Kontrolle. Immer mehr Firmen schicken Detektive los, um zu
prüfen, ob Mitarbeiter wirklich krank sind. Für Detekteien ein lukratives
Geschäft.
Salzburg (SN). Liegt die Friseurin wirklich vom Fieber
gebeutelt im Bett, oder stählt sie ihren Körper im Fitnesscenter? Leidet der
Arbeiter an einer Schulterverletzung, oder pfuscht er am Bau? Das zu prüfen,
zählt für Richard Wallner zum täglichen Geschäft. Mit Kamera bewaffnet rückt er
aus, meist begleitet von einem Kollegen. „Gerade im ländlichen Raum ist eine
Beschattung durch einen Mann mit nur einem Auto zu auffällig“, erklärt der
Salzburger Privatdetektiv. Dem Arbeitgeber liefert Wallner im besten Fall schon
wenig später gestochen scharfe Bilder. „Für die Firmen geht es hier um viel
Geld“, sagt Wallner, der seine Dienste gerade wieder in der
Wirtschaftskammer-Zeitung mit Inseraten bewirbt. „Zumeist geht es ja um
unangenehme Zeitgenossen, die man loshaben will.“ Eine Entlassung sei für ein
Unternehmen immer billiger als eine Kündigung. Die Kosten für den Detektiv
könne sich die Firma zudem zurückholen. Als Geschädigter im
Zivilrechtsverfahren bekomme man da zumeist Recht, betont Jurist Wallner. Bei
Kosten von 1000 bis 2000 Euro pro Tag und einer Beschattungsdauer von zwei bis
drei Tagen keine Kleinigkeit.
Entsprechende Fälle, bei denen der gekündigte Mitarbeiter
letztlich auch noch die Detektivkosten übernehmen müsste, gebe es bereits,
bestätigt Peter Scheinecker von der Abteilung Sozial- und Rechtspolitik in der
Wirtschaftskammer (WK). Dass Firmen Detektive losschicken, um Mitarbeiter zu
kontrollieren, ist für ihn „zwar nur eines der möglichen, aber doch ein
erlaubtes Mittel“ im Kampf gegen Krankenstandsmissbrauch. Mit 39 Mill.
Fehltagen würden die Arbeitnehmer der Wirtschaft laut Wifo-Zahlen immerhin
einen jährlichen Schaden von 6,7 Mrd. Euro zufügen. Allein die
Gehaltsfortzahlung koste die Unternehmen 2,5 Mrd. Euro. „Natürlich ist der
große Teil der Krankenstände berechtigt. Schwarze Schafe gibt es aber.
Kontrolle muss also erlaubt sein.“
Dass Firmen dazu Detektive engagierten, sei seit Jahren
gängige Praxis, sagt Arthur Häfele, Branchenobmann der Berufsdetektive. „Die
Nachfrage steigt immer dann, wenn es öffentliche Diskussionen über
Krankenstandsmissbrauch gibt wie zuletzt etwa bei den ÖBB.“ Für die heimischen
Detekteien sind diese Kontrollen ein wichtiges Geschäft. 20 bis 30 Prozent des
Umsatzes mache die Branche in diesem Bereich. Überprüft würden Mitarbeiter nur
bei begründetem Verdacht, betont Häfele. „Firmen schicken sicher nicht wahllos
Detektive los.“ Üblich sei aber schon, das Ergebnis bekannt zu machen. „Andere
Mitarbeiter sehen dann gleich, dass man so nicht durchkommt.“ Kontrolliert
würden im Übrigen nicht nur einfache Arbeiter, sondern auch Mitarbeiter im
mittleren Management, „die oft glauben, jetzt können sie sich alles leisten“.
Die erwische man dann freilich eher beim Freizeitvergnügen als beim Pfuschen.
Seine Erfolgsquote liege immerhin bei 70 Prozent, betont
Wallner. Härter werde jetzt die Konkurrenz unter den Detekteien. 356 sind es
österreichweit, und die Zahl steigt (siehe Kasten). Der Job sei schwieriger
geworden, sagt Wallner. So könne man Missbrauch bei psychischen Beschwerden
kaum nachweisen, weil dabei etwa Sport vom Arzt oft verordnet sei.
Hier setzt die Kritik der Arbeiterkammer an. „Es kann nicht
sein, dass jeder Rekonvaleszente, der frische Luft braucht, kriminalisiert
wird“, meint AK-Jurist Wolfgang Goricnik. Bei echtem Missbrauch brauche man
keinen Detektiv. „Da kann man sich an die GKK wenden.“ Schließlich könne auch
die Krankenkasse Prüfer schicken oder einen Besuch des Chefarztes verlangen.
„Gleich einen Detektiv zu schicken, ist wie mit Kanonen auf Spatzen schießen.“
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten schaffe man so zudem ein Klima der Angst.
Quelle: Salzburger Nachrichten, 12. März 2010 | 17:09 | |
Regina Reitsamer (SN)