Mittwoch, 27. Februar 2008
Große Free-Mail-Anbieter sind willkommene Beute für Cyberkriminelle München (pte/27.02.2008/17:30) - Wie der Security-Anbieter Websense http://www.websense.com in einem Blog mitteilt, gelingt es Spammern derzeit auffallend oft, E-Mailadressen bei Google Mail zu registrieren und diese als Versandadresse für unerwünschte Post zu missbrauchen. Die größte dabei zu überwindende Hürde , das Sicherheitssystem Captcha, stellt offenbar keinen effektiven Schranken mehr dar. "E-Mail-Accounts bei Google und anderen großen Freemail-Anbietern sind bei Spammern vor allem deshalb sehr beliebt, weil Nachrichten mit diesen Absenderadressen leichter durch Filtersysteme schlüpfen können", sagt Michael Neumayr, Sprecher von Websense, im Gespräch mit pressetext. Laut Websense ist das gegen Google Mail eingesetzte Verfahren zum Knacken der Captchas deutlich ausgefeilter als jenes, das kürzlich bei Live Mail von Microsoft verwendet wurde. Beim Captcha-Test bekommt der User eine Art Bilderrätsel angezeigt, das zumeist eine verzerrte Kombination aus Buchstaben und Zahlen enthält. Der Nutzer muss diese zur Verifikation in ein Eingabefeld übertragen und bestätigt damit, dass er ein Mensch ist und kein Bot. Captchas galten bislang als äußerst zuverlässiges Sicherheitstool, wenngleich es Hackern bereits einige Male gelungen ist, sie auszuhebeln. "Ist ein großes Potenzial an krimineller Energie vorhanden, so ist es meist nur eine Frage der Zeit, bis das System geknackt wird", sagt Neumayr.
Bei der aktuell von Hackern verwendeten Methode kommen zwei Rechner aus einem Botnetz zum Einsatz, die jeweils eine andere Methode verwenden, um das Captcha-Rästel zu knacken. "Dabei werden die Grafiken abgegriffen, analysiert und schließlich automatisch gelöst. Die Trefferquote liegt hierbei mittlerweile bei 20 Prozent", so Neumayr. Die Spammer nutzen dabei offensichtlich einen Hacker-Dienst, der auf das Knacken von Captchas spezialisiert ist. Die Websense-Experten gehen davon aus, dass es sich um dieselbe Gruppe handelt, die auch Live Mail Probleme bereitete.
Das Ende des Captcha-Test sieht Neumayr allerdings noch nicht gekommen: "Es stellt sich jedoch die Frage, welche zusätzlichen Sicherheitssysteme die Anbieter von Free-Mail-Accounts bieten, um den Missbrauch zu verhindern." Schließlich liegt es auch im Interesse der E-Mail-Anbieter, ihr System sauber zu halten. Mit einem Trefferverhältnis von 4:1 wird jedoch der alleinige Einsatz des Captcha-Systems künftig kaum mehr ausreichen. Entwickler von Sicherheitslösungen müssen sich angesichts der Fortschritte im gegnerischen Lager um neue Techniken umsehen. (Ende)
Mit zwei Fingern tippte Ex-Kripochef Herwig Haidinger alle Fragen in seinen Laptop, um sie im Anschluss Punkt für Punkt beantworten zu können. Im Parlament fand gestern die Sondersitzung des Innenausschusses statt, die die SP gefordert hatte, um sich weitere Klärung in der Innenministeriums-Affäre zu verschaffen. Neben Haidinger, der die Affäre ins Rollen gebracht hatte, waren der Chef des Büros für Interne Angelegenheiten, Martin Kreutner, und der Leiter der Kampusch-Kommission, Ludwig Adamovich, als Auskunftspersonen geladen. Innenminister Günther Platter machte den Auftakt: „Es ist einfach, Vorwürfe zu erheben und jemanden anzupatzen, aber schwierig, das Gegenteil zu beweisen.