Westenthaler zur "Wiener Zeitung": "Das ist ein Megaskandal. Die komplette FPÖ-Führung müsste abtreten."
- Haider sollte zum Rücktritt gezwungen werden.
- FPÖ: Detektiv hat von sich aus Unterlagen angeboten.
- Strache nennt Vorwürfe paranoid.
Wien/Klagenfurt. (pech) Verwirrung löste am Mittwoch ein Bericht von "News" aus. Der als Lucona-Aufdecker bekannte Kärntner Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler soll im April 2006 von der amtierenden FPÖ-Führung den Auftrag erhalten haben, Landeshauptmann Jörg Haider zu überwachen, berichtet "News". Dieser Auftrag soll sich zunächst auf Haiders Tätigkeit als Landeshauptmann bezogen haben. Als Guggenbichler auch das Privatleben Haiders überwachen sollte, habe sich dieser geweigert, den Auftrag zu Ende zu führen. Für bereits erbrachte Leistungen habe Guggenbichler ein Honorar von 10.000 Euro erhalten, schreibt "News". Der Detektiv bestätigte gegenüber der APA diese Darstellung. Aber "was unter die Gürtellinie geht, ist nicht mein Ding", sagte der Detektiv. Als Honorar für den Gesamtauftrag seien 20.000 Euro vereinbart gewesen. Da aber Guggenbichler die zweite Auftragstranche – die Privatbespitzelung – abgelehnt hat, bekam er vom Auftraggeber 10.000 Euro, die man ihm "zunächst schwarz zahlen wollte".
Diese Darstellung schien später fraglich. Denn einer der in die Causa involvierten FPÖ-Funktionäre, Josef Feinig, erklärte, der Detektiv sei von sich aus an die FPÖ herangetreten, um Material über Haiders Privatleben und die Hypo Alpe-Adria anzubieten. Daraufhin hätten sich er, Feinig, und der Kärntner FPÖ-Landesgeschäftsführer Karlheinz Klement mit dem Detektiv getroffen. Klement habe Guggenbichler dabei 5000 Euro übergeben.
Er habe die schriftliche Auftragsbestätigung zwar unterschrieben, nicht aber der Völkermarkter Bezirksobmann Franz Jamnig. Dieser wiederum bestätigte, Guggenbichler weitere 5000 Euro übergeben zu haben.
BZÖ zeigt sich fassungslos
Zur Verwirrung trägt bei, dass Feinig am 3. Juni aus der Kärntner FPÖ ausgeschlossen worden sein soll, was dieser bestreitet. Er sei gewähltes Mitglied der Landesleitung, daher könne ihn nur diese absetzen. Dass die Bespitzelung überhaupt an die Öffentlichkeit gelangt sei, ist für Feinig auf eine FPÖ-interne Intrige zurückzuführen. "Ich habe schon länger vorgehabt, den Herrn Klement abzuschießen, weil er gegen mich Intrigen gemacht hat, die nicht normal sind." Haider zeigte sich in einer ersten Reaktion "persönlich getroffen". "Ich habe in meinen 30 Jahren in der Politik schon vieles erlebt, aber etwas Vergleichbares ist mir noch nicht untergekommen."
"Fassungslos und zutiefst erschüttert", darüber "wie weit Strache und Co hier gehen", gab sich auch BZÖ-Chef Peter Westenthaler gegenüber der "Wiener Zeitung". Er sprach von einem "Megaskandal". Für jeden aufrechten Demokraten müsste die FPÖ damit erledigt sein. "Haben sie Charakter, müssen sie zurücktreten", sagte Westenthaler.
Klement zeigte sich keiner Schuld bewusst. Ein Spitzel-Auftrag gegen Haiders Privatleben durch die FP-Kärnten sei "frei erfunden". In "einschlägigen Milieus sind Haiders Privateskapaden ohnehin hinlänglich bekannt." FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bestreitet jede Beteiligung an dem Spitzel-Auftrag. Für ihn handelt es sich um "paranoide Vorwürfe". Mit "dem Verfolgungswahn des Herrn Haider" beschäftige er sich nicht.
Wiener Zeitung 7.6.2006
URL: http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3857&Alias=wzo&cob=234955
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3858&Alias=wzo&cob=234884