Hintergrund
Der frühere Chef der Wirtschaftspolizei avancierte 2002 zum Leiter des Wiener Kriminalamtes.
Neuerlicher Paukenschlag bei der Wiener Polizei: Die Staatsanwaltschaft Wien hat gegen den Wiener Landespolizeikommandanten Roland Horngacher gerichtliche Voruntersuchungen wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs und des Verrats von Amtsgeheimnissen in die Wege geleitet. Das gab der Pressesprecher der Anklagebehörde, Gerhard Jarosch, am Freitagabend gegenüber der APA bekannt.
Zuvor hatte Wiens Polizeipräsident Peter Stiedl der APA bestätigt, dass Horngachers Dienstcomputer in gerichtlichem Auftrag beschlagnahmt worden sei. "Der Kollege Horngacher hat ihn aber freiwillig hergegeben", sagte Stiedl.
Fendrichs Koks-Affäre
Horngacher war vorerst zu keiner Stellungnahme bereit. "Dazu gebe ich keine Erklärung ab", sagte er am Abend telefonisch zur APA.
Horngachers Laptop war bereits am 30. Juni auf Antrag der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. "Im Zuge der Erhebungen gegen Horngacher hat sich die Notwendigkeit dazu ergeben", erklärte der Sprecher der Anklagebehörde, Gerhard Jarosch. Horngacher war Ziel einer vom Anwalt des ehemaligen Kripo-Chefs Ernst Geiger, Manfred Ainedter, lancierten Anzeige gegen unbekannte Täter. Darin war der Verdacht erhoben worden, Horngacher könnte den Termin für eine Razzia vorab der Presse bekannt gegeben und die geheimen Einvernahmeprotokolle des in eine Kokain-Affäre verwickelten Austropoppers Rainhard Fendrich der Info-Illustrierten "News" zugespielt haben.
Weitere Verdachtsmomente
Die Anklagebehörde beauftragte daraufhin das im Innenministerium angesiedelte Büro für interne Angelegenheiten (BIA), diese Vorwürfe zu überprüfen. Diese beschränkten sich zunächst keineswegs auf Horngacher allein. Im Zuge der Erhebungen dürften sich dann weitere, darüber hinaus gehende Verdachtsmomente aufgetan haben. "Es steht der Verdacht der Weitergabe von Dateien an Dritte im Raum", stellte Jarosch fest.
"Da geht es um verschiedene Wave-Dateien, die man sucht", erläuterte Polizeipräsident Peter Stiedl. Darüber, was auf diesen Audio-Files, die am Laptop Horngachers vermutet werden, zu hören sein soll, gab Stiedl keine Auskunft: "Näheres kann ich nicht sagen, das wäre auch im kriminaltaktischen Sinn nicht tunlich, wenn man mit Details an die Öffentlichkeit geht."
Hausdurchsuchung
Dem Vernehmen nach soll bei Horngacher auch eine Hausdurchsuchung stattgefunden haben, was die Justiz jedoch nicht offiziell bestätigen wollte. Noch steht auch nicht fest, was sich auf Horngachers Laptop befindet. Die Festplatte wird derzeit im Auftrag der Staatsanwaltschaft von einem EDV-Sachverständigen untersucht.
Auf Horngachers Dienstverhältnis hat die Causa vorerst keine Auswirkungen, wie Stiedl sagte. "Da gibt es keine Veranlassung für eine Suspendierung", betonte der Polizeipräsident. Auch seien die Vorwürfe nicht mit jenen gegen den damals unverzüglich suspendierten ehemaligen Kripo-Chef Geiger zu vergleichen, dem vorgeworfen wird, eine Razzia an einen verdächtigen Sauna-Betreiber aus dem Rotlichtmilieu verraten zu haben. Auch kritisierte Stiedl die Anzeige Ainedters: "Das ist sicherlich keine saubere Vorgangsweise", meinte der Wiener Polizeipräsident.
Quelle: Kurier vom 14.07.2006, 20:21 | apa | bib
http://www.kurier.at/nachrichten/chronik/18470.php
Porträt Roland Horngacher
Der frühere Chef der Wirtschaftspolizei avancierte 2002 zum Leiter des Wiener Kriminalamtes.
Roland Horngacher, ein Wirtschaftskriminalist an der Wiener Polizei-Spitze. Eines konnte man Roland Horngacher in seinem Berufsleben wohl noch nie vorwerfen: Untüchtig ist der Wiener Landespolizeikommandant, unter Polizeipräsident Peter Stiedl die zweite Spitze der Wiener Gesetzeshüter, nie gewesen. 1986 in den Dienst der Bundespolizeidirektion Wien getreten, ging seine Karriere seitdem steil bergauf.
Jurist
Begonnen hat die Laufbahn des Juristen, der sein Jus-Studium als Magister beendete, beim rechtskundigen Dienst der Bundespolizeidirektion Wien. Nach drei Jahren im Kommissariat Ottakring wechselte er im Jahr 1990 zur Wirtschaftspolizei, deren Chef er zum Jahresbeginn 1997 wurde. Im August 2002 folgte die Beförderung zum Leiter des Wiener Kriminalamtes.
Als Polizei und Gendarmerie zusammengelegt und neue Chefposten geschaffen wurden, wurde Horngacher seine bisher höchste Position zugedacht: Der damalige Innenminister Ernst Strasser (V) machte den als SP-nah geltenden Beamten zum ersten Wiener Landespolizeikommandanten und damit zum General. In der Hierarchie über ihm befindet sich nur noch der amtierende Polizeipräsident Stiedl.
Quelle: Kurier vom 14.07.2006, 20:20 | apa | bib
http://www.kurier.at/nachrichten/chronik/18478.php?from/nachrichten/chronik/18470