“ Und etwas rührselig fügte er hinzu: Die Frage sei, ob man so mutig wäre, „wenn man in die Augen von Liese Prokop schauen könnte“. Erneut bekräftigte Haidinger seine Vorwürfe und fügte neue Details hinzu. Die Staatsanwaltschaft bestätigte indessen, dass über 20 Punkte auf strafrechtliche Relevanz untersucht werden. Itas roter Kopf Da sind die Vorwürfe gegen den früheren Kabinettschef der verstorbenen Innenministerin Liese Prokop, Philipp Ita. Dieser habe ihn aufgefordert, jene Akten, die das Bundeskriminalamt an den Bankenausschuss zu liefern hatte, vorab dem VP-Parlamentsklub zu übermitteln, erzählte Haidinger. Er habe sich geweigert, Ita habe daraufhin geschrien und einen roten Kopf bekommen. „Ich hatte den Auftrag, Geldflüsse von Bawag/ÖGB an die SP zu berichten“, gibt Haidinger erneut zu Protokoll. Dies sei nicht rechtswidrig, er habe es aber eingestellt, als Daten an die Medien gelangten. Die Liste der Vorwürfe ist lang: Ita soll eine Weisung von Prokop verschleppt haben, wonach der Export von 800 Scharfschützengewehren in den Iran zu stoppen sei. Bei einer Projektvergabe für das KZ Mauthausen habe es eine Scheinausschreibung gegeben. Ein Architekt sollte zum Zug kommen, der zur Jobausübung gar nicht berechtigt gewesen sei. Zum Fall Kampusch erklärte er erneut, dass aufgrund des Wahlkampfs vom Ministerbüro keine Evaluierung der Ermittlungen gewünscht wurde. Angriffe gegen Haidinger Von den VP-Abgeordneten übernahm Helmut Kukacka die Rolle des Angreifers. Eifrig wurde versucht, Haidingers Nimbus des korrekten Beamten zu beschädigen. Haidinger solle versucht haben, Prokop wegen eines Jobs unter Druck zu setzen, er stehe im Verdacht, dem Grünen Peter Pilz Informationen übermittelt zu haben. Außerdem soll er versucht haben, seinem Schwager einen Posten im Ressort zu beschaffen. Vorwürfe, die Haidinger relativierte. Als Letzter kam in der achtstündigen Sitzung Adamovich zu Wort. Er hatte als Leiter der Evaluierungskommission einen ersten Zwischenbericht zum Fall Kampusch vorgelegt. Haidinger habe offenbar Äußerungen eines Kabinettsmitglieds als Weisung verstanden. Es habe aber in der dortigen „Atmosphäre“ dieser Eindruck entstehen können. OOEN vom 27.02.2008
URL: http://www.nachrichten.at/politik/innenpolitik/650723?PHPSESSID=4e3c88698aa33c7707a971d0daf80260
Sonntag, 17. Februar 2008
Saarländische Wissenschaftler testen Spiegelspionage Sicherheitslücken lauern überall. Nicht nur versteckte Hintertüren, Viren oder Trojaner gefährden die Sicherheit der Daten auf dem Computer. Auch der Nutzer stellt ein Einfallstor für Spione und Datendiebe dar. Und das nicht etwa, weil er sie ausplaudert, sondern weil sich der Bildschirminhalt in seiner Brille, der Teekanne oder in seinen Augen spiegelt. Hollywood könnte sich das nicht besser ausdenken: Mit einem Fernrohr belauern Bösewichter einen Geschäftsmann in einem Büro auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Zwar können sie seinen Bildschirm nicht einsehen. Dennoch gelingt es ihnen, ihn erfolgreich auszuspionieren: Sie beobachten intensiv die Spiegelungen des Bildschirminhaltes auf seiner Brille und der Kaffeetasse. Als er die Brille abnimmt, beobachten sie seine Pupille. Erscheint ihnen etwas interessant, machen sie Foto mit der Digitalkamera. Die Bilder laden sie in einen Computer und öffnen sie mit einer speziellen Software. Diese entzerrt die Spiegelbilder - und schon können die Spione sehen, woran der Belauschte gerade arbeitet, können seine Geschäftsideen, Bilanzen oder Passwörter klauen. Doch das ist keine Fiktion, keine Erfindung aus der Bourne-Trilogie oder einem James-Bond-Film. Das ist ein reales Bedrohungsszenario, das ein Team von Informatikern der Universität des Saarlandes in Saarbrücken um Michael Backes