf Monaten wieder aus: "Der Chef zahlte nicht mehr." Die Detektivin machte sich selbstständig, konnte einige Klienten mit nach Winsen übernehmen. Über einen ihrer Klienten lernte die bis dahin noch reell arbeitende Detektivin zwei Rechtsanwälte aus Süddeutschland kennen, "die ihre schon abgezockten Kunden noch einmal kräftig zur Kasse baten".
"Mein Verhalten von damals reut mich, kotzt mich richtig an", sagte die Angeklagte, die damals in die Machenschaften der gar nicht rechtschaffenden Rechtsanwälte einstieg, weil sie selbst klamm war, vor Gericht. Die Masche war in 19 Betrugsfällen identisch: Mandanten der Anwälte, die bei Warentermingeschäften mit Anlagefirmen riesige Geldsummen von bis zu einer Million Mark verloren hatten, gaukelte die Detektivin vor, das Geld wiederbeschaffen zu können. Dafür unterschrieben die Klienten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz einen "Dienstleistungsvertrag" und zahlten zehn Prozent der versprochenen Schadensersatzbeschaffung als Vorschuss. Noch einmal 20 Prozent hätte es als Erfolgshonorar gegeben - doch soweit kam es nie.
Nachdem sich die Detektivin mit den Anwälten überworfen hatte, spezialisierte sie sich auf "hoffnungslose Fälle", nahm dafür reichlich Vorkasse. Einem Spediteur etwa versicherte sie, für ihn eine offene Versicherungsleistung eintreiben zu können und ein Schiff von Kroatien nach Deutschland zu überführen - die Detektivin steckte mehr als 14 000 Mark ein, Geld und Schiff kamen nie beim Spediteur an. Selbst eine Sparkasse, für die die Frau säumige Großschuldner ausfindig machen sollte, gehört zu den Opfern. Ihre Klientel reichte von einer Ehefrau, deren Mann samt 190 000 Mark stiften ging, bis hin zu einer Dame, die nach ihrem einst in der DDR verschwundenen Großvater suchte.
Alle Hilfesuchenden wurden zum Teil äußerst ideenreich von der Betrügerin hingehalten. Doch der Schwindel flog im Jahre 2003 auf, die Detektivin tauchte unter. Ihre Flucht führte sie quer durch Europa und endete im September 2006 in Bergisch Gladbach - Spezialfahnder ließen die Handschellen klicken.
Der Prozess wird am morgigen Donnerstag fortgesetzt.
Landeszeitung Thüringen, 7.3.2007
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