Polizei fahndet nach blauem BMW
Die Polizei in Ipswich verfolgt alle Spuren: Gefahndet wird nach dem Fahrer eines blauen BMW und nach der Kleidung der fünf Mordopfer, die innerhalb von zehn Tagen nackt in einem Umkreis von nur 15 Kilometern gefunden worden waren - noch allerdings tappen die Ermittler im Dunkeln.
Ipswich - Der blaue BMW sei von mehreren Augenzeugen gesehen worden, sagte der leitende Kriminalkommissar Stewart Gull. Allerdings sei die Suche nach dem Auto und seinem Fahrer nur ein Fahndungsansatz von vielen. "Wir haben eine Menge Anrufe und viele interessante Informationen erhalten", sagte Gull. Insbesondere suchten die Ermittler nach der Kleidung der fünf Mordopfer, die allesamt nackt gefunden wurden. Zudem versuchte die Polizei, die letzten Aufenthaltsorte der getöteten Prostituierten nachzuvollziehen.
Der Verdacht gegen den Fahrer des BMWs wurde durch die Aussage einer anderen Prostituierten erhärtet. Diese sagte aus, sie habe eines der Opfer, Anneli Alderton, am 30. November in das Auto steigen sehen. Die Leiche der 24-Jährigen wurde am 10. Dezember in einem Wald in der Nähe von Ipswich entdeckt. Den Fahrer des blauen BMWs beschrieb die Zeugin als "dick und braunhaarig". In Ipswich und Umgebung hatte die Polizei innerhalb von nur zehn Tagen fünf Frauenleichen entdeckt. Drei Opfer wurden bereits identifiziert: die 25-jährige Gemma Adams, die 19-jährige Tania Nicol und Alderton. Die Behörden gehen davon aus, dass alle Opfer demselben Täter zum Opfer fielen. Laut Hauptkommissar Gull von der Polizei von Suffolk handelt es sich bei den beiden anderen Frauen, deren Leichen am Dienstag nahe des Dorfes Levington gefunden wurden, wahrscheinlich um die 24-jährige Paula Clennell und die 29-jährige Annette Nicholls aus Ipswich.
Suche nach Kleidungsstücken
Alle fünf Opfer wurden nackt gefunden; zwei von ihnen trugen noch ihren Schmuck. An einem Fluss nahe der Kleinstadt wurden Kleidungsstücke gefunden und im Stadtzentrum eine Handtasche entdeckt. Nun prüft die Polizei, ob die Gegenstände mit den Opfern in Verbindung gebracht werden können.
Nach und nach kommen auch weitere Erkenntnisse zu den Todesumständen der Frauen ans Licht. Laut einer heute veröffentlichten Untersuchung wurde einer der Frauen der Hals gebrochen.
Unterdessen trauern die Bewohner der Hafenstadt um die fünf jungen Frauen. Im Rathaus der Stadt wurde ein Kondolenzbuch aufgestellt. Im Rotlichtviertel hängen an Laternenmasten Blumen zum Andenken an die Ermordeten.
Die Polizei patrouilliert regelmäßig im Rotlichtviertel von Ipswich. Doch auch trotz der lauernden Gefahr gehen einige Prostituierte weiter anschaffen: Sie brauchen das Geld, um ihre Drogensucht zu finanzieren. Da es für den Mörder immer schwieriger wird, Opfer zu finden, befürchten Experten, dass der Täter den Kreis der Opfer erweitern könnte. "Wenn ihm die Prostituierten ausgehen, wird er möglicherweise jede Frau, die nachts alleine in den Straßen unterwegs ist, als Prostituierte ansehen und als mögliches Opfer angreifen", erklärte Psychiater Ian Stephen.
"Er hat Geschmack bekommen, kann nicht aufhören"
Experten versuchen unterdessen, ein Profil des Täters zu erstellen. Nach Ansicht des britischen Kriminologen Carol Hedderman könnte der Mörder Ipswich als Tatort ausgesucht haben, weil er dort aufgewachsen ist oder längere Zeit dort gearbeitet hat. In der Stadt ist der Zusammenhalt eng, viele der 140.000 Einwohner verbringen ihr ganzes Leben in der ostenglischen Stadt.
"Er hat Geschmack bekommen, er kann nicht aufhören", sagte Kriminalexperte Allen Bayle dem Fernsehsender Sky News. Vielleicht sei der Mörder erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen worden, mutmaßt er. Der Psychologe Ged Bailes glaubt, dass der Mörder zwanghaft handelt: "Der Wunsch steckt tief in ihm, es gibt keinen äußeren Anlass", sagt der leitende Gerichtsmediziner des Krankenhauses von Norwich.
Weil die Opfer nackt waren, ihnen aber keine sexuelle Gewalt angetan wurde, glauben sowohl Hedderman als auch Bailes, dass es dem Mörder ausschließlich um Macht und Dominanz geht. Laut Heddermann wirken Serienmörder meistens völlig normal. Sie seien zwar Psychopathen, doch werde dies nicht bemerkt: So seien sie weder schizophren noch hörten sie irgendwelche Stimmen.
Der mutmaßliche Serienmörder, der in Anlehnung an den Prostituierten-Mörder "Jack the Ripper" von den britischen Medien als "Ipswich Ripper" bezeichnet wird, hat unter Umständen auch schon in den vergangenen Jahren Prostituierte ermordet. In der "Daily Mail" meldete sich die Mutter einer 1992 getöteten Prostituierten zu Wort. Die Polizei habe Kontakt zu ihr aufgenommen. "Ich glaube, mit den Leichen der jungen Frauen wurden möglicher Weise Dinge gemacht, die auf einen Zusammenhang mit dem hinweisen, was meiner Tochter Nathalie passiert ist."
han/AFP/Reuters
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Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,454596,00.html