Detektiv: 150.000-Euro-Kredit nicht bedient, da Zusage nicht
eingehalten wurde - Auch Ex-Vorstand Berlin im Zeugenstand
Klagenfurt - Beim Hypo-Prozess in Klagenfurt hat am
Donnerstag der Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler, der von der Hypo Alpe Adria Bank 2006 einen Kredit über 150.000 Euro
erhalten hatte, als Zeuge ausgesagt. Der verstorbenen Landeshauptmann Jörg
Haider habe ihm "Aufträge vom Land oder vom BZÖ" zugesagt", sagte
Guggenbichler. Weil diese Zusage nicht eingehalten wurde, habe er den Kredit
nicht zurückzahlen können. Neben dem Detektiv war auch der ehemalige
Hypo-Vorstand Tilo Berlin geladen.
Grundsätzlich sei es ihm finanziell im Jahr 2006 sehr gut
gegangen, sagte der Privatdetektiv vor Richter Norbert Jenny. Plötzlich sei er
aber mit einem Finanzstrafverfahren und einer damit verbundenen Nachzahlung von
90.000 Euro konfrontiert gewesen. Bei der Finanz sei er von der Kärntner FPÖ
angezeigt worden, weil diese ihn beauftragt hätte, Fotomaterial zu besorgen,
"aus dem hervorgeht, dass Dr. Haider seinen anderen Neigungen
nachgeht", was er wiederum strikt abgelehnt habe, so Guggenbichler. Die
FPÖ führte 2006 heftige politische Auseinandersetzungen mit dem BZÖ Haiders.
Nie gekommene Aufträge
Guggenbichler wandte sich an Haider und informierte ihn über
die Geschichte. Daraufhin stellte Haider einen Kontakt zum damaligen Hypo-Chef
Wofgang Kulterer her, der dann wiederum bei einem Kredit helfen sollte.
Ursprünglich sei geplant gewesen, den Kredit endfällig stellen zu lassen, sagte
Guggenbichler. Da er aber fix mit den Aufträgen Haiders gerechnet habe, habe er
selbst eine monatliche Rückzahlungsrate von 5.000 Euro in den Vertrag
reklamiert. Da die Haider-Aufträge nie kamen, sei der Kredit auch nicht bedient
worden, so Guggenbichler.
In der Folge des Kredites bekam der Privatdetektiv auch
Aufträge von der Hypo und kassierte dafür rund 189.000 Euro. Warum er aus
dieser Summe den Kredit nicht bedient habe, wollte der Richter wissen.
"Weil es anders ausgemacht war", erklärte Guggenbichler. Zudem sei
ihm seitens der Hypo eine "Erfolgsprämie" in der Höhe von 250.000
Euro versprochen worden, die dann aber nie bezahlt worden sei.
Hart ins Gericht zog der Richter mit einigen
Ermittlungsergebnissen der Soko Hypo. Diese hatte eine Aufstellung über die
Exekutionstitel, die gegen Guggenbichler zum Zeitpunkt der Kreditvergabe
bestanden haben sollen, geliefert. Er habe selbst Recherchen im
österreichischen Exekutionsregister angestellt, die Aufstellung der Soko sei
"inhaltlich offenbar unrichtig", erklärte der Richter. Einige von den
Ermittlern genannte Namen würden zum fraglichen Zeitpunkt überhaupt nicht
auftauchen, Guggenbichler habe damals lediglich Verbindlichkeiten von rund
14.000 Euro gehabt. Der Kommentar des Privatdetektivs: "Wenn ich so arbeiten
würde, ..."
Tilo Berlin im Zeugenstand
Ex-Hypo Vorstand Berlin war als Zeuge geladen worden, weil
sein Vorgänger Kulterer auch wegen falscher Zeugenaussage vor dem ersten
Kärntner Hypo-U-Ausschuss im Jahr 2007 angeklagt ist. Berlin bekräftigte
erneut, dass das erste "konkrete Interesse" der BayernLB am Kauf von 50
Prozent plus einer Aktie der Kärntner Hypo direkt mit dem sogenannten
"Letter of Intent" vom 24. März 2007 einhergehe. Die Idee eines
Mehrheitskaufes sei zwar auch früher schon besprochen worden. Man habe aber mit
verschiedensten Interessenten gesprochen und unterschiedliche Möglichkeiten
evaluiert, so Berlin. Das Interesse der Bayern sei von ihm als
"Zusatzoption" behandelt worden, "bis das erste Schriftstück da
war" - also der "Letter of Intent".
Der Prozess wird am Freitagnachmittag mit der Einvernahme
des Gutachters Andreas Staribacher fortgesetzt. (APA)
Quelle: Der Standard, 17. März 2011, 13:02
URL zum Artikel: http://derstandard.at/1297820671841/Hypo-Prozess-Detektiv-Guggenbichler-als-Zeuge