untersucht hat. Eine Ausrüstung im Wert von 1.000 Euro reichte ihnen bereits aus, um aus zehn Metern Entfernung Bildschirmdaten, die sich auf verschiedenen Gegenständen spiegelten, zu rekonstruieren. Besonders gute Ergebnisse erzielten die Saarbrücker dabei mit Spiegelungen auf Brillengläsern sowie auf Kannen oder Tassen, die üblicherweise auf den Schreibtischen neben dem Bildschirm stehen. So konnten sie aus zehn Metern Entfernung mühelos 12-Punkt-Schrift entziffern. Verzerrte Reflexionen auf gekrümmten Oberflächen stellten kein Hindernis dar - sie ließen sich mit einem Programm so bearbeiten, dass sie lesbar waren. Doch gute Augen und Kaffee aus dem Pappbecher schützen nicht vor dem Ausspionieren: Den Forschern gelang es sogar, Spiegelungen von den Augen der Computerarbeiter abzulesen. Schwierigkeiten bereiteten ihnen lediglich die schnellen Bewegungen des Auges, da sie kürzere Belichtungszeiten erforderten. Allerdings sind die Forscher der Auffassung, dass sich mit einer besseren Ausrüstung und ausgereifteren Algorithmen noch deutlich bessere Ergebnisse erzielen lassen. Schutz vor dieser Art der Spionage ist schwierig. Backes empfiehlt deshalb, während der Arbeit mit sensiblen Daten die Rollläden herunterzulassen oder Vorhänge zuzuziehen. Außerdem solle man regelmäßig nach Teleskopen in der Umgebung Ausschau halten.
Es war nicht die erste Spionage-Methode, die Backes und sein Team untersucht haben. Sie konnten in früheren Studien bereits nachweisen, dass es möglich ist, Daten aus den Abstrahlungen des Kabels eines LC-Bildschirms oder über die elektromagnetische Abstrahlung eines Röhrenmonitors zu rekonstruieren. (wp) Golem, 13.2.2008 URL: http://www.golem.de/0802/57693.html
Dienstag, 12. Februar 2008
Österreichs größter Sicherheitsdienstleister Group4 geht geschäftlich neue Wege. Mit Gert-René Polli soll eine Intelligence-Unit für Unternehmen aufgebaut werden. Fast wäre ein brisanter Jobwechsel im Strudel der Ermittlungspannen- und Vertuschungsenthüllungen im Inneministerium untergegangen. Gert-René Polli, früher Mitarbeiter des Heeresnachrichtenamtes und fünf Jahre lang Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), heuert bei Österreichs grösstem Sicherheitsdienstleister Group4Securicor an. Drei Monate Probezeit „Herr Polli hat einen befristeten Konsulentenvertrag", bestätigt Harald Neumann, Vorstandschef von Group4 Österreich. „Herr Polli hat viel Erfahrung, er war im Verteidigungsministerium und im Innenministerium tätig und er verfügt über ein sehr gutes Netzwerk. Wir wollen in den höheren Sicherheitsconsultingbereich einsteigen und wollen mit ihm ein neues Produkt auf den Markt bringen." Nachsatz: „Es gibt sehr viele börsenotierte Unternehmen, die nach Osten expandieren, in die Ukraine oder nach Kasachstan. Dadurch ändert sich auch das Risiko und das Bedrohungsszenario und wir wollen die österreichischen Unternehmen unterstützen." Das Stichwort heisst Corporate bzw. Competitive Intelligence. Mit Polli werde in den nächsten Monaten ein Intelligence-Konzept erarbeitet. „Für Unternehmen wie die Wiener Städtische oder die OMV ist es interessant zu wissen, wie verhält sich der Mitbewerb in Ländern, wo man hingehen will", sagt der Group4-Chef. Und: „Wir haben den Vorteil, auf ein internationales Netz zurückgreifen zu können, weil wir in 108 Ländern tätig sind." Group4 beschäftigt in Österreich 2500 Leute, weltweit sind es sogar rund 500.000 Mitarbeiter. Nach drei Monaten will Group4 evaluieren, ob Unternehmen das Angebot annehmen und überlegen, wie man weitermacht. „Es gilt dann zu schauen, ob eine gemeinsame Zukunft auch im Sinne unserer Kunden ist", sagt Neumann. „Ich hoffe, dass es klappt. Es haben beide Seiten nichts davon, wenn er da sitzt und sagt, es will mich niemand." Gesamter Artikel / Quelle: http://www.wirtschaftsblatt.at/home/zeitung/aktuell/312380/index.do Wirtschaftsblatt, Kid Möchel, 10.02.2008 | 14:37
