Wirbel um Foco-Film "Sehen Klage gelassen"
LINZ. "Wir drehen gar keinen Film über Tibor Foco." So reagiert die Produktionsfirma "Allegro" auf die von Foco-Anwalt Johannes Hintermayr angedrohten rechtlichen Schritte gegen die Dreharbeiten.
Wie exklusiv berichtet, fordern Hintermayr und der mit der Foco-Affäre bestens vertraute Bürgerrechtsaktivist Peter Römer, die Dreharbeiten "sofort zu stoppen". Grund: Allegro habe an der Geschichte von Tibor Foco keine Rechte. Diese würden ausschließlich bei Römer liegen.
"Wir verfilmen das Buch 'Die Geschworene' von Katharina Zara. Die fiktive Geschichte spielt in Wien, der Haupt-Protagonist heißt Laszlo Varga. Weder im Buch noch im Film kommt der Name Foco vor", heißt es bei "Allegro". Eine etwaige Klage sieht die Produktionsfirma "gelassen". Römer solle seine Behauptung, er verfüge über die Foco-Exklusivrechte, beweisen. "Auch recht", kontert der Bürgerrechtsaktivist.
Oberösterreichische Nachrichten vom 07.10.2006
URL: http://www.nachrichten.at/lokal/483120?PHPSESSID=105a920773a95baec8e538a41654bbca
Anwalt fordert: Dreharbeiten stoppen
Anwalt will gegen Foco-Film klagen
LINZ. Während die Dreharbeiten des ORF und der Produktionsfirma "Allegro" zum Film "Die Geschworene", der auf der Geschichte von Tibor Foco basiert, voll im Gang sind, will der Anwalt des geflohenen Ex-Zuhälters klagen. Die von Foco und den damals Mitangeklagten Regina Ungar und Peter L. schriftlich eingeräumten Exklusivrechte stünden alleine dem freien Journalisten Peter Römer zu, sagt der Linzer Urheberrechtsexperte Johannes Hintermayr.
Oberösterreichische Nachrichten vom 06.10.2006
http://www.nachrichten.at/nachrichten/482811
Anwalt: "Dreharbeiten zu Foco-Film sofort stoppen"
LINZ/WIEN. Die Dreharbeiten zum Film "Die Geschworene", der den Stoff der Causa Tibor Foco behandelt, sind im Laufen. Der Anwalt des Flüchtigen droht jetzt mit Klage.
"Die Filmproduktion verfügt über keinerlei Rechte an der Geschichte. Außerdem werden laut Drehbuch wichtige Tatsachen verfälscht dargestellt", sagt der Linzer Rechtsanwalt Johannes Hintermayr.
Er ist anerkannter Urheberrechtsexperte und - was weniger bekannt ist - der gerichtlich bestellte Abwesenheitskurator des seit 1995 flüchtigen Ex-Zuhälters Tibor Foco.
Wie berichtet, verfilmt die Produktionsfirma "Allegro Film" gemeinsam mit dem ORF das Buch "Die Geschworene" von Katharina Zara mit Christiane Hörbiger und Erwin Steinhauer in den Hauptrollen.
Das Buch behandelt die Geschichte des wegen Mordes an einer Prostituierten verurteilten Rennfahrers, dessen Strafe 1997 aufgehoben wurde, aus der Sicht einer Geschworenen.
"Gewollte Assoziation"
"Zwar handelt das Drehbuch von fiktiven Charakteren, allerdings rühren die Verantwortlichen massiv die Werbetrommel mit dem Schicksal Focos und stellen einen klaren Bezug zur wahren Geschichte her", sagt Rechtsexperte Hintermayr.
Diese "gewollte Assoziation" sei ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen - im Wesentlichen Foco und seine damals Mitangeklagten Peter L. und Regina Ungar. "Aber alle diese Personen haben schriftlich ihre Rechte an meinen Mandanten Peter Römer abgetreten", sagt der Anwalt.
