Im Stadtpark wurden eine vierte Bombenattrappe und ein Bekennerbrief entdeckt. Ein islamistisch-terroristischer Hintergrund kann ausgeschlossen werden.
Wien - Kurz vor dem heutigen Bush-Besuch haben Dienstag früh Bombenattrappen in Wien für einen Großeinsatz von Sprengstoffexperten gesorgt. Da zunächst unklar war, wie gefährlich die verdächtigen Konstrukte waren, wurde die Umgebung der Fundorte - Burgring, Johannesgasse und Franzensbrückenstraße - großräumig gesperrt. Zwei Pakete wurden kontrolliert gesprengt, das dritte händisch geöffnet und für ungefährlich befunden. Gegen 10:45 wurde im Stadtpark schließlich ein vierter, geöffneter Koffer entdeckt, der sogleich als Attrappe zu erkennen war.
Erster Alarm um 7.30 Uhr
Gegen 7.30 Uhr hatte ein Sprengstoff kundiger Polizist am Burgring 1 in der Inneren Stadt den ersten Alarm gegeben: Ein verdächtiger Koffer war mit Klebeband an einem Elektro-Kasten angebracht. Drähte lugten heraus, eine Antenne war daran angebracht. Ein Roboter barg das Paket, legte es auf einer Grünfläche ab und brachte es um 8.55 Uhr zur Detonation. Nun zeigte sich, dass es keine echte Bombe war. Das Paket war lediglich mit Kabeln, Uhren und Batterien gefüllt.
In der Johannesgasse 31 in der City beim Hotel Intercontinental, wo US-Präsident George W. Bush Dienstagabend absteigen wird, wurde um 8.06 Uhr von einem "Parksheriff" ein brauner Lederkoffer gefunden. Entgegen ersten Informationen verzichtete man dort auf eine Sprengung, sondern öffnete ihn händisch. Er enthielt lediglich ungefährliche Kabel und Dosen. Um 10.22 Uhr wurde schließlich auch diese Attrappe gesprengt.
Das dritte Paket in der Franzensbrückenstraße 2 bei der Schüttelstraße, das eine Anruferin gegen 8.00 Uhr gemeldet hatte, erschien zunächst am verdächtigsten. Es war nicht auf den ersten Blick als Attrappe ersichtlich. Ein so genanntes Sprengstoffspray, das allerdings sehr empfindlich reagiert, hatte sogar ein positives Ergebnis angezeigt, so die Polizei. Man entschloss sich zur Sprengung, die gegen 9.00 Uhr durchgeführt wurde. In dem verdächtigen Konstrukt befanden sich Drähte, Batterien und andere technische Gegenstände.
Attrappe mit Text
Gegen 10.45 Uhr wurde schließlich noch ein vierter, geöffneter Koffer auf einer Bank nahe dem Ententeich im Stadtpark entdeckt. Dieser Fund war auf den ersten Blick als Attrappe zu erkennen, so die Polizei. Im Inneren befand sich ein großer Zettel mit der Aufschrift "Gastgeschenke". Die kurze Sperre der Umgebung wurde umgehend wieder aufgehoben.
Genaueres wollte Innenministeriumssprecher Rudolf Gollia aus kriminaltaktischen Gründen nicht bekannt geben. Das Schreiben beziehe sich eindeutig auf den Besuch von George Bush, habe aber keinen islamistisch-terroristischen Hintergrund.
Der- oder diejenigen, die die Bombenattrappen hergestellt und platziert haben, können - falls sie erwischt werden - wegen Vortäuschung einer strafbaren Handlung mit bis zu sechs Monaten Haft bestraft werden. Als Kavaliersdelikt sei dies nicht einzustufen, hieß es bei den Behörden.
Straßensperren
"Dass alle Passanten gelassen blieben, können wir nicht behaupten."
VerkehrspolizistRund um die Fundorte wurde der Verkehr großräumig gesperrt, darunter auch die Ringlinien. Anrainer und Geschäftsleute, die den Ring überqueren wollten, fanden sich vor rot-weißen Absperrbändern wieder. "Das ist ja eine Komödie", sagte ein Anrainer.
Genervte Geschäftsleute konnten nicht zur Arbeit, Touristen mussten mit Koffern Umwege gehen. Schaulustige waren kaum gekommen.
"Erfreut ist natürlich keiner", sagte ein Verkehrspolizist. "Dass alle Passanten gelassen blieben, können wir nicht behaupten."
Autos und Fahrräder werden abgeschleppt
Unterdessen wurde damit begonnen, Fahrzeuge in den Halte- und Verbotszonen abzuschleppen. Grundsätzlich rechne man damit, dass etwa ein Drittel der beschilderten Parkplätze noch von Fahrzeugen besetzt und daher geräumt werden müsste, sagte Christian Jurkovits, Leiter der Abschleppgruppe der MA48.
Sogar Fahrräder müssen aus den Park- und Halteverbotszonen verschwinden. Der Abtransport sowie die Aufbewahrung der Drahtesel wird von der WEGA übernommen.
Kurier vom 20.06.2006, 13:12 | apa | jos
URL: http://www.kurier.at/nachrichten/oesterreich/14223.php