Udo Proksch und der Fall Lucona hielten über zehn Jahre lang
das Land in Atem. Als Proksch 1990 wegen sechsfachen Mordes und Mordversuchs
verurteilt wurde, fand eine der erstaunlichsten Karrieren Österreichs ihr Ende.
2001 starb er an den Folgen einer Herztransplantation. Udo Proksch alias Serge
Kirchhofer war ein Mann mit vielen Gesichtern: Unentwegt plante er grandiose
Projekte, faszinierte mit bizarren Geschäftsideen. In seinem Dokumentarfilm hat
sich Robert Dornhelm auf seine Spuren begeben.
Sendung (vom 18.3.2012, 23:00) noch ca. 7 Tage auf
http://tvthek.orf.at/programs/3743437-Udo-Proksch---Out-of-Control/episodes/3743421-Udo-Proksch---Out-of-Control
online zu sehen.
Filmseite: http://www.udoproksch.at/
Der Name Udo Proksch dürfte außerhalb der Alpenrepublik den
allerwenigsten ein Begriff sein. Zu Unrecht, spiegeln sich doch in der Karriere
dieses mit allen Wassern gewaschenen Strizzis die Widersprüchlichkeiten der
österreichischen Mentalität nieder. Robert Dornhelm hat darüber einen Film
gemacht.
„Out
of Control“ heißt der neueste Streifen des Regisseurs rumänischer Abstammung,
der sich mit dem Leben einer der skurrilsten Personen der österreichischen
Nachkriegsgeschichte beschäftigt. Udo Proksch (1934-2001) war vieles:
Schweinezüchter, Hilfsarbeiter, Brillendesigner, Chef des legendären Café
Demel, Gründer des „Vereins der Senkrechtbegrabenen“, Künstler, Regisseur,
Waffenfetischist und vieles mehr, aber vor allem: Selbstdarsteller. Ein Mann,
der es in seiner Zeit wie kein anderer verstand, sich und seine außergewöhnlichen
und bisweilen sehr obskuren Ideen zu vermarkten und zu verkaufen. Das von ihm
über lange Jahre gestrickte Netzwerk der Macht, das vor allem im berüchtigten
„Club 45“ seine Ausprägung erhielt, ermöglichte es ihm bis 1989 auf freiem Fuß
zu bleiben. Und das, obwohl der von ihm initiierte Versicherungsbetrug rund um
das Schiff „Lucona“, bei dem sechs Seemänner ums Leben kamen, bereits 1977
geschehen war.
Nichtsdestotrotz bleibt die Figur des Udo Proksch – oder Serge Kirchhofer,
wie sein Künstlername lautete – faszinierend und von Mythen umgeben. Das zeigt
sich am besten in den Interviewpassagen von „Out of Control“, bei dem
Prominente wie der ehemalige Bürgermeister von Wien Helmut Zilk, Niki Lauda
oder Ex-Frau Erika Pluhar eine etwaige Schuld Prokschs am Kriminalfall „Lucona“
relativieren oder verneinen. Kann man so einem Schlitzohr denn eigentlich böse
sein? Die Stärke des Films ist denn auch die Präsenz seines Darstellers: So
sind die Kommentare von Proksch über Liebe, Tod, Militär, Politik und Kunst
extrem unterhalten und zeichnen das Bild eines Traumtänzers am Abgrund, der
letztlich zu weit gegangen und doch im Kriminal gelandet ist. Wenn Robert Dornhelm
mit seiner Dokumentation auch keine filmische Glanztat abgeliefert hat, so muss
man ihm doch das Verdienst zusprechen, Proksch über weite Strecken selbst das
Wort überlassen zu haben. Das verleiht dem Film auf jeden Fall eine
interessante und vergnügliche Note.
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