Laut "News" wollte die Kärntner FPÖ das Privatleben Haiders über einen Privatdetektiv ausspionieren. Die Blauen dementieren: Vermeintliches Beweismaterial sei gefälscht worden. LH ist "persönlich betroffen".
KLAGENFURT. Der blau-orange Schlagabtausch vor der Nationalratswahl erreicht immer tiefere Niveaus: Laut "News" erhielt der als Lucona-Aufdecker bekannte Kärntner Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler im April 2006 von der FPÖ einen Auftrag, den Landeshauptmann zu bespitzeln. Dieser Auftrag habe sich zunächst auf Haiders Tätigkeit als Landeschef bezogen. Als Guggenbichler auch das Privatleben Haiders überwachen sollte, habe er sich geweigert, den Auftrag zu Ende zu führen. Man habe "etwas Bestimmtes" von ihm gewollt, wird Guggenbichler in "News" zitiert: "Was unter die Gürtellinie geht, ist nicht mein Ding." Haider zeigte sich "persönlich betroffen" davon, wie weit die FPÖ gegangen sei.
Manipulationen
Die den Medien zugespielten "Beweismaterialien" sollen manipuliert worden sein. Als Schlüsselfiguren in der "Detektivstory" treten die in die Causa involvierten FPÖ-Funktionäre Josef Feinig und Franz Jamnig auf. Die Darstellungen in "News", wonach Klement von Guggenbichler verlangt haben soll, dass Haider persönlich bespitzelt werde, wiesen der Privatdetektiv und der geschäftsführende FPÖ-Landesparteiobmann zurück.
Klement erklärte gegenüber der neuen "KÄRNTNER TAGESZEITUNG": "Es gab keinen Spitzelauftrag der FPÖ zu Haiders Privatleben. Wir können beweisen, dass die den Medien zugespielte Auftragsbestätigung gefälscht ist." In einschlägigen Milieus seien Haiders Privateskapaden ohnehin bekannt, so Klement. "Was in den Medien kolportiert wurde, stimmt nicht. Es hat lediglich einen Auftrag der FPÖ gegeben, Informationen über die Tätigkeit Haiders als Landeshauptmann einzuholen", meinte Guggenbichler zur KTZ.
Gelder aus Privatkasse
Klement bestätigte, an Guggenbichler 10.000 Euro bezahlt zu haben. Das Geld sei aber ausschließlich für Informationen im Kontext der Geschäftsgebarung der Hypo - aus der Privatkasse von Klement und Jamnig - geflossen. Der Detektiv selbst habe Informationen über die Hypo angeboten, es bestehe Verdacht auf Korruption und Schmiergeldaffären. Der FPÖ-Obmann überlegt nun rechtliche Schritte.
MGQ
KTZ, 8.6.2006
URL: http://www.ktz.at/_content_detail.php?detail_id=36815
KOMMENTAR VON CLAUDIA GRABNER
Politik? Uninteressant!
Hui, wie spannend! Ein Privatdetektiv von den "bösen Alt-FPÖlern" engagiert - sollte Jörg Haider doch glatt zu Fall bringen. Mit Details aus dessen Privatleben wollten die einstigen Weggefährten des Bärentalers selbigen k. o. strecken. Wenn´s stimmt: Ein Fall zum Schmunzeln. Vielleicht einer zum Wundern. Oder einer zum Staunen. Was hat das mit Politik zu tun?
"Stasi-Methoden!", schreit das BZÖ und haut sich mit Hurra hinein ins Kampfgefecht - weil es Schlagzeilen garantiert und weit weg ist von der Politik. Letztere ist für Orange unangenehm genug. Wer will schon konfrontiert sein mit dunkelgrauer Negativanalyse, die die Truppe zwischen ein und drei Prozent herumtaumeln sieht? Wer will sich die Missachtung der politischen Moral vorhalten lassen, die darin gipfelt, einen NIE gewählten, ergo NIE legitimierten Neo-Parteichef ins rot-weiß-rote Machtzentrum katapultiert zu haben? Nobody Peter Westenthaler mischt dank Kanzler, Haider & Co. mit im Regierungsrausch und denunziert ungestraft alles, was nicht "heimischen Ursprungs" ist. Die Politik? Uninteressant! Worum es geht im Hause Österreich, ist der persönliche Machterhalt. Je kleiner die Zwerge, desto atemberaubender ihre Willkür.
Die Spitzelaffäre - für die ausgehungerte BZÖ ein Fressen, das es lange auszukosten gilt. Für heute hat die "fassungslose" Haiderpartei zwei Pressekonferenzen anberaumt ... claudia.grabner@ktz.at
KTZ; 8.6.2006
URL: http://www.ktz.at/_content_detail.php?detail_id=36813