WIRTSCHAFT. Seit 40 Jahren kümmert sich Manfred Lotze für das Detektiv-Institut Kocks um Diebstahl, Mobbing und Spionage.
Wie ein Fensterputzer oder Schreiner sieht er nicht gerade aus - in seinem hellblauen Hemd samt roter Krawatte. Diese Arbeiten sind aber kein Problem für ihn. Auch den Hausmeister und Elektriker hat er in seinem Repertoire - zumindest oberflächlich gesehen. Gelernt hat Manfred Lotze die Berufe nicht. Sie dienen ihm lediglich zur Tarnung. Lotze ist Detektiv und arbeitet seit 40 Jahren für das "Detektiv-Institut Kocks" in Kaiserswerth.
Angefangen hat der 63-jährige dort als kaufmännischer Angestellter. Dabei war er von Anfang an in sämtliche Abläufe und Fälle des Hauptfeldes Werks- und Betriebsschutz eingeweiht. "Bei dem Thema ,anonyme Hinweise´ habe ich Blut geleckt", erinnert sich der gebürtige Erfurter. Früher seien Tipps ohne Absender schnell im Papierkorb gelandet. "Ich dachte mir sofort, dass da mehr drin steckt. Solche Informanten meinen es in der Regel gut mit der Firma." Prompt entwickelte er sportlichen Ehrgeiz und wechselte in die Praxis. Als Wirtschaftsermittler und Berater in Sicherheitsfragen spezialisierte sich M.L. - so nennen ihn seine Kollegen - auf den Tatort Arbeitsplatz.
Nadelöhr-Kamera in der Steckdose
Dort geht es um Diebstahl, Mobbing, Spionage und Sabotage. "In Deutschland liegt der jährliche Schaden durch Manager- und Mitarbeiterkriminalität bei 100 Milliarden Euro," so Lotze. Wenn Waren verloren gehen, Akten verschwinden oder krankgefeiert wird, rufen die Firmen nach Detektiven. Technisch sind sie auf dem neuesten Stand: "Einmal haben wir eine Nadelöhr-Kamera in eine Steckdose eingebaut, um zu sehen, wer nachts den Firmencomputer hochfährt." Dabei stellte sich heraus, dass sich ein Ex-Mitarbeiter regelmäßig mit der Putzkolonne einschlich, um Daten an die Konkurrenz weiterzugeben.
Nach jahrelanger praktischer Arbeit koordiniert Lotze jetzt als geschäftsführender Gesellschafter meist von seinem Schreibtisch aus die Einsatzteams und tüftelt an der Ermittlungsstrategie - mit Erfolg: Über 80 Prozent der Aufträge erhält Kocks (32 Mitarbeiter) von Stammkunden oder durch Empfehlungen. "Unsere Erfolgsquote liegt bei 90 Prozent,", erklärt Lotze, der sich seit 30 Jahren auch in Detektiv-Verbänden engagiert. So hat er einen "Preisspiegel für Detektivleistungen" entwickelt und Claus Theo Gärtner alias Matula aus der Fernsehserie "Ein Fall für Zwei" als "Detektiv des Jahres 1987" ausgezeichnet. "Der Schulterschluss zwischen Anwalt und Detektiv zeigt hervorragend unsere Praxis."
Wichtig für einen guten Ermittler sei es, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen. "Im Privaten sagt man mir nach, dass ich ständig analytisch denken würde, aber ich will alles genau wissen." Von Vorurteilen hält er nicht viel. "Den Menschen sieht man es nicht an, ob sie kriminell sind. Man kann jemandem nur vor die Stirn schauen, aber nicht dahinter."
27.11.2006 INGMAR KREIENBRINK, NRZ Online,
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