ERMITTLUNGEN. Eine Fiktion hat meist wenig mit der
Wirklichkeit zu tun, deshalb ist das Verhältnis des Normalbürgers zu Detektiven
oft mit Unwissenheit und Vorurteilen behaftet - doch sie sind Menschen wie
"du und ich"
Gerade Fernsehserien vermitteln ein Bild, das die Detektive
als Freunde des Alkohols, zwielichtiger Spelunken und vollbusiger Blondinen
darstellt, was aber in Wirklichkeit überhaupt nicht zutrifft", sagt Robert
Goliasch, staatlich konzessionierter Detektiv und Fachberater für
Sicherheitstechnik. "In Wirklichkeit arbeiten wir viel am Computer und
verbringen endlose Zeit mit Warten, auf etwas, das sich der Kunde
erhofft."
LÖSUNGSORIENTIERT
Der Alltag eines Berufsdetektives hat also wenig mit
Romantik zu tun, vielmehr gilt es, ein konkretes Problem zu lösen, wofür der
Klient keine Handhabe bzw. keine Ressourcen hat. Das bedeutet aber nicht, dass
ein Berufsdetektiv die Arbeit der Polizei übernimmt, wenngleich er natürlich
hilft, wenn die Polizei bei ihren Ermittlungen nicht weiterkommt - etwa bei der
Zeugensuche und -befragung. Laut Gewerbeordnung gilt er als gewerblicher
Ermittler, der sich - genauso wie sein Personal - fachspezifisch einer qualitativ
hochwertigen Aus- und Weiterbildung unterzieht. "Zudem befinden sich in
unseren Reihen Experten aus den Bereichen Sicherheitsorganisation und -technik
sowie Forensiker und Chemiker", berichtet Goliasch. Detektive vertreten
ausschließlich die Interessen ihrer Klienten und sind frei von jeder
Beeinflussung. Vor Gericht genießen sie den Status eines neutralen und
besonders glaubwürdigen Zeugen. Der Klient ist im Gegensatz zum Detektiv nicht
zur Verschwiegenheit verpflichtet, der Österreichische Detektivverband (ÖDV)
rät jedoch im Interesse des Erfolgs und der Kosten dringend dazu.
NICHT AUF EIGENE FAUST
Als kontraproduktiv erweisen sich vom Klienten auf eigene
Faust durchgeführte Ermittlungen. Meist gelingen sie nämlich nicht, warnen aber
die Zielperson. "Jede Beobachtung, die auffällt, sollte sofort beendet
werden," spricht Goliasch aus der Schule, "nicht kooperative Personen
werden bei Ermittlungen nicht weiter befragt, da wir im Gegensatz zur Exekutive
und Ämtern keine Zwangsgewalt haben." Im Vergleich zu früheren Jahren hat
sich die Tätigkeit der Berufsdetektive vom Privatbereich hin zu
Wirtschaftsermittlungen, Kaufhausüberwachungen, arbeitsrechtlichen
Beobachtungen sowie Personenschutz verlagert. "Heutzutage besteht die
Klientel hauptsächlich aus Firmen, Anwälten, Hausverwaltungen und
Gewerbetreibenden", so Goliasch, "im Privatbereich kommt der Detektiv
nur mehr bei Unterhaltsfragen zum Einsatz." Vor allem die organisierte
Schwarzarbeit überschreitet jährlich einen Schaden in Milliardenhöhe. Betroffen
ist längst nicht mehr nur das Baugewerbe, sondern auch die Tourismus-,
Transport- und Freizeitwirtschaft.
FERNSEHMÄRCHEN
Die höchste Pflicht eines Detektives ist Seriosität und
Verschwiegenheit. "Das Zukaufen von Informationen aus illegalen Quellen
gibt es praktisch nicht mehr", so der Experte, "wir nutzen allgemein
zugängliche Quellen, unser Vorteil besteht darin, zu wissen, was man wo finden
kann." Ein Pfuschererhebungsorgan der Wirtschaftskammer kümmert sich
zusätzlich um das Ansehen des Berufsstandes und legt selbsternannten
"Privatermittlern" schnell das Handwerk. Bei Detektivserien im
Fernsehen sieht es offensichtlich anders aus. Hier agieren die Matulas wie die
Elefanten im Porzellanladen und werden mehrmals pro Folge straffällig: Nötigung,
gefährliche Drohung, Freiheitsberaubung. Delikte, mehr als die Staffel Folgen
hat. Zudem wird dem Zuseher durch geschickte Kameraführung, Überdeckung von
Fahrzeugkennzeichen sowie durch mittels Beep-Tönen unverständlich gemachten
Aussagen vorgegaukelt, es würde sich um einen "Live-Mitschnitt" aus
dem Berufsalltag handeln.
KEINE STRAFTÄTER
Immer mehr Detektive berichten, dass Klienten von Ihnen
völlig ungeniert rechtswidrige Handlungen erwarten, die durch solche Sendungen
quasi "hoffähig" gemacht wurden. Der österreichische Detektivverband
verwehrt sich mit aller Entschiedenheit gegen diesen Wertewandel. "Wir
stehen nicht als bezahlte Straftäter zur Verfügung", ärgert sich Goliasch,
"weder als Einbrecher, Erpresser oder als auf Befehl prügelnde Leibwächter."
Quelle: Wirtschaftsblatt, 18.11.2010
URL zum Artikel: http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/berufsdetektive-im-wandel-der-kriminalitaet-447474/index.do