Skandalbank HSH: Die Aufsichtsräte beraten nun über die
Spitzelaffäre - auch wenn diese gar nicht auf der Tagesordnung steht.
Wenn sich Top-Manager zur Sitzung treffen, stehen wirklich
wichtige Themen oft gar nicht auf der offiziellen Tagesordnung. Denn die könnte
ja nach außen sickern und für Aufregung sorgen. Zumindest bei der HSH Nordbank möchten
das viele gern vermeiden. An diesem Donnerstagmorgen um halb zehn treffen sich
die Aufsichtsräte des skandalgeschüttelten Instituts in Kiel. Auf ihrer
Tagesordnung stehen nur normale Belange. Es gibt keine Hinweise auf all die
Affären, mit denen die Landesbank zuletzt in Verruf geraten ist.
Dabei sind es Affären, die selbst hart gesottene Kontrolleure
schockieren. Auf der Agenda steht jedenfalls nichts von der Bespitzelung von
Bankvorständen in Hamburg.
Nichts zu vermeintlich untergeschobenen Kinderpornos in New York. Nichts zu den
Razzien bei der von der HSH beauftragten Spitzelfirma Prevent.
Dabei hatte sich der Aufsichtsratschef und ehemalige
Deutsch-Banker Hilmar Kopper nach der letzten Sitzung am 26.September schützend
vor Bankchef Dirk
Jens Nonnenmacher gestellt und ihm vollmundig das "uneingeschränkte
Vertrauen" aller 20 Kontrolleure ausgesprochen. Der 75-Jährige versprach,
eine "renommierte Anwaltskanzlei und eine
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft" damit zu beauftragen, die Vorgänge um
Nonnenmacher und andere Top-Banker lückenlos und schnell zu durchleuchten.
Gutachten offenbar fertig
Es spricht einiges dafür, dass die Aufsichtsräte am
Donnerstag mehr erfahren könnten - im inoffziellen Teil der Sitzung. Denn
angeblich hat die von Kopper beauftragte amerikanische Anwaltskanzlei Wilmer
Hale ihr Gutachten bereits fertig gestellt. Das verlautet aus dem Umfeld der
Bank. Demnach liegt der Staatsanwaltschaft in Kiel eine Teil-Auswertung der
US-Anwälte vor. Diese befasse sich mit Bankchef Nonnenmacher und dem inzwischen
beurlaubten Chefjuristen der HSH, Wolfgang Gößmann, heißt es - und mit ihren
Rollen bei der Bespitzelung von Kollegen. Die Sprecherin der Kieler
Staatsanwaltschaft wollte das nicht kommentieren.
Hintergrund der Affäre ist der Rauswurf
des HSH-Vorstands Frank Roth im April 2009. Dieser war nach nur elfmonatiger
Amtszeit fristlos gefeuert worden, weil er angeblich vertrauliche Unterlagen an
Journalisten verschickt hatte. Vor gut zwei Monaten waren aber Hinweise
aufgetaucht, wonach die Bank - damals schon unter der Führung von Nonnenmacher -
angeblich gezielt am Rauswurf von Roth gearbeitet haben könnte. Festgehalten
ist das in einem Gesprächsprotokoll zwischen Detektiv Arndt U. von der
Sicherheitsfirma Prevent und dem HSH-Betriebsratschef Olaf Behm.
Das Protokoll verrät Abenteuerliches: Der Detektiv hatte
laut diesen Aufzeichnungen in Roths Vorstandsbüro Wanzen installiert und dessen
Privatwohnung in Hamburg durchsucht. Auch die Telefonanlage will er angezapft
haben. Außerdem bekannte sich der Detektiv ursprünglich dazu, dass er "und
nicht Herr Roth" die Bankpapiere versandt habe, was zum Rauswurf
Roths führte.
Aussagen widerrufen
Inzwischen hat der
Detektiv seine Aussagen widerrufen. Doch die Kieler Staatsanwaltschaft
scheint sie für glaubhaft zu halten. Die schleswig-holsteinischen Fahnder hatten
Ende Juni das ursprünglich von der HSH gegen Roth angestrebte Strafverfahren
eingestellt. Es fehlten schlichtweg die Beweise für einen unterstellten
Geheimnisverrat. Inzwischen haben die Kieler erneut die Initiative ergriffen
und ein neues Ermittlungsverfahren eröffnet. Dieses Mal gegen die Bank. Sie
verdächtigten die HSH nun der "falschen Verdächtigung", sagte
Oberstaatsanwältin Birgit Heß. (...)
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http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hsh-nordbank-hamburger-tollhaus-1.1014205
Quelle: Süddeutsche.de, 20.10.2010, von Kristina Läsker,
Hamburg