In Israel war er Elitesoldat und Spezialagent. Heute
operiert er undercover an der deutschen und internationalen Wirtschaftsfront:
Frank H. ist von Beruf Problemlöser. Reporter Jörg Heuer hat ihn getroffen.
Ein lautloser Schatten huscht durch den Wald. Unweit des
Zaunes zum Fabrikgelände hechtet die dunkle Gestalt hinter einen Hügel ins
Buschwerk. „Zielobjekt voll im Visier“, raunt der in rabenschwarze Kampfmontur
gekleidete Schattenmann zufrieden: Springerstiefel, Handschellen, Schlagstock
am Gürtel, Revolver im Halfter, Sturmmaske, Minikamera, Kompass, Pfefferspray,
Gasmaske, Notration in den Taschen, Walkie-Talkie am Hals, Nachtsichtbrille
vorm guerillamäßig geschwärzten Gesicht.
Hüne wie aus einem Ballerspiel
Auf Stahlhelm und kugelsichere Weste hat er diesmal
verzichtet. „Ich rechne nicht mit einem Schusswechsel.“ Wir sind nicht irgendwo
in Afrika, Afghanistan oder Kolumbien. Wir sind in Deutschland. Und für den
Mann in Schwarz ist es ein normaler Arbeitstag. H. heißt der Hüne, der
aussieht, als sei er einem Computer-Ballerspiel entsprungen. Frank H..
Deutsch-Israeli, Einzelkämpferausbildung, gestählt in vielen
Undercover-Missionen an vorderster Front. Er ist „Problemlöser“ von Beruf.
Millionäre, Manager, Vorstände, Unternehmer, Chefs von
Konzern-Sicherheitsabteilungen sind seine Auftraggeber. Führungskräfte der
Industrie, die ein Problem haben und es gern aus der Welt hätten. Ohne Polizei,
ohne Anzeige. Ein Problem mit der Konkurrenz, mit Mitarbeitern, Korruption,
Datendiebstahl, Erpressung, Entführung, Sabotage, Industrie- und Wirtschaftsspionage,
Imageschädigung, Produktpiraterie, Sektenunterwanderung, Psychoterror, Rufmord.
„Ich beschaffe
vertrauliche Informationen, checke Umfelder, Mitarbeiter und Geschäftspartner,
enttarne eingeschleuste Spione und korrupte Manager, überführe Saboteure und
Verräter, lege Fallen aus, biege Dinge wieder gerade. In dieser Grauzone bewege
ich mich beruflich“, sagt der Mann für alle Fälle. Das Haar ist kurz, der Blick
scharf, der Händedruck fest. Er ist Kettenraucher und Kaffeesäufer. Mit Anfang
20 wurde er beim israelischen Militär zum Einzelkämpfer, dann zum
Spezialagenten ausgebildet.
In der Wüste könne er sich in einen Fels verwandeln, im Dschungel in einen
Busch, im Rotlichtviertel in einen schmierigen Gangsterboss oder Bodyguard, im
Bankenviertel in einen seriösen Nadelstreifen-Mann oder Putzkolonnen-Führer,
sagt der 45-Jährige. Für israelische Sicherheitsorgane war Frank H. bei
„Undercover-Sessions“ in Syrien, Libyen, Saudi-Arabien, im Libanon und Jemen,
„unsichtbar“ bei Wirtschaftsgipfeln und Vorstandsbesprechungen. Vor dem
Mauerfall war er zudem Mitglied eines Spezialkommandos, das im Auftrag Israels
insgesamt 178 Menschen „mit jüdischem Hintergrund“ aus der ehemaligen DDR
geschleust hat. Die Stasi hat ihn per Haftbefehl gejagt, doch nie gekriegt.
Er hat sich den ostdeutschen Haftbefehl gleich nach der Wende besorgt. Er zeigt
ihn gern vor. Ebenso ein bedrohlich unfreundliches Schreiben vom Department of
Special Affairs (DSA), dem Geheimdienst der Scientology-Wirtschaftssekte. Die
hat ihn schon lange zum Gegner erklärt, er kam ihnen zu oft in die Quere. Der
Problemlöser geht nie ohne Sturmgepäck, Spurensicherungskoffer, Einbruchs- und
Lausch-Equipment zur Arbeit. Weil er gerüstet sein will. Weil er immer auf den
Kontakt mit „bösen Jungs“ gefasst sein muss.