DIE MAFIA, DER FSB UND PUTIN
HINTERGRÜNDE DES MORDES VON ALEXANDER LITWINENKO
Der Mord des ehemaligen Mitarbeiters des FSB Alexander Litwinenko ist die konsequent fortgesetzte Vernichtungspolitik von Wladimir Putins Freunden gegen vermeintliche Gegner, die gefährlich wurden beziehungsweise werden könnten. Diesmal zum ersten Mal in Westeuropa.
Alexander Litwinenko, der im FSB in der Abteilung zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens tätig war, verfügte einzig – nicht mehr und nicht weniger - über einige intime Kenntnisse über die Verwicklung von Wladimir Putin in kriminelle Machenschaften während Putins Zeit als stellvertretender Bürgermeister von St. Petersburg und späterer Chef des FSB.
Ansonsten war Litwinenko, der in eher ärmlichen Verhältnissen in London lebte, sicher keine Person, die über besonders brisante Informationen verfügte. Als Durchlauferhitzer für Verschwörungstheorien von Boris Beresowski war seine Glaubwürdigkeit ansonsten eher bescheiden.
Tatsache jedoch ist, dass die damaligen Seilschaften aus St. Petersburg, die Putin in den Kreml gefolgt sind, es zum Beispiel ermöglichten, dass eine kriminelle Organisationen, die Tambovskaja, die mächtigste Mafiaiagruppe in St. Petersburg werden konnte - und heute drei Viertel der gesamten Wirtschaft von St. Petersburg beherrscht.
Freunde von Putin, insbesondere aus dem FSB, arbeiteten eng mit dem Chef dieser kriminellen Organisation zusammen, sozusagen als Mittelsmänner. Darüber hatte Litwinenko Kenntnisse.
Wladimir Putin duldet bis zum heutigen Tag das Treiben der kriminellen Organisation Tambovskaja. Hinzu kommt, dass heute alle international bekannten kriminellen Paten, wie der berüchtigte Semion Mogilevich, ein schützendes Dach im Kreml haben, nämlich Putin und den FSB.
Diese kriminellen Gruppen zu instrumentalisieren war schon immer die Politik des FSB. Um einen Mord durchzuführen bedarf daher keines Befehles von Putin selbst.
Das führt zu den mutmaßlichen Hintergründen des Mordes an Litwinenko. Sie haben nichts mit irgendwelchen finsteren „Nebengeheimdiensten“ oder Ex-Geheimdienstlern zu tun, wie derzeit gerne verbreitet wird. Die Spuren sind viel eindeutiger. Die Fakten:
Allein staatliche Organe der russischen Föderation können über Polonium verfügen.
Exporteur von Polonium ist das staatliche Unternehmen Tekhsnabexport mit Sitz in Moskau. Das bestätigte auch der Vorsitzende der russischen staatlichen Atomenergiebehörde, Sergej Kirijenko.
Generaldirektor von Tekhsnabexport ist der am 29. Januar 1957 geborene Wladimir Smirnow. Er ist seit Anfang der neunziger Jahre ein enger Freund von Wladimir Putin in St. Petersburg. Gleichzeitig war er in den neunziger Jahren als Unternehmer geschäftlich eng mit dem Chef der St. Petersburger kriminellen Organisation Tambovskaja (Wladimir Kumarin alias Barsukow) verbunden. Er galt als Mittler zwischen Putin und der Tambovskaja. Bekannt wurde er in Deutschland als die Staatsanwaltschaft Darmstadt ein Verfahren gegen die SPAG eröffnete, wegen Geldwäsche für eine kriminelle Organisation, nämlich die Tambovskaja.
Smirnow war mehrere Jahre im Aufsichtsrat der SPAG, bis zum Jahr 2000. Zusammen mit Wladimir Putin ging er danach nach Moskau. Putin wurde Präsident und Smirnow Generaldirektor von Tekhsnabexport. Und der Chef der Tambovskaja lebt bis heute als einflussreicher Unternehmer in St. Petersburg.
Wenn das tödliche Polonium überhaupt in der Verfügungsmacht von einzelnen Personen gestanden hat, dann war es das Unternehmen Tekhsnabexport und natürlich der FSB. Tekhsnabexport unterhält übrigens eine Tochtergesellschaft in Deutschland.
Das sind die Fakten. Andere wird es, trotz vieler Verschwörungstheorien, nicht geben. Der Leser soll selbst seine Schlussfolgerungen ziehen.
von juergen-roth@juergen-roth.com
7.12.2006