Tibor Foco hat über seine Anwälte sein Einverständnis gegeben, am 25. September ist es so weit: Erwin Steinhauer beginnt mit den Dreharbeiten zu einem Film über den ehemaligen Rennfahrer, über dessen Prozess und die Flucht, nachdem er wegen Mordes an einer Prostituierten zu 18 Jahren Haft verurteilt worden war.
Erwin Steinhauer realisiert das Projekt: Einverständnis des Flüchtigen liegt vor
Linz - Der Schauspieler und Kabarettist Erwin Steinhauer will den die Linzer Justiz bereits seit zwei Jahrzehnten beschäftigenden "Fall Foco" verfilmen. Der Fall Foco beschäftigt Polizei und Justiz seit dem Jahr 1986. Damals war in Linz eine Prostituierte ermordet worden, ein Jahr darauf wurde Tibor Foco von einem Geschworenengericht für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Foco selbst beteuerte immer seine Unschuld. Das Urteil aus dem Jahr 1987 wurde zehn Jahre später aufgehoben, eine Wiederaufnahme des Verfahrens folgte. Schließlich erhob die Staatsanwaltschaft Linz neuerlich Anklage gegen Foco wegen des Verdachts des Mordes an der Prostituierten. Gegen diese Anklage erhob der Verteidiger Focos Einspruch, welcher abgelehnt wurde - die Anklage ist inzwischen rechtskräftig.
Verhandelt werden konnte aber bisher nicht, da Foco 1995 bei einem Studienausgang in der Linzer Universität geflüchtet und seither untergetaucht ist. Eine internationale Fahndung brachte bis jetzt kein Ergebnis.
Der Film handelt von einer von Christiane Hörbiger gespielten Geschworenen, die von der Unschuld Focos überzeugt ist. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Geschwornen will sie eine Wiederaufnahme des Falles erwirken. Als diese abgelehnt wird, beschließt sie, Foco bei der Flucht zu helfen. "Ich spiele den Vorsitzenden, der von der Geschwornen von Focos Unschuld überzeugt wird", wird Steinhauer zitiert. Drehbeginn soll am 25. September sein. (APA)
http://derstandard.at/?url=/?id=2574594
Mordverdächtiger als Leinwandheld
Kaum ein anderer Fall beschäftigt Polizei, Justiz und Medien seit mehr als 20 Jahren mehr als der Fall Tibor Foco. Mit seinem unglaublichen Charisma schaffte es der Ex-Motorradrennfahrer und ehemalige Bordellbetreiber nach dem ihm zur Last gelegten Mord an der Prostituierten Elfi Hochgatter aber offenbar nicht nur die Geschworenen derart umzustimmen, dass sie den Prozess heute für "geschoben und manipuliert" halten. Schließlich verhalfen Foco Frauen, die ihm verfallen schienen, sogar zur spektakulären Flucht bei einem Studienausgang am 27. April 1995 in der Linzer Kepler Uni. Mit einem ins Gefängnis geschmuggelten Handy und einer bereitstehenden Kawasaki "Ninja" entkam Tibor Foco in die Freiheit.
Dem nicht genug: Nun bringt es der seit mehr als elf Jahren verschollene Foco gar zum "Filmhelden": Ab 25. September wird in Linz mit den Dreharbeiten für "Die Geschworenen" begonnen. Keine Geringeren als Erwin Steinhauer und Christiane Hörbiger nehmen sich des brisanten Endlos-Falls an. Und Foco soll über seine Anwälte bereits ausrichten lassen haben, dass er mit dem Dreh einverstanden sei.
Während Focos Verteidiger also zu wissen scheint, wo sich sein Mandant versteckt hält, suchen die Fahnder den Hauptdarsteller in einem der spektakulärsten Justizkrimis nicht mehr nur in Tschechien und Ungarn, sondern mittlerweile weltweit in den USA, Australien oder Südafrika. Mit Hilfe eines Computer-Programms, das die Alterung simuliert, wurden auch die Fahndungsfotos auf den neuesten Stand gebracht.
Aber nicht einmal die Eltern Christine und der 89-jährige Theodor Foco wollen wissen, wo ihr Sohn steckt. Das Paar, das von der Unschuld des 50-Jährigen überzeugt ist und den Kampf um die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Tibor zu ihrem Lebensinhalt gemacht hat, muss Astrologin Gerda Rogers kontaktieren, um zu erfahren, wie es ihrem Sohn geht.
Kronzeugin Regina Ungar, die von Foco zum Schuss auf das Callgirl gezwungen worden sei und insgesamt neun Versionen über die Geschehnisse zu Protokoll gebracht hatte, wurde wegen "entschuldigenden Notstands" freigesprochen, ein mitangeklagter Komplize 1996 ebenfalls. Im Februar 1997 hob dann ein Drei-Richter-Senat des Oberlandesgerichts Linz das Mordurteil gegen Foco auf. Anfang September 2000 wurde indes aber eine neue Mordanklage gegen Foco rechtskräftig: Genug Stoff also für einen Film!
Oberösterreichische Nachrichten vom 04.09.2006
http://www.nachrichten.at/nachrichten/473506
Trackback: