Mittwoch, 7. Juni 2006
NEWS enthüllt exklusiv: FPÖ erteilte brisanten Spitzel-Auftrag gegen Jörg HaiderKärntner Detektiv sollte Privatleben auskundschaften Aktion im April 2006 sollte zu Sturz Haiders führen Haider: "Ich bin persönlich getroffen und enttäuscht" Im Kampf des dritten Lagers bahnt sich ein Skandal an: Die FPÖ wollte offenbar den Kärntner Landeshauptmann und Noch-BZÖ-Obmann bespitzeln lassen. Der als Lucona-Aufdecker bekannte Kärntner Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler erhielt im April 2006 von der amtierenden FPÖ-Führung den Auftrag, Haider zu überwachen, berichtet das Nachrichtenmagazin NEWS in seiner aktuellen Ausgabe. In seiner aktuellen Ausgabe enthüllt NEWS eine brisante Spitzelaffäre im blau-orangen Lager. Im April 2006 erhielt der Kärntner Privatdetektiv Dietmar K. Guggenbichler von der amtierenden FPÖ-Führung den Auftrag, den Landeshauptmann und BZÖ-Gründer Jörg Haider zu überwachen. Um ein Honorar von 20.000,- Euro sollte Guggenbichler Material zu Tage fördern, das zum Sturz Haiders führen sollte. Als Guggenbichler den Auftrag erhielt, auch Haiders Privatleben zu überwachen weigerte er sich diesen durchzuführen. Gegen ein Honorar von 10.000,- Euro nahm er vom Auftrag Abstand.
Haider zeigte sich in einer ersten Reaktion "persönlich getroffen". "Ich habe in meinen 30 Jahren in der Politik schon Vieles erlebt, aber etwas Vergleichbares ist mir noch nicht untergekommen", sagte er. Jedenfalls sei er sehr enttäuscht, "dass die Alt-FPÖ so weit geht".
"Stasi-Methoden" "Betroffen und erschüttert" zeigte sich auch Kärntens BZÖ-Landesgeschäftsführer Manfred Stromberger. "Das sind Stasi-Methoden, wie man sie in diesem Land nicht für möglich gehalten hätte. Ich fordere Konsequenzen", betonte Stromberger.
"Informationen, die Haider zum Rücktritt zwingen sollen" Der als Lucona-Aufdecker bekannte Kärntner Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler bekam zunächst den Auftrag, "Haider belastendes Material im Zusammenhang mit dem Hypo-Alpe-Adria-Skandal zu beschaffen und sodann Haiders Rolle als Präsident von Hypo FC Kärnten zu durchleuchten", schreibt NEWS.
In weiterer Folge sollte Haider bei einer Kapitalgewährung (durch das Land Kärnten) für die finanziell ins Trudeln geratene Fluglinie Styria Spirit durchleuchtet werden. Nach wenigen Recherchetagen habe Guggenbichler ein Zwischenergebnis geliefert, so NEWS. Daraufhin wurde er vom Auftraggeber aufgefordert, seine Recherchen auf das Privatleben Haiders auszudehnen und "Informationen zu besorgen, die LH Haider zum Rücktritt zwingen sollen". Nach kurzer Überlegung habe der Detektiv dieses Ansinnen abgelehnt.
Auch Trattnig und Huber eingeweiht Laut vertraulichen Informationen sollen nicht nur der geschäftsführende Kärntner FPÖ-Obmann Karlheinz Klement, sondern die gesamte Kärntner FPÖ-Führungsspitze, unter ihnen der frühere NR-Abgeordnete Alois Huber, die frühere Landtagspräsidentin Kriemhild Trattnig und Abg. Franz Schwager von der Auftragserteilung an den Detektiv gewusst haben. Aus den Reihen des BZÖ wurde jedenfalls als erste Konsequenz der Rücktritt Klements verlangt, der den Auftrag an den Detektiv erteilt haben soll.
Klement dementiert Klement hat die Berichte zurückgewiesen. Ein Spitzel-Auftrag gegen Haiders Privatleben durch die Kärntner FPÖ sei "frei erfunden", sagte Klement in einer Aussendung. "In einschlägigen Milieus sind Haiders Privateskapaden ohnehin hinlänglich bekannt, dafür noch einen Euro auszugeben, wäre alles andere als eine gute Investition", so Klement.
Strache bestreitet Beteiligung FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bestreitet jegliche Beteiligung an der angeblich von seiner Partei in Auftrag gegebenen Bespitzelung Haiders. Am Rande einer Sitzung des Verfassungsausschusses in Wien meinte er gegenüber Journalisten, es handle sich um "paranoide Vorwürfe". Mit "den Wahnvorstellungen und dem Verfolgungswahn des Herren Haider" beschäftige er sich nicht.
