Die "Prügel-Affäre" hat die Leibwächter der Politiker ins Gerede gebracht. Wer braucht sie, was müssen sie können?
Die Anforderungen an professionelle Personenschützer sind hoch. Herrnhof: "Sie müssen zurückhaltend agieren, weil ihre Schutzperson im Rampenlicht steht. Fingerspitzengefühl ist wichtig: Wie nahe lasse ich Wähler an Politiker heran?" Vier Fünftel der Arbeit eines Bodyguards sei Denkarbeit, meint Herrnhof. "Ich muss mir überlegen, in welchem Umfeld meine Schutzperson auftritt. Welche Fahrtstrecke ist die sicherste?" Ein guter Bodyguard beherrscht Fremdsprachen. "Wenn jemand meine Schutzperson im Ausland beschimpft und dabei lächelt, merke ich gar nicht, dass Gefahr besteht", erklärt Herrnhof.
Gute Allgemeinbildung ist ebenso Grundvoraussetzung für einen Bodyguard. "Stellen Sie sich vor, ein Politiker geht Golfspielen. Beim Small Talk fragt er seinen Bodyguard nach dessen Handicap. Und der Bodyguard antwortet: 'Ich bin kurzsichtig.'"
BZÖ-Chef Westenthaler, flankiert von Bodyguards. Die Ermittlungen in der orangen Prügel-Affäre laufen noch.
Hintergrund
Gastinger ermunterte zur Anzeige
"Haut's die Arschlöcher raus", soll BZÖ-Chef Westenthaler seinem Bodyguard befohlen, andere am Einschreiten gehindert haben.
Orange-Attacke wird Fall für Justiz
Die Attacke eines Bodyguards von Westenthaler auf den Pressesprecher von Justizministerin Karin Gastinger, Christoph Pöchinger, hat Folgen.
Interview
"Ein Personenschützer ist kein Kampfhund"
KURIER-Interview mit dem Präsidenten des Österreichischen Detektivverbandes, Werner Machacek.
Lesermeinungen
"Haut's die Arschlöcher raus" ...
... soll Peter Westenthaler seinem Bodyguard befohlen haben, woraufhin dieser den Justizministeriums-Sprecher Christoph Pöchinger verprügelt haben soll.
Zimperlich dürfte der Bodyguard von Peter Westenthaler nicht sein, glaubt man dem Sprecher von Justizministerin Karin Gastinger. Der Beschützer des BZÖ-Chefs habe ihn in der Wahlnacht im "Stadl" in Wien-Alsergrund vom Barhocker gerissen, durch das Lokal in einen Vorraum gezerrt und dort getreten, berichtete Christoph Pöchinger geschockt. Das BZÖ dementiert, doch die "Prügel-Affäre" macht seit Tagen Schlagzeilen – und hat den Berufsstand der Personenschützer ins Gerede gebracht.
Schutzlos
Von Österreichs Spitzenpolitikern leisten sich nur Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Peter Westenthaler (BZÖ) Leibwächter. Strache vertraute im Wahlkampf auf zwei karenzierte WEGA-Beamte. "Wir haben keine Privat-Rambos", sagt FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky. Alfred Gusenbauer brauchte bisher "niemanden, der ihn vor dem Volk schützt", heißt es aus seinem Büro. Auch Grünen-Chef Alexander Van der Bellen "fürchtet nicht um sein Leben" und verzichtet auf Personenschutz. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel wird von Staatspolizisten geschützt. "Diese müssen nur selten helfend eingreifen", sagt Kanzlersprecherin Heidi Glück. Sonst sagt sie nichts: "Man will niemandem einen Tipp geben."
Laut Gewerbeordnung ist der Personenschutz dem Berufsstand der Detektive vorbehalten. Das angebliche Verhalten von Westenthalers Beschützer ist dem Bodyguard-Ausbildner Peter Herrnhof völlig unverständlich: "Wenn Westenthaler nicht attackiert wurde, gab es keinen Grund, den Ministersprecher aus dem Lokal zu ziehen." Ein professioneller Bodyguard würde nie zuschlagen, er würde seine Hände unten lassen und den Angreifer mit "schiebenden Bewegungen" aus dem Lokal drängen.
Fingerspitzengefühl
Die Anforderungen an professionelle Personenschützer sind hoch. Herrnhof: "Sie müssen zurückhaltend agieren, weil ihre Schutzperson im Rampenlicht steht. Fingerspitzengefühl ist wichtig: Wie nahe lasse ich Wähler an Politiker heran?" Vier Fünftel der Arbeit eines Bodyguards sei Denkarbeit, meint Herrnhof. "Ich muss mir überlegen, in welchem Umfeld meine Schutzperson auftritt. Welche Fahrtstrecke ist die sicherste?" Ein guter Bodyguard beherrscht Fremdsprachen. "Wenn jemand meine Schutzperson im Ausland beschimpft und dabei lächelt, merke ich gar nicht, dass Gefahr besteht", erklärt Herrnhof.
Gute Allgemeinbildung ist ebenso Grundvoraussetzung für einen Bodyguard. "Stellen Sie sich vor, ein Politiker geht Golfspielen. Beim Small Talk fragt er seinen Bodyguard nach dessen Handicap. Und der Bodyguard antwortet: 'Ich bin kurzsichtig.'"
Artikel vom 06.10.2006, 18:05 | KURIER | Nicholas Bukovec
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