Die Suchmaschine sieht sich Hackern aus China ausgesetzt und
bittet den US-Geheimdienst um Hilfe. Ziel der Datendiebstähle war etwa der
Quelltext der zentralen Programmiersprache von Google.
Wien (mar). Medienberichte über die mächtigste Suchmaschine
der Welt thematisieren üblicherweise zweierlei: den wirtschaftlichen Erfolg,
der aus ihrem unaufhaltsamen Aufstieg resultiert, und ihren schier
unersättlichen Datenhunger. Dass der Internetgigant nun mit dem US-Geheimdienst
National Security Agency (NSA) kooperiert, ist allerdings neu. Zwar wollen
beide Seiten einen entsprechenden Bericht der „Washington Post“ nicht
kommentieren, dennoch zweifeln US-Experten nicht am Wahrheitsgehalt der
Meldung.
Bereits am 12.Jänner setzte Google einen bemerkenswerten
Schritt: Der Konzern ging wegen der jüngsten Angriffe aus dem Cyberspace an die
Öffentlichkeit – ebenso wie mehr als 30 andere große Technologiekonzerne in den
USA. Ziel der Datendiebstähle waren sensible Daten der Unternehmen oder etwa der
Quelltext der zentralen Programmiersprache von Google.
Die Operationen waren akribisch vorbereitet und gingen in
ihrer Professionalität weit über bisherige Hacker-Attacken hinaus. Auch wenn es
kaum endgültige Beweise gibt, glaubt Google genau zu wissen, wer hinter den
Angreifern steht: staatliche Stellen Chinas. Mitte Jänner gab der Konzern unter
Hinweis auf die Zensur und Hacker-Angriffe seinen Rückzug vom Milliardenmarkt
Chinas bekannt.
Schlüsselpersonen im Fokus
Vor wenigen Tagen berichtete die US-Zeitung „Christian
Science Monitor“ von einem anderen spektakulären Fall: Die US-Ölriesen
ExxonMobil, Marathon Oil und ConocoPhillips seien systematisch mit
maßgeschneiderten Angriffen ausspioniert worden. Man habe es noch nie mit einer
so hartnäckigen Art der Computerspionage zu tun gehabt, zitierte die Zeitung
die US-Bundespolizei FBI. Das Ziel waren hoch sensible Daten über weltweite
Ölfunde, ihre Menge und Wert – also das Ergebnis jahrelanger Arbeit und
Investitionen in Millionenhöhe. Der Ausgangspunkt der Angriffe sei vorerst
unbekannt, hieß es. Doch auch hier führe mindestens eine Spur nach China.
Freilich betreiben nicht nur China und Russland
Wirtschaftsspionage – angelsächsische Länder gelten auf dem Gebiet immer noch
als führend. Der deutsche Verfassungsschutz registriert eine weltweite Zunahme
elektronischer Angriffe. Bei den Angriffen auf Unternehmen Westeuropas sieht
die Behörde die Hauptauftraggeber bei den Nachrichtendiensten Chinas und
Russlands. Die Operationen sind technisch exzellent vorbereitet und schleusen
sich oft gezielt in die persönliche Kommunikation von Schlüsselpersonen ein.
China wolle sich bis 2020 als führende Wirtschaftsmacht positionieren, und das
sei nur mit „Technologietransfer“ möglich. Auch gebe es bereits Kooperationen
zwischen dem Verfassungsschutz und Firmen, die Hilfe suchen, so eine Sprecherin
der Behörde gegenüber der „Presse“.
Google hat sich dafür echte Profis ausgesucht: Der NSA ist
auf Überwachung von Kommunikation spezialisiert. Der größte und am besten
finanzierte Geheimdienst der USA war schon immer an Googles Aktivitäten
interessiert, doch der Konzern soll selbst bei Terrorfahndungen nach 2001 eine
Kooperation verweigert haben. Kritiker des Deals sehen daher nun ein Problem
von ganz anderer Seite: Hat ein Geheimdienst seinerseits erst Zugriff auf
sensible Nutzerdaten von Google, wird er es nicht bei einer reinen
Hilfestellung belassen.