Wien, 2. Feb 2007
Anlässlich der 3. Weltkonferenz zum Thema Markt- und Produktpiraterie in Genf stellte die Internationale Handelskammer (ICC) ihre weltweite Studie über Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums vor.
Gefälscht wird alles, was einen finanziellen Erfolg verspricht - Spielwaren und Sportbekleidung, Filme und Software, Zigaretten, Lebensmittel und Wodka, Medikamente, Autobremsbeläge bis hin zu Ersatzteilen für Flugzeuge. Rund 60% der in der EU aufgegriffenen Fälschungen stammen aus China.
Gefälschte Produkte gefährden Gesundheit und Sicherheit und bedrohen die wirtschaftliche Entwicklung nicht nur bei uns, sondern auch in Entwicklungsländern. Täglich gibt es dadurch Menschen die verletzt oder vergiftet werden, oder einen Unfall erleiden.
Hinter vielen Herstellen stehen oft nicht mehr – wie bis vor einigen Jahren – halbseriöse Unternehmen, sondern leider bereits vielfach mafiöse Organisationen. Diese Gruppen der organisierten Kriminalität verteidigen ihre Vertriebswege und Produktionsstätten zum Teil mit Waffengewalt.
Die Studie, durchgeführt von der Internationalen Handelskammer (ICC) in Zusammenarbeit mit der Cass Business School, University of London, untersucht die Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Schutz des Geistigen Eigentums. Österreich nimmt – nach den USA, Großbritannien und Deutschland – nur Platz 12 in der Pirateriebekämpfung ein. Staaten, denen von Unternehmen schlechte Bedingungen für den Schutz des Geistigen Eigentums attestiert werden, sind insbesondere China und Russland.
Von den 29 Ländern, denen die besten Rahmenbedingungen für den Schutz Geistigen Eigentums zugebilligt werden, sind die USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich als führend im Kampf gegen Marken- und Produktpiraterie angesehen.
Auf die Frage, welches Land über die schlechtesten Bedingungen für den Schutz Geistigen Eigentums verfügt, nannten die Befragten 53 Länder. China und Russland wurden ganz weit vorne genannt, gefolgt von Indien, Brasilien, Indonesien, Vietnam, Taiwan, Pakistan, Türkei und Ukraine.
Über die letzten Jahre war das Ziel der ICC die Gesetzgebung zum Thema Geistiges Eigentum zu verbessern. Hier konnte vieles erreicht werden. Auch China hat nun ein – weitgehend aus Deutschland übernommenes – Anti-Pirateriegesetz. In der Zukunft muss, nach Ansicht der Experten, nun insbesondere die Durchsetzung der Rechte durch die jeweiligen Regierungen im Mittelpunkt der Bemühungen stehen. Das Länder-Ranking zeigt, dass das Problem der Marken- und Produktpiraterie ein weltweites ist und nicht nur China betrifft.
Da vielfach nun die juristischen Rahmenbedingungen für eine Verfolgung von Piraten geschaffen wurden, müssen Unternehmen diese Möglichkeiten auch aufgreifen und Verletzungen geistigen Eigentums sofort aktiv verfolgen! Piraten sind letztlich Geschäftsleute, die – möglichst ungestört - Profitmöglichkeiten suchen. Wenn der Druck der Verfolgung zu stark wird, verlegt man sich auf ein anderes Geschäftsfeld. Daher ist es notwendig, dass Unternehmen der Herkunft von Fälschungen sofort nachgehen, um möglichst nicht nur die Vertriebswege, sondern auch die Produktionsstätten zu zerstören.
„Die Internationale Handelskammer Österreich berät Firmen bei der Ausarbeitung der Verfolgungsstrategien und hat ein weltweites Detektivnetzwerk um Vertriebswege und Produktionsstätten ausfindig machen zu können. Auch hat die ICC Teams, die Fälscherfabriken - wenn juristisch möglich - zerstören. Derzeit gelingt es 30 bis 40 Fälscher-Fabriken pro Monat in China zu schließen“, sagt Dr. M. Burger-Scheidlin, Geschäftsführer der Internationalen Handelskammer Österreich.
„Mit jedem Kauf einer gefälschten Ware helfen Sie der Organisierten Kriminalität reicher zu werden und besser unseren Sozialstaat zu unterwandern! Auch sägen Sie mit jedem Kauf von Fälschungen ein wenig an der Sicherheit Ihres eigenen Arbeitsplatzes. Denn Piraten zahlen keine Steuern und Sozialabgaben, reduzieren die Profitmargen heimischer Firmen, deren Forschung und Innovation und schwächen so deren internationale Wettbewerbsfähigkeit – was letztlich im Verlust von Arbeitsplätzen endet“, informiert Burger-Scheidlin.
Auf der makroökonomischen Seite vermutet man, dass gefälschte Produkte ca. 5 % des Welthandels ausmachen und ein Schaden € 120 – 200 Mrd. entsteht. In Deutschland wird geschätzt, dass jeder 12. verkaufte Markenartikel eine Fälschung ist und rund 70.000 Arbeitsplätze pro Jahr dadurch verloren gehen.
Die BASCAP Initiative (Business Action to Stop Counterfeiting and Piracy) der ICC wurde von CEOs weltweit führender Unternehmen ins Leben gerufen. Die Initiative verfolgt das Ziel, praktische Hilfestellung für Unternehmen beim Kampf gegen die Markenpiraterie zu leisten, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Gefahren zu schärfen, aber auch die länderübergreifende Zusammenarbeit mit Regierungen zu stärken.
Die ausführliche Zusammenfassung der Befragung mit Statistiken in Englisch kann hier heruntergeladen werden: www.iccwbo.org/bascap
Haben Sie Fragen zu diesem Thema? Unsere Mitarbeiter informieren Sie gerne.
Nähere Infos bei: Dr. M. Burger-Scheidlin, icc@icc-austria.org T: 01-501053716