BZÖ tobt: "Skandal ungeahnten Ausmaßes"
Uwe Scheuch: Strache soll sich entschuldigen, Klement gehen.
wien/klagenfurt (oli). BZÖ-Bündnissprecher Uwe Scheuch erging sich Donnerstag in Superlativen: "Ein Skandal ungeahnten Ausmaßes." "Das stellt alles, was bisher war in den Schatten." "Erschütternd - eigentlich sollte man dazu gar nichts mehr sagen."
Das tat Scheuch dann aber doch. Und forderte eine "klare Entschuldigung" Heinz-Christian Straches für die geplante Bespitzelung Jörg Haiders und überdies den Rücktritt von FPÖ-Generalsekretär Karlheinz Klement, dem mutmaßlichen Auftraggeber der Aktion. Dass die FPÖ Haider Verfolgungswahn unterstelle, sei ungeheuerlich, so Scheuch: "Wenn Straches Ex-Frau nun sagt, Strache habe einen Detektiv auf sie angesetzt: Hat ihr das auch Haider gesagt?"
Die Fakten zur "Orange-blauen Detektivgeschichte" (Austria Presse Agentur) aus derzeitiger Sicht: FPÖ-Generalsekretär (und Spitzenkandidat der Kärntner FPÖ für die Nationalratswahl) Karlheinz Klement beauftragt den Detektiv Dietmar Guggenbichler, Details über Jörg Haiders Rolle in den Affären Hypo Alpe Adria, Styrian Spirit und FC Kärnten ans Tageslicht zu fördern. Klement will ihm diesen Auftrag privat erteilt und auch privat bezahlt haben. Mit von der Partie war der Völkermarkter FPÖ-Obmann Franz Jamnig.
Zeitgleich trat der Kärntner FP-Mandatar Josef Feinig auf den Plan. Er war in die Detektiv-Anheuerung eingeweiht und wollte sich an Klement rächen. "Ich habe schon länger vor gehabt, den Herrn Klement abzuschießen, weil er gegen mich Intrigen gemacht hat, die nicht normal sind", so Feinig wörtlich. Er verfasste eine (gefälschte) Auftragsbestätigung an Guggenbichler, die auch die Beschattung der Privatperson Jörg Haider vorsah. Damit sollte Klement desavouiert werden.
Wie kam die Geschichte nun aber an die Öffentlichkeit, sprich zu "News"? In einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" wollte Guggenbichler nicht ausschließen, dass das BZÖ damit zu tun haben könnte. "Feinig war mit seinen Papierln jedenfalls im Büro von Jörg Haider, das weiß ich", so Guggenbichler. Den Kontakt zu "News" soll laut "Kleiner Zeitung" BZÖ-Spitzenkandidat Peter Westenthaler vor rund zehn Tagen hergestellt haben.
Detektiv Dietmar Guggenbichler hat für den ersten Teil seiner Beschattungstätigkeit - Haider in seinem beruflichen Umfeld - 10.000 Euro kassiert. Je 5000 von Klement und Jamnig. Insgesamt, also inklusive Details aus Haiders Privatleben, sei ein Honorar von 20.000 Euro vereinbart gewesen. Das Kärntner BZÖ hat Donnerstag jedenfalls seine Anwälte beauftragt, rechtliche Schritte gegen die FPÖ prüfen zu lassen und eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft auszuarbeiten.
Auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache meldete sich gestern zu Wort - aber nur kurz: Er sei "kein Psychotherapeut", der den Verfolgungswahn Jörg Haiders kommentiere. Schon einmal, im Herbst 2002, nach den Ereignissen von Knittelfeld, hatte sich Haider verfolgt gefühlt. Ein Unbekannter habe ihn im Auftrag der Eurofighter-Lobby in einem Klagenfurter Lokal bedroht, gab Haider damals zu Protokoll. Aus diesem Grund legte er auch die kurz zuvor übernommene FPÖ-Spitzenkandidatur für die anstehende Nationalratswahl im Herbst wieder zurück.
Die Presse, 9.6.2006
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