Anhörung im US-Kongress zum schlimmsten Spionageskandal in der Geschichte des Silicon Valley. HP-Chef Hurd räumt ein: "Es gibt keine Entschuldigung, es wird nie wieder passieren".
Hewlett-Packard (HP)-Chef Mark Hurd hat vor einem Ausschuss des US-Kongresses den Spionageskandal in dem US-Computerkonzern als unentschuldbar bezeichnet. Zum Abschluss einer eintägigen Anhörung übernahm Hurd am Donnerstag weitgehend die Verantwortung für die Geschehnisse in dem Konzern. "Es gibt keine Entschuldigung für diesen Fehltritt."
Er ist geschehen und er wird nie wieder passieren", sagte Hurd. Detektive hatten im Auftrag von HP falsche Identitäten vorgetäuscht, um an Telefondaten von Mitarbeitern und Journalisten zu gelangen. Mit der Untersuchung wollte der Drucker- und Computerhersteller Fälle von Datenspionage und die Weitergabe von Firmeninterna aufklären.
Der US-Kongressauschuss rügte am Donnerstag die Konzernführung. Die bereits zurückgetretene Direktoriumsvorsitzende Patricia Dunn und andere Manager hätten sich bei ihrem Vorgehen auf unzureichende Informationen zu Gesetzesgrundlagen verlassen, sagte der Vorsitzende des Handels- Unterausschusses des Repräsentantenhauses, Edward Whitfield. Demnach sei HP davon ausgegangen, dass die angewandte Praxis legal gewesen sei.
"Zwielichtige Halunken"
Der demokratische Abgeordnete Jay Inslee drückte es laut "spiegel.de" weniger diplomatisch aus. "Abschaum und Halunken", sagte er an einer Stelle in Richtung der geladenen Zeugen: "Zwielichtige Halunken".
Detektive hatten im Auftrag von HP falsche Identitäten vorgetäuscht, um an Telefondaten von Mitarbeitern und Journalisten zu gelangen. Mit der Untersuchung wollte der Drucker- und Computerhersteller Fälle von Datenspionage und die Weitergabe von Firmeninterna aufklären. Wegen der Affäre trat zuletzt auch Firmenanwältin Ann Baskins zurück.
Dunn wies vor dem Ausschuss alle Verantwortung für die umstrittenen Untersuchungen von sich. Sie habe geglaubt, der Finanzchef von Hewlett-Packard (HP), Bob Wayman, habe das Vorgehen abgesegnet, erklärte sie.
Dunn zufolge schickte Wayman - damals auch amtierender HP-Chef - sie 2005 zum Leiter der HP-Sicherheit. Dieser wiederum habe sie zu dem privaten Ermittler geschickt, um die "undichte Stelle" im Führungsgremium zu finden. "Ich nahm an, dass Mr. Wayman alle Arbeiten autorisiert hatte." Schließlich sei Wayman in seiner Position letztendlich für die Sicherheit verantwortlich gewesen und habe besonders deutlich auf die Kontrolle undichter Stellen beharrt. Auch während der Untersuchungen sei ihr versichert worden, dass die angewandten Methoden legal seien.
HP dementierte, dass Finanzchef Wayman in die Affäre verwickelt sei: "Alle Vermutungen von Frau Dunn über Bob Waymans Beteiligung waren nichts weiter als das: Vermutungen."
Über die angewandten Methoden wird derzeit im Kongress heftig debattiert. "Ich verstehe, dass es nötig ist, geheime Informationen geheim zu halten. Aber so weit zu gehen, um zu sehen, wer möglicherweise etwas ausplaudert - dafür gibt es einfach keine Entschuldigung", sagte der republikanische Abgeordnete Greg Walden zu Beginn der Anhörung. Ein Gesetzesvorschlag, der dieses so genannte "Pretexting" zu Straftat erklärt, liegt beiden Kammern vor. Eine Entscheidung dürfte sich jedoch noch hinziehen. (Ag.)
Die Presse, 29.9.2006
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