Taxi-Prozess wird Justiz-Drama
SALZBURG. Das Justiz-Drama um den Tod von Claudia Deubler (28), vom 5. Juli 1993 geht weiter: Ein Beschuldigter gesteht, der Zweite will mit der Tat nichts zu tun haben.
Angeklagt sind der 30-jährige Tomi S. wegen des Verdachtes des Mordes und Raubes sowie der 29-jährige Daniel N. wegen Raubes.
Bereits im Anklagevortrag entschuldigte sich Staatsanwältin Herta Krainer bei Peter Heidegger: "Es steht fest, dass er die Tat nicht begangen hat und dafür schuldlos im Gefängnis gesessen ist. Aber auch wir sind keine Übermenschen." Bekanntlich war Heidegger 1994 zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Kurz darauf sagte bereits Daniel N. aus, doch ihm wurde nicht geglaubt. Heidegger wurde 2003 wegen erwiesener Unschuld freigesprochen.
Jetzt geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Tomi S. der Täter ist. Die Anklage stützt sich auf die Schilderungen von Daniel N. Er und S. hatten sich einen Monat vor der Tat in Salzburg kennengelernt. S. war 16, N. 15 Jahre alt, waren mit ihrem Leben unzufrieden, nahmen Drogen. Anfang Juli 1993 fanden die Burschen eine Pistole im Keller von N.'s Vater. Am Abend des 5. Juli sollen sie einen Raub auf ein Taxi geplant haben. Gegen 23.00 Uhr sollen sie am Hanuschplatz in den Wagen von Deubler eingestiegen sein. Sie dirigierten Deubler zum Auschneidersee nach Wals, dort soll S. schließlich Deubler erschossen haben. Das Projektil durchschlug Kehlkopf und Wirbelsäule und wurde nie gefunden.
3000 Schilling Beute
Mit Deublers Brieftasche mit 3.000 Schilling flüchteten sie zu Fuß. Die Pistole und den Zündschlüssel soll S. in eine Wiese geworfen haben. Dann entsorgten sie die Ausweise und eine Raika-Bankkarte in einem Kanalschacht. Die EC-Karte der Raika ist für die Staatsanwaltschaft ein wichtiges Indiz für die Glaubwürdigkeit von N.: "Er konnte weder aus dem Akt noch aus den Medien davon wissen."
Rätselhaft bleibt vorerst die Herkunft der Waffe. Ob diese tatsächlich aus dem Keller stammt, konnte nicht geklärt werden. N. meinte, es sei eine "Beretta 38" gewesen, gefunden wurde 1997 in der Nähe des Tatortes, allerdings im Wasser, eine "Walther P38".
Tomi S. betonte vor Gericht, dass er unschuldig sei und würdigte Daniel N., der sich des Raubes schuldig bekannte, keines Blickes. "Ich war nicht am Tatort und habe weder einen Raub noch einen Mord begangen", sagte Tomi S. zu Richterin Bettina Maxones. Auch sein Verteidiger fand viele Zweifel und Ungereimtheiten an der Anklage. Fortsetzung am Donnerstag. (luke)
Oberösterreichische Nachrichten vom 30.01.2007URL: http://www.nachrichten.at/nachrichten/513108
"Wollen Bestrafung des richtigen Täters"
GMUNDEN. Peter Heidegger und seine Mutter Elfriede verfolgen den Prozess mit großem Interesse. Ihr Mitleid gilt den Eltern des Mordopfers.
Peter Heidegger mit seiner Mutter
OÖN: Verfolgen Sie den Gerichtsprozess im Mordfall Deubler?
Elfriede Heidegger: Ja natürlich, auch meinen Sohn interessiert das. Eigentlich geht uns das ganze ja nichts mehr an. Aber wir wollen trotzdem, dass der richtige Täter bestraft wird. Am meisten tun mir die Eltern des Mordopfers leid. Ich hoffe für sie, dass der Fall jetzt endlich abgeschlossen werden kann.
OÖN: Was empfindet Ihr Sohn angesichts des neuerlichen Rummels?
Heidegger: Peter hat die Sache abgeschlossen, aber vergessen kann er seine falsche Verurteilung und die Jahre im Gefängnis nicht mehr. Damit muss er jetzt leben.
OÖN: Wie geht es ihm grundsätzlich? Angeblich hat er sich inzwischen eine neue Existenz aufgebaut.
Heidegger: Meinem Sohn geht es so weit ganz gut. Er arbeitet wieder in seinem alten Beruf. Zwar nicht direkt als Fliesenleger, aber zumindest in der Branche. (ebra)
Oberösterreichische Nachrichten vom 30.01.2007
URL: http://www.nachrichten.at/nachrichten/513053
Dritter Schwurprozess um Mordfall Deubler begonnen
Salzburg (APA) - Am Landesgericht Salzburg hat am Montag der dritte Geschworenenprozess im Mordfall Deubler begonnen. Angeklagt sind der 30-jährige Tomi S. wegen Mordes und schweren Raubes sowie der 29-jährige Daniel N. wegen schweren Raubes. Die damals 28 Jahre alte Taxilenkerin Claudia Deubler war in der Nacht auf den 6. Juli 1993 bei einem Schotterteich in Wals bei Salzburg erschossen und ausgeraubt worden.
Wenige Tage danach wurde der Gmundner Peter Heidegger verhaftet. Unter Druck legte er ein Geständnis ab, widerrief dies aber kurz darauf und beteuerte dann stets seine Schuldlosigkeit. Dennoch wurde er 1994 zu 20 Jahren Haft verurteilt, 2003 wurde er wegen erwiesener Schuldlosigkeit im zweiten Prozess rechtskräftig freigesprochen. Er erhielt 950.000 Euro Schadenersatz. Schon wenige Tage nach Heideggers Verurteilung hatte Daniel N. der Exekutive erzählt, dass er im Taxi gesessen war, als Tomi S. der Lenkerin mit einer Pistole in den Hals geschossen hatte. Auf diese Aussage stützt sich nun die Anklage im Indizienprozess. Die Verhandlung wird mindestens bis Mitte April dauern, rund 50 Zeugen werden gehört. Der Anwalt von Tomi S. sagte vor Verhandlungsbeginn, sein Mandant bekenne sich nicht schuldig, weil er nicht in dem Taxi gesessen sei. N. hingegen werde sich der Beitragstäterschaft schuldig bekennen, so dessen Verteidiger. Beide Angeklagte waren zum Tatzeitpunkt Jugendliche. Heideggers Anwalt kündigte an, dass sich der Gmundner dem Verfahren als Privatbeteiligter anschließen werde. Heidegger fordert 1.000 Euro als symbolisches Teilschmerzensgeld, weil die damalige Haftentschädigung nur ein Vergleich gewesen sei. Der Vater des Mordopfers fordert 7.000 Euro Teilschmerzensgeld.
APA 10:35 29.01.2007
URL: http://www.nachrichten.at/nachrichten/512901