Kampusch schildert nochmals Ausflüge mit Priklopil: "Wie mit Kalaschnikow, die auf Herz zielt." Wie denkt Natascha Kampusch über die Vorfälle rund um die Ermittlungspannen in ihrem Fall? Überlegt sie eine Klage gegen die Republik? Wie viel Geld kann eine verlorene Kindheit in einem Verlies aufwiegen? Bestürzt über die offensichtlichen Ermittlungsfehler, aber dennoch gefasst, zeigte sich Kampusch am Montagabend in einem "Thema spezial" des ORF mit Christoph Feurstein. "Vertuschungen schon sehr arg" "Ich habe meinen Glauben an die Justiz dieses Landes schon irgendwie verloren", sagte die 19-Jährige. Das so "Schwarz-Weiß" zu erfahren "war natürlich noch ein zusätzlicher Schlag in die Magengrube." Der Versuch, diese vermutlichen Pannen noch zu vertuschen, sei "schon sehr arg". Vom persönlichen Aspekt gesehen sei es ein "Wahnsinn" und "unmöglich", kritisierte Kampusch den Umgang mit ihrem Fall seitens der Politik. "Wenn man schon einen Fehler begeht, sollte man versuchen, ihn wiedergutzumachen und daraus zu lernen." "Egal ob Prokop lebt oder nicht" Kein Verständnis habe sie daher auch für die Vorwürfe, das Ansehen der verstorbenen Innenminister Liese Prokop (ÖVP) werde beschmutzt: "Neutral betrachtet ist diese Ansicht absolut fehl am Platz. Sie war damals Ministerin, egal ob sie jetzt tot ist oder in 20 Jahren gestorben wäre." Und weiter: "Im Prinzip kann sie sich durch ihren Tod ja nicht der Verantwortung entziehen. Okay, man kann sie nicht mehr zur Verantwortung ziehen, aber es entbindet sie auch nicht jeglicher Verantwortung." "Es geht um Gerechtigkeit" "Es sind schon die Leute zur Verantwortung zu ziehen, die diesem Hinweis nicht nachgegangen sind", fordert Kampusch. Ob sie eine Entschädigung bekomme oder eine Klage einbringe, werde sich aber erst herausstellen. "Es geht ja nicht um Geld, sondern es geht um Gerechtigkeit", stellte sie klar. Leid, Gefühle und Schicksalsschläge - "solche Sachen kann man nicht so leicht messen". "War sicher, dass ich freikomme" Auch an die Zeit ihrer Entführung erinnerte sich Natascha Kampusch erneut zurück: Während der Gefangenschaft habe sie darüber nachgedacht, ob es denn es keine Spuren gebe. Irgendjemand müsse die Entführung doch beobachtet haben: "Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich bald freikomme." Das jetzige Ereignis habe auch Blockaden gelöst, sich "extra reinzusteigern" wäre allerdings falsch. "Priklopils Mutter nie gesehen" Feurstein sprach Kampusch auch auf ihre eigene immer wieder in Zweifel gezogenen Glaubwürdigkeit an: "Wie ist zum Beispiel diese Geschichte, dass Sie mit Wolfgang Priklopil bei seiner Mutter waren? Stimmt das?" Kampusch verneint: "Das stimmt nicht. Ich habe die Mutter bis zum heutigen Zeitpunkt noch niemals gesehen." "Wie Reisen in ein fremdes Land" Gemeinsame Ausflüge mit Priklopil während der Gefangenschaft verglich das Entführungsopfer mit Reisen in ein fremdes Land mit unverständlicher Sprache, unbekannter Kultur und einer "Kalaschnikow, die auf ihr Herz zielt". Das Auftauchen der Polizei habe ihr Kidnapper sogar erwähnt, über die Fahndung allerdings nicht viel gesprochen. Aus Angst, es könne ihr die Flucht erleichtern, so Kampusch.
