Privatermittler Klaus-Dieter Matschke sitzt in seinem Büro
in einem Penthouse im Norden Frankfurts. Licht fällt durch die großen Fenster,
bunte expressionistische Gemälde von Daniella Sheinman zieren die Wände, der
Raum ist stark klimatisiert. Der braun gebrannte Matschke erinnert kein
bisschen an Philip Marlowe, außer dass er ähnlich viele Zigaretten raucht wie
Raymond Chandlers berühmter Privatdetektiv. Anders als der rastlose Marlowe
machen Matschke und seine Mitarbeiter ihre Arbeit meist an Schreibtischen. Sie
sind spezialisiert auf Wirtschaftskriminalität, wie die meisten Privatdetektive
in Hessen und Deutschland.
Matschke ist stellvertretender Vorsitzender des Bunds
Internationaler Detektive (BID) mit hessenweit 25 und bundesweit 140
Mitgliedsfirmen, der am Freitag (28. Mai) in Kassel sein 50-jähriges Bestehen
feiert. Detektiv genannt werden möchte Matschke aber nicht. «Das klingt so nach
Kaufhausdetektiv», sagt er. Der Ausbildungsberuf «Detektiv» bei den Industrie-
und Handelskammern hat den «Schwerpunkt Wirtschafts- und Privatschutz» in
Kaufhäusern und dem öffentlichen Raum.
Matschkes Firma KDM beschäftigt 15 Juristen, ausgebildete
Polizisten und Steuerfahnder. Sie gehen Fällen von Korruption und
Wirtschaftsspionage nach und beraten Unternehmen, wie sie sich dagegen schützen
können und worauf sie bei Investitionen im Ausland achten sollten. Die konkrete
Arbeit besteht vornehmlich aus Revision von Akten und Gesprächen mit den
Kunden. «Unsere Auftraggeber wünschen eine geräuschlose Aufklärung. Wenn die
Staatsanwaltschaft eingeschaltet ist, gibt es immer Aufsehen», sagt der
61-jährige Geschäftsführer und frühere Geheimdienstler.
Privatermittler müssen ihre Erkenntnisse nicht weitergeben.
Jedoch müssen diese gerichtsverwertbar sein, falls ein Kunde auf einer
Strafanzeige besteht. Oft kommt es jedoch nicht zum Prozess. «Gut 40 Prozent
der Fälle werden ausschließlich intern geregelt», sagt der Sprecher des
Bundesverbands Deutscher Detektive (BDD), Josef Riehl. Dem BDD gehören rund 180
Privatermittler an, vier davon sitzen in Hessen, zwei in Mainz. Der Verband
feiert am Samstag (29. Mai) in Berlin sein 60-jähriges Bestehen.
Bei den Mitgliedern des BDD kommen vier von fünf Aufträgen
aus der Wirtschaft, berichtet Riehl. Dabei gehe es um Betrug,
Umweltkriminalität, Produktpiraterie, das Erschleichen von Krankengeld. Die
übrigen Auftraggeber seien zerrüttete Eheleute, die über das Sorgerecht für
ihre Kinder oder Unterhaltsfragen streiten.
Beide, Matschke und Riehl, betonen die «hohen Zugangsschwellen»
zu ihren Verbänden. Mitglieder im BID müssten eine Ausbildung als Polizist,
Zöllner oder Steuerfahnder haben und «gesetzesmäßig sattelfest sein», sagt
Matschke. Riehl führt aus, der BDD verlange «einen Nachweis der gebotenen
Sachkunde», also in Recherche, Gesetzeskunde, Berichtschreiben. Schließlich sei
die Mitgliedschaft im BDD «ein Gütesiegel, mit dem Ermittler werben können».
Mit den Datenskandalen bei Deutscher Bahn, Deutscher Telekom
und der Supermarktkette Lidl habe das Ansehen von Detektiven gelitten, sagt
Riehl. «Dabei waren da gar keine Privatermittler verwickelt. Aber in den Medien
war von Detektiven die Rede, das wirkte sich negativ auf die Branche aus.»
Matschke sagt, BID-Ermittler spionierten niemanden unerlaubt aus: «Das höchste
Gut der Bürger ist der Datenschutz.»
Um ihre Seriosität nach außen hin zu dokumentieren, haben
sich BDD und BID entsprechenden Richtlinien verpflichtet. Zudem gründeten sie
1986 die Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe (ZAD). Die ZAD
vergibt nach Auskunft ihres Geschäftsführers Andreas Heim jährlich rund zehn Zertifikate «Geprüfter Detektiv».
Seit Beginn ihres Bestehens werben BDD und BDI dafür, dass
«Berufsdetektiv» ein Ausbildungsberuf und damit eine geschützte
Berufsbezeichnung wird, jedoch ohne Erfolg. Die Lobby sei nicht stark genug,
sagt Matschke. Riehl erläutert: «Für die IHK lohnt es sich nicht, ein
Ausbildungsprogramm zu entwerfen. Die Branche ist zu klein.» Dem hessischen
Wirtschaftsministerium sind ganze 109 Detekteien im Bundesland bekannt. Viele
davon sind selbstständige Ermittler, die allein und im Stillen ihre Arbeit tun.
ddp