Der Mord an einem Hamas-Mann in Dubai bringt den
israelischen Geheimdienst massiv in Verruf - Spuren der elf Täter führen auch
nach Österreich.
Paul John Keeley wollte seinen Augen nicht trauen, als er
seinen Namen auf der ersten Seite der israelischen Zeitungen fand. Er werde als
Mitglied eines Killer-Kommandos gesucht, das in Dubai einen hohen
Hamas-Funktionär ermordet hat. Dazu war allerdings ein Bild abgedruckt, das mit
Keeley nichts zu tun hat. "Ich bin schockiert", sagt der Brite, der
vor mehr als zehn Jahren nach Israel ausgewandert ist und in einem Kibbuz
arbeitet. "Ich verstehe nicht, wie so etwas passieren kann. Meine
Identität wurde gestohlen."
Der Fall wirbelt in Israel viel Staub auf, da fünf Einwanderer vom
Identitätsklau betroffen sind. Unter Verdacht: Der Auslandsgeheimdienst Mossad
- auch wenn nichts bewiesen ist. Aber die Liquidierung des Hamas-Führers
scheint seine Handschrift zu tragen.
Vorgeschichte
Die Vorgeschichte, wie sie die Polizei von Dubai
rekonstruiert hat: Am 20. Jänner wird in einem Hotelzimmer die Leiche von
Mahmoud al-Mabhouh entdeckt. Er soll als Mittelsmann Waffen aus dem Iran für
die islamistische Hamas im Gazastreifen organisiert haben. Anfänglich deutet
alles auf einen Herzinfarkt hin.
Erst nach Tagen beweist die Autopsie, dass al-Mabhouh keines natürlichen Todes
gestorben ist. Die Behörden von Dubai stoßen sehr bald auf die Namen von elf
Verdächtigen - zehn Männer und eine Frau. Sie hatten britische, irische,
deutsche und französische Pässe. Diese waren entweder gefälscht oder realen
Personen wie John Keeley nachempfunden und mit falschen Bildern versehen.
Österreichische Nummer
Wie profil online am Mittwoch berichtete, könnte die Aktion
von einer "Art Kommandozentrale in Österreich" koordiniert worden
sein. Das habe die Auswertung von Telefondaten ergeben: Die Täter telefonierten
nie untereinander, der Kontakt lief über mehrere österreichische
Wertkarten-Telefonnummern. Das Innenministerium in Wien bestätigt laut Sprecher
Gollia, dass seit Montag Ermittlungen laufen.
Schon einmal, im Dezember 2008, waren österreichische Handynummern in
Zusammenhang mit einem Gewaltakt aufgetaucht: Damals hatten sich
radikal-islamische Terroristen vor ihren Anschlägen in Mumbai, wo über 160
Menschen getötet wurden, über österreichische Nummern koordiniert.
Erstickt
Überwachungsvideos aus den Hotels in Dubai zeigen zwei Teams
- eines spionierte den Tatort aus, das andere erstickte das Opfer mit einem
Polster. Nach 19 Stunden hatten alle das Land wieder verlassen. In Israel stößt
sich niemand an der Ermordung des Hamas-Mannes. Amir Mizroch von der Jerusalem
Post wittert aber einen "großen Skandal". Denn die Mitglieder des
Kommandos konnten zwar entkommen, ihre Identität aber flog auf.
Außerdem drohen diplomatische Konflikte mit dem bisher nicht feindlich
eingestellten Dubai und den Ländern, deren Pässe verwendet wurden. Nach
ähnlichen Fällen in der Vergangenheit hatte Israel versprochen, nie mehr die
Souveränität anderer Staaten zu verletzen. 1997 hatten zwei Agenten mit
kanadischen Pässen versucht, Hamas-Führer Mashaal im befreundeten Jordanien zu
töten. Israels Premier hieß auch damals Benjamin Netanyahu.
Quelle: Kurier vom 18.02.2010 06:49 | KURIER | Stefan
Galoppi, Jerusalem