"Natascha Kampusch: Schlag in die Magengrube" vollständig lesen
Sonntag, 10. Februar 2008
Ein fragwürdiger Mailverkehr um eine angebliche Ermittlungspanne im Fall Natascha Kampusch sorgt für Aufregung: Jetzt wurde der Schriftverkehr zwischen dem Ex-Bundeskriminalamtschef Herwig Haidinger und dem Kabinettsmitglied von Innenministerin Liese Prokop, Bernhard Treibenreif, bekannt, in dem der BK-Chef auf eine Untersuchung der möglichen Fehler drängt, da dies "möglicherweise Auswirkungen hinsichtlich eines allfälligen Amtshaftungsanspruchs des Opfers" habe. Treibenreif zeigte sich dagegen bemüht, "die Sache ohne größere Eklats abzuschließen". Widersprüche ergeben sich im Nachhinein auch um ein angebliches Alibi Priklopils. Das Entführungsopfer forderte unterdessen eine "lückenlose Aufklärung".Der dokumentierte Mailverkehr zwischen Haidinger und Treibenreif im Zeitraum von 28. August bis 26. September 2006 fördert zumindest aufklärungswürdige Anliegen des Kabinetts zutage. Haidinger weist wiederholt darauf hin, dass ein zweiter Tipp auf Kampusch-Entführer Wolfgang Priklopil, den ein Polizeihundeführer im Sicherheitsbüro abgab, offenbar nicht weiter verfolgt worden sei, und dass die Aufklärung dieser Frage auch für Kampusch Relevanz habe. Zweimal betont er, dass dies auf einen allfälligen Amtshaftungsanspruch der jungen Frau Auswirkungen habe und spricht an einer Stelle von seinem Eindruck, "dass hier 'etwas vertuscht' werden soll".
Treibenreif wiegelte dagegen ab: "Ich ersuche dich weiterhin - wie auch schon bisher zwischen uns vereinbart - unsere beiden Vereinbarungen in dieser Angelegenheit zu beachten. (...) Wir beide wissen, dass auch die mediale Präsenz bisher von Euch (...) sehr sehr gut abgearbeitet wurde. Deshalb immer wieder auch meine Versuche, die Angelegenheit ohne größere Eklats abzuschließen - wäre ja schade darum."
Was hinter dem Ersuchen steht, den Tipp des Hundeführers im Nachhinein nicht mehr zu untersuchen, liest sich nach Darstellung Haidingers in einem Mail an Treibenreif (26. September 2006) so: "Inhalt dieser Weisung war auch eine zeitliche Komponente: Nämlich bis zu den Nationalratswahlen damit zuzuwarten." Diese fand am 1. Oktober statt. Treibenreif war am Donnerstag für keine Stellungnahme zu erreichen.
Platter verspricht "vollständige Aufklärung" Innenminister Günther Platter versprach eine "vollständige und lückenlose Aufklärung". Er stellte sich zudem hinter seine Beamten: Die Polizei habe exakt gearbeitet, "wenn man einen Fall nachkonstruiert, der bereits abgeschlossen ist, dann ist es einfach, logische Schlüsse zu ziehen". Der Hundeführer sei außerdem bereits früher einvernommen worden, als dies Haidinger darstellte, so der Minister. Dies sei bereits am 23. August 2006 geschehen. "Es wird so getan, als würde die Polizei nichts arbeiten."