Auch Volksanwalt Ewald Stadler dementiert jegliche Beteiligung an der Beauftragung eines Detektivs gegen Haider. Mit der vom Landeshauptmann inszenierten "Räuberpistole" habe er weder etwas zu tun noch habe er davon gewusst. Andere Behauptungen seien eine "infame Lüge".
Das BZÖ zeigt sich indes über die neuen Angriffe gegen Haider "zutiefst erschüttert". Die FPÖ schrecke vor nichts zurück, die Unterstellungen gegen den Kärntner Landeshauptmann gingen jetzt sogar noch einen Schritt weiter, meinte Bündnissprecher Uwe Scheuch.
Feinig aus FPÖ ausgeschlossen? Laut einem der beiden in die Causa involvierten FP-Funktionäre, Josef Feinig, ist nämlich der Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler von sich aus an die FPÖ herangetreten, um Material über Haiders Privatleben, sowie über die Hypo-Alpe-Adria anzubieten. Dafür habe man Guggenbichler 10.000 Euro gegeben, sagte Feinig.
Wie die APA am Mittwochnachmittag aus der FPÖ-Kärnten erfahren hat, wurde Josef Feinig am 3. Juni aus der Kärntner FPÖ ausgeschlossen. Dies wurde von Feining allerdings dementiert: "Ich bin ordentlich gewähltes Mitglied in der Landesleitung, mich kann nur die Landesleitung absetzen". Nach Feinigs Darstellung war die Tatsache, dass die angebliche Bespitzelungs-Affäre überhaupt an die Öffentlichkeit gelangt ist, Ausfluss einer FP-internen Intrige: "Ich habe schon länger vor gehabt, den Herrn Klement abzuschießen, weil er gegen mich Intrigen gemacht hat, die nicht normal sind."
Guggenbichler soll an FPÖ herangetreten sein Nach Angaben Feinigs hat sich die Affäre folgendermaßen abgespielt: Guggenbichler habe der FPÖ Informationen über angebliche psychische Probleme Haiders sowie über die Hypo-Alpe-Adria und über die Landesbeteiligung an der insolventen Fluglinie Styrian Spirit angeboten. Daraufhin hätten sich er selbst und Klement mit Guggenbichler getroffen. Klement habe Guggenbichler bei dieser Gelegenheit 5.000 Euro übergeben.
Eine weitere Tranche von 5.000 Euro wurde Guggenbichler offenbar später vom Völkermarkter FP-Obmann Franz Jamnig bei einem Treffen im Klagenfurter Hotel Salzamt übergeben. Laut Jamnig stammte das Geld aus seinem privaten Vermögen. Im Zusammenhang mit Hypo und Styrian Spirit wäre "ein großer Schaden für das Land Kärnten" entstanden. "Das soll man aufdecken", so Jamnig. Von einer Bespitzelung Haiders könne aber keine Rede sein. Im übrigen habe Guggenbichler keine Unterlagen geliefert, weshalb er das Geld mittlerweile zurückgefordert habe, sagte Jamnig gegenüber der APA.
Jamnig: "Wollte etwas gegen Klement in der Hand haben" Die schriftliche "Bestätigung" der "Bespitzelung der Person LH Dr. Jörg Haider" hat Jamnig nach eigenen Angaben nicht unterschrieben. Dies bestätigt auch Feinig, der angibt, das Papier selbst verfasst zu haben: "Ich wollte das haben, damit ich etwas gegen Klement in der Hand habe." Sein Plan wäre es gewesen, kommende Woche mit den Informationen "in einem anderen Zusammenhang" an die Öffentlichkeit zu gehen.
Offenbar sei das Papier in der Folge aber ins Büro von Landeshauptmann Haider geraten, sagt Feinig. Wie das passiert sei, wisse er nicht. Er habe das Papier lediglich Guggenbichler gezeigt und es bei einem Gang auf das WC auf dessen Schreibtisch liegen gelassen: "Guggenbichler muss die Bestätigung, während ich am Klo war, kopiert haben."
Wie die Unterschrift Jamnigs im Nachhinein auf das Papier gekommen sei, das könne er sich nicht erklären, betont Feinig. In seiner Gegenwart habe Jamnig jedenfalls nicht unterschrieben.
(apa/red) News, 7.6.2006 URL: http://www.networld.at/index.html?/articles/0623/10/142463.shtml
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