Miriam Ettisch-Enchelmaier hat eigene Detektei/Meist arbeitet sie daheim
DIRMSTEIN Seit mehr als 35 Jahren betreibt Miriam Ettisch-Enchelmaier eine Detektei und Auskunftei. Ihre Geschäfte sind international, doch der Sitz ihres Unternehmens ist nicht etwa in einer schimmernden Großstadt, sondern in einer 3000-Seelen-Gemeinde in der Pfalz.
Ein Sonntagnachmittag in Dirmstein. Im leicht unterheizten Keller ihres Hauses sitzt Miriam Ettisch-Enchelmaier an einem Schreibtische. Die grauhaarige Dame füllt zwei Gläser mit Apfelsaft und blättert in ihrer Master-Arbeit, die sie 2005 an der englischen Universität Durham eingereicht hat. "How To Be a Highly Successful Private Investigator" ist die Arbeit überschrieben - "Wie man ein höchst erfolgreicher Privatdetektiv wird. " Mit diesem Motto ist das Berufsleben von Ettisch-Enchelmaier auf den Punkt gebracht.
Leute im Land
Obwohl sie ihren Master-Abschluss in England gemacht hat, war sie während der ganzen Studienzeit kein einziges Mal dort . Ettisch-Enchelmaier arbeitete mit Telefon, Internet und Fax. "Die Arbeit habe ich in meiner Freizeit geschrieben. Die Firma ging natürlich immer vor. Meine Kunden wollen nicht warten, sonst sind sie weg", sagt sie bestimmt und legt die Arbeit beiseite.
Ihre Kunden, das sind in der Regel Unternehmen und Privatleute, die sich wirtschaftlich absichern wollen. "Zum Beispiel wollen sie wissen, ob ein Unternehmen, mit dem sie beabsichtigen ein Geschäft zu machen, auch verlässlich und zahlungsfähig ist, oder ob sie für das Geschäft zusätzliche Sicherheiten benötigen", erklärt sie. Um das herauszufinden, braucht Ettisch-Enchelmaier keinen detektivtypischen Trenchcoat, sie muss noch nicht einmal das Haus verlassen. Genauso wie sie ihr Master-Studium geregelt hat, erledigt sie auch ihre Arbeit: per Internet, Fax und Telefon. "Einmal hatte ich zum Beispiel eine Anfrage von einem amerikanischen Kunden, der zwei chinesische Unternehmen ausfindig machen wollte, um ihnen Dokumente zuzustellen", berichtet sie aus ihrer Arbeits-praxis. Das Problem dabei: die Namen der Unternehmen hatte der Auftraggeber nur in englischer Lautung, aber nicht in chinesischer Schrift. Telefonate mit Kollegen in Hongkong und Peking ergaben: Ohne die chinesischen Schriftzeichen war nichts zu machen. Ettisch-Enchelmaier durchkämmte ihre Quellen im Netz und wurde fündig. "Ich habe meinem Auftraggeber langwierige und kostspielige weitere Mühen und Recherchen erspart", sagt sie und lächelt zufrieden.
Ettisch-Enchelmaiers Kunden kommen aus aller Welt. Fragt man sie nach genauen Zahlen, hält sie sich bedeckt - Berufsgeheimnis. Nur so viel verrät sie: "Ein großer Teil meiner Kunden kommt aus dem Ausland." Genauso diskret und vorsichtig ist sie auch in anderen Fragen: Ihr Alter beispielsweise möchte sie nicht in der Zeitung lesen.
Obwohl sie für ihre Arbeit nur selten das Haus verlässt, ist Miriam Ettisch-Enchelmaier schon viel herumgekommen. Geboren wurde sie im heutigen Israel. Die Eltern, gebürtige Berliner Juden, waren nach Hitlers Machtergreifung ausgewandert. In den 50er Jahren kehrten sie aus gesundheitlichen Gründen mit ihren zwei Kindern nach Berlin zurück. Dort blieb Miriam Ettisch-Enchelmaier, abgesehen von ihrem Bachelor-Studium in England bis 1979. Dann zog die Liebe sie in den Südwesten des Landes: Zusammen mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann Helmut, einem gebürtigen Mannheimer, baute sie das Haus, in dem sie noch heute lebt und arbeitet.
Dass sich in dem Haus eine kleine, aber erfolgreiche Detektei befindet, ist von außen nicht zu sehen. Ein Firmenschild sucht man vergeblich. "Viele in Dirmstein wissen gar nicht, dass es hier eine Auskunftei gibt", sagt sie und greift nach der Flasche auf ihrem Schreibtisch. "Das ist etwas Besonderes: Dirmsteiner Apfelsaft. Sie können gern die ganze Flasche trinken, ich habe noch mehrere Kisten davon", sagt sie. Lächelnd gießt sie zwei Gläser voll und lehnt sich zurück.
Quelle: Main Spitze, 1.2.2007, von Fabian Wallmeier
URL: http://www.main-spitze.de/rhein-main/objekt.php3?artikel_id=2695085