Der Journalist Römer gilt als der engagierteste Aktivist in der Foco-Causa, hat im Zuge seiner Recherchen eine eigene Bürgerrechtsplattform "Charta '97" gegründet, die Justizopfern hilft.
Römer sagt: "Ich hatte anfangs nichts gegen eine Verfilmung. Doch das Drehbuch stellt Tatsachen falsch dar. So verhilft eine Geschworene dem Verurteilten zur Flucht. Das ist nachweislich unwahr. Die Geschworenen hatten mit der Flucht nichts zu tun."
Ohne Zustimmung Römers sei der Dreh "sofort zu stoppen", richtet Hintermayr in einem Schreiben, das den OÖN vorliegt, Allegro-Anwalt Alfred Noll aus. "Sollte das Projekt weiter betrieben werden, gibt es eine einstweilige Verfügung", droht der Foco-Anwalt.
Mensch: Peter Römer
Sand im Getriebe der Justiz-Mühlen
Natürlich wisse er nicht, wo Tibor Foco steckt, beteuert der Linzer Bürgerrechtsaktivist und Journalist Peter Römer (55). Wer sich mit ihm über die Affäre um den geflohenen Ex-Rennfahrer, der die Prostituierte Elfriede H. ermordet haben soll, unterhält, blickt dennoch ins Gesicht eines Eingeweihten.
Kaum jemand weiß über den Fall, der sich von einem Mord im Rotlicht-Milieu im Jahr 1986 zu einem Justizskandal auswuchs, besser bescheid. Keiner pflegt engeren Kontakt zu Verwandten, Geschworenen, Ex-Mitangeklagten. Er ist im Besitz der Exklusivrechte an der Geschichte. Folgerichtig zieht er jetzt juristisch gegen die ORF-Verfilmung zu Felde, die für ihn eine "zeitgeistige feministische Seifenoper" zu werden droht.
Römer arbeitete 1987 für das Monatsblatt "Linzer Anzeiger", als der legendäre Wiener Rechtsanwalt Michael Stern bei ihm auftauchte. Der Verteidiger hatte die Causa übernommen, nachdem der Zuhälter in erster Instanz lebenslänglich verurteilt worden war.
"Ich habe Stern anfangs nur aus Höflichkeit zugehört, weil mich der Mord gar nicht interessiert hat", sagt Römer. Doch als der Anwalt heiße Fakten auspackte, wurde Römer hellhörig. Dass sich das Gericht etwa nie für Spermaspuren auf dem Mantel der Prostituierten interessiert hatte, weckte Römers Spürsinn. Spuren, die laut Gerichtsmedizin kurz vor dem Mord abgesondert wurden und die definitiv nicht von Foco stammten. Spuren, die auch nicht von einem Freier stammen konnten, weil das Mordopfer in der Tatnacht keine "Kundschaft" mehr hatte.
Der Journalist - von Focos Unschuld überzeugt - wühlte sich durch die Akten, publizierte. Foco schätzte diese beharrliche Arbeit. Doch dem Rennfahrer ging es offenbar nicht schnell genug. 1995 floh er während eines Studienbesuchs an der Linzer Uni. 1997 hob die Justiz dann das Urteil gegen Foco auf. Römer gründete den Bürgerrechtsverein "Charta 97". Ein Netzwerk aus 15 Rechtsanwälten berät seither unentgeltlich Menschen, die schmerzhaft in die Mühlen der Justiz geraten sind.
"Nicht jeder ist ein Justizopfer. Es gibt viele Spinner", sagt Römer. Als ebensolcher wird der Aktivist auch in Gerichtskreisen gerne bezeichnet. Ist Römer ein Querulant? "Ich behaupte nichts, was ich nicht beweisen kann", kontert er. Fehlurteile kämen oft dadurch zustande, dass die Polizei falsch ermittle "und die Justiz die Fehler unkritisch wiederkäut, anstatt die Exekutive zu kontrollieren."
Oberösterreichische Nachrichten vom 06.10.2006