Widersprüche bei Priklopil-Alibi Unbeantwortet blieb bis auf weiteres die Frage nach dem angeblichen Alibi Priklopils: Als die zuständigen Kriminalbeamten des Wiener Sicherheitsbüros den Verdächtigen in seinem Haus in Strasshof genau fünf Wochen nach dem Verschwinden des Mädchens zu dem Fall befragten, gab er laut Polizeiprotokoll an, "am 2.3.1998 den ganzen Tag zu Hause gewesen zu sein. Er war alleine und kann er daher kein bestätigtes Alibi anbieten". Anders lautete die Darstellung nach dem Auftauchen des Mädchens im Jahr 2006, wie sich in der APA-Datenbank vom 25. August des Jahres nachlesen lässt: "Dass Ermittlungspannen passiert seien, wiesen Innenministerin Liese Prokop und SOKO-Chef Nikolaus Koch in einer Pressekonferenz zurück. Der Tatverdächtige habe ein Alibi vorweisen können, sagte der Generalmajor." Koch war für keine Stellungnahme zu erreichen.
Natascha Kampusch wieder gefasster Der Anwalt von Natascha Kampusch, Gerald Ganzger, ging nicht davon aus, dass man seine Klientin um einen möglichen Schadenersatz bringen wollte, wie er sagte. "Wie es Haidinger geschildert hat, dürfte es politische Gründe gehabt haben", so Ganzger zur APA. Auszuschließen sei jedenfalls nichts. Natascha Kampusch sei nach dem Schock nun schon "gefasster und fordert zu Recht lückenlose Aufklärung".Vorstellungen von möglichen Schadenersatzforderungen gebe es zwar, die werde man aber nicht kommunizieren.
Staatsanwalt vernimmt Haidinger Die Staatsanwaltschaft wird Haidinger diese Woche einvernehmen. Die Anklagebehörde hatte bereits im vergangenen Sommer Erhebungen in die Wege geleitet, als Haidinger von jedenfalls in seinen Augen bedenklichen Weisungen berichtete. Haidinger soll damals jedoch weit weniger konkret geworden sein als nun im Innenausschuss, weshalb sich der Verdacht des Amtsmissbrauchs nicht erhärten ließ.
Der ÖVP-Abgeordnete Helmut Kukacka forderte eine Auskunft vom früheren Innenminister Karl Schlögl. Dieser sei schließlich 1998 im Amt gewesen. (apa/red) Lesen Sie den gesamten Artikel in der aktuellen Ausgabe von NEWS URL zum Artikel: http://www.news.at/articles/0806/11/196669.shtml Mehr Links zum Thema bei NEWS
Der Großen Koalition in Österreich droht das Ende: Das Innenministerium hat Ermittlungspannen bei der Suche nach dem Entführungsopfer Natascha Kampusch vertuschtEntführungsopfer Natascha Kampusch:Hätte Sie befreit werden können, wenn die Polizei nicht geschlampt hätte? Österreichs Bevölkerung erschüttert ein veritabler Korruptionsskandal. Die Regierung befindet sich in einer tiefen Krise „Wütend und entsetzt.“ So lautete die erste Reaktion von Natascha Kampusch. Das prominente Entführungsopfer, das 1998 als Grundschülerin von einem Fremden in ein Auto gezerrt wurde und sich erst acht Jahre später befreien konnte, musste vor wenigen Tagen erfahren, dass die Polizei sie bereits kurz nach ihrer Entführung finden hätten können, wäre sorgfältig ermittelt worden. Vergangene Woche stand Herwig Haidinger, mittlerweile abgesetzter Chef des österreichischen Bundeskriminalamts (BKA), dem Innenausschuss des Parlaments Rede und Antwort. Und löste mit seinen Aussagen einen veritablen innenpolitischen Skandal aus. Der ehemalige BKA-Chef erzählte den Abgeordneten, er habe 2006, nachdem das Entführungsopfer Kampusch sich befreien konnte, eine interne Evulation des Falles angeregt. Schließlich hatte die Polizei den Namen von Kampuschs Entführer Wolfgang Priklopil in den Akten, hatte den Mann aber nicht sorgfältig