Durch zahlreiche Auftritte in TV-Crime-Dokus und
Wissenschaftssendungen ist der Kölner Kriminalbiologe Mark Benecke in
Deutschland der wohl bekannteste Vertreter seiner Zunft. Am heutigen Donnerstag
feiert er seinen 40. Geburtstag. Grund genug um dem "Madendoktor"
einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Nicht jedem in der Fachwelt gefällt die hohe Medienpräsenz
von Mark Benecke. Er sei fachlich gut, aber ziemlich durchgeknallt, heißt es in
Medizinerkreisen. "Klar wird man schon mal von Kollegen schief angeguckt,
wenn man wie ich mit den Medien spricht. Aber ich finde, das muss jeder für
sich selbst entscheiden", sagte "Dr. Made".
ab November im Bastei Lübbe Verlag
Den Spitznamen verdankt Benecke seinem Fachgebiet, der
Forensischen Entomologie, bei der anhand des Insektenbefalls von Leichen
Rückschlüsse auf deren Liegezeit, Todesursache und Todesumstände gezogen
werden. Daneben beschäftigt sich der Wissenschaftler mit Blutspritzern, mit
deren Form und Verteilung sich der Ablauf eines Verbrechens rekonstruieren
lässt. "Mein täglich Brot", wie Benecke lakonisch meint.
Nach dem Studium in Köln absolvierte der gebürtige
Rosenheimer verschiedene kriminaltechnische Ausbildungen bei der Polizei in den
USA, unter anderem an der FBI-Academy. Es folgten weitere Stationen in Asien
und Südamerika.
Mit Hilfe von Insektenspuren klärt Benecke Mordfälle auf
Erstmals außerhalb der Fachwelt bekannt wurde Benecke 1998
bei einem bundesweit beachteten Mordfall in Braunschweig. Eine Pastorengattin
war erschlagen aufgefunden worden. Anhand von Insektenspuren konnte Benecke
nachweisen, dass der tatverdächtige Ehemann des Opfers am Tatort war. Der
angeklagte Pastor musste wegen Totschlags für acht Jahre ins Gefängnis.
Inzwischen reizen Benecke vor allem "die spannenden,
kniffeligen oder bekloppten Fälle", bei denen er "tüfteln muss",
wie er sagt. "Dann setzen wir uns mit Polizei, Staatsanwaltschaft und
Kriminaltechnikern zusammen und überlegen, wie sich ein Verbrechen ereignet
haben könnte." Mitunter werden er und seine drei Mitarbeiterinnen aber
auch im Auftrag von Rechtsanwälten und Hinterbliebenen tätig, die wissen
wollen, unter welchen Umständen ein Angehöriger zu Tode kam.
Sein Wissen gibt Benecke, der am Donnerstag (26. August) 40
Jahre alt wird, in Kursen an Studenten und Kriminalbeamte weiter. Dazu hält er
Vorträge, in den er vor bis zu 1000 Zuhörern mit sanftem Gruseln aus seinem
Arbeitsalltag berichtet. Besonders in der Gothic-Szene hat er etliche Fans:
"Da sagen mir die Leute schon mal, dass sie mich cool finden."
Der Kriminalbiologe ist bekennender "Donalist"
Und Benecke hat Interessen, die man nicht unbedingt bei
einem gerichtsfest argumentierenden Wissenschaftler vermuten würde. Er
engagiert sich nicht nur für die "Transylvanian Society of Dracula",
die sich Studien zum Grafen Dracula und Vampiren widmet. Er ist auch
bekennender "Donaldist" und gehört damit zu einer weltumspannenden
Fangemeinde, die die fiktive Welt der Comicfigur Donald Duck mit Leben erfüllt.
Ein Faible, das nicht nur Spaß mache, sondern ihn auch in
seiner kriminalistischen Arbeit weiter gebracht habe, beteuert Benecke:
"Diese vom Zeichner Carl Barks erdachte Welt ist so ausgiebig untersucht
und analysiert worden, dass sie inzwischen tatsächlich real scheint. Mir zeigt
das auch bei einem Kriminalfall, dass Dinge, die absolut real und plausibel
erscheinen, dennoch nicht stimmen müssen. Gleichzeitig können sich anscheinend
völlig absurde Situationen trotzdem ereignet haben."
Überraschende Erkenntnisse liefert Benecke auch als Mitglied
des Komitees des Nobelpreises für kuriose wissenschaftliche Forschungen. In
seinem im November erscheinenden Buch "Warum Tätowierte mehr Sex
haben" stellt er ernsthafte wissenschaftliche Studien vor, die mitunter
ungewollt kuriose oder heitere Aspekte haben. "Laut einer amerikanischen
Studie haben Tätowierte tatsächlich mehr Sex", erläutert der selbst
reichlich tätowierte Wissenschaftler. "Aber das liegt nicht an den
Tattoos, sondern in der Lebenseinstellung ihrer Träger." (ddp/map/mwa)