überprüft. Und das, obwohl ein Polizeihundeführer ein Monat nach dem Verschwinden des Mädchens auf Priklopil hinwies. Der Polizist nannte zwar nicht dessen Namen, sehr wohl aber die Adresse des Hauses, in dem Kampusch festgehalten wurde, sowie, dass dieser Mann ein Eigenbrötler sei mit einem „Hang zu Kindern in Bezug auf seine Sexualität“. Zwei Beamten besuchten Priklopil daraufhin in seinem Haus. „Priklopil gab an, am 2.3.1998, den ganzen Tag über zu Hause gewesen zu sein. Er war alleine und kann daher kein bestätigtes Alibi anbieten.“ Sie verzichteten jedoch darauf, das Haus zu durchsuchen. Kampusch war zu diesem Zeitpunkt in einem Verlies im Keller des Hauses eingesperrt. Haidinger wollte im Spätsommer 2006 zumindest nachträglich klären, wieso bei den Beamten damals nicht alle Alarmglocken läuteten – und wurde laut eigener Angaben von höchster Stelle im Innenministerium gestoppt. Per mündlicher Weisung habe ihm ein Mitglied des Ministerkabinetts im Spätsommer 2006 Nachforschungen untersagt. Anfang Oktober 2006 standen Nationalratswahlen an und die damalige Innenministerin Liese Prokop (ÖVP) wolle keinen Polizeiskandal, sei ihm mitgeteilt worden. Die Enthüllung der polizeilichen Schlampereien im Fall Kampusch und das Vertuschen der Behörden sorgen in Österreich für weitreichende Empörung. Die Sozialdemokraten, die mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) eine Koalition bilden, deuteten ihrem Regierungspartner bereits an, dass sie sich auch Mehrheiten abseits der Volkspartei suchen könnten. SPÖ-Fraktionssprecher Josef Cap drohte der ÖVP auch mit einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss. ÖVP-Vertreten bezeichneten solch einen Ausschuss gegen ihre Parteimitglieder eine „Kriegserklärung“ der Sozialdemokratie. (...) Lesen Sie den ganzen Artikel in "Die Zeit" online, 8.2.2008, URL: http://www.zeit.de/online/2008/07/oesterreich-krise-korruption?page=all
Samstag, 9. Februar 2008
Wien (OTS) - Die mutige Aussage des abberufenen BKA-Chefs Haidinger vor dem Innenausschuss des Parlamentes macht einmal mehr deutlich, was ich seit Jahren in akribischer Recherche ans Tageslicht gebracht habe. Im Fall Natascha Kampusch sind schier unglaubliche Fahndungspannen der Polizei passiert. Und es hat offenbar eine politische Weisung gegeben, die wahren Hintergründe im spektakulärsten Entführungsfall der zweiten Republik nicht aufzuklären. Somit erscheinen "einige" Ungereimtheiten im Fall Kampusch in einem neuen Licht: Zeugen, die den Entführer vor der Tat im engsten Umfeld des Opfers beobachtet hatten, wurden von der Polizei als unglaubwürdig hingestellt. Eine engste Familienangehörige des Opfers wurden von der sogenannten SOKO-Kampusch nie niederschriftlich einvernommen. Selbst der telefonische Hinweis eines pensionierten Lehrers, der Opfer und Täter gemeinsam bei dessen Mutter gesehen hatte, wurde von der Polizei nicht aufgenommen. Obwohl weitere, brennende kriminalistische Fragen niemals geklärt wurden, wurde der Akt von der Staatsanwaltschaft niedergelegt. Diese Liste ließe sich beliebig verlängern. Angesichts der Tatsache,ndass laut Haidingers Aussage offenbar ein politisches Vertuschungs-Kartell Ermittlungen untersagt hat, ist es umsonwichtiger, dass die Causa mit all ihren offenen Fragen neu aufgerollt und lückenlos untersucht wird. 6.2.2008 Rückfragehinweis: Detektivagentur Pöchhacker Tel.: (01) 712 14 68 E-Mail: walter@detektiv-poechhacker.at
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