Geiger: "Was man mit Ermittlungen machen kann, ist
getan worden."
"Sie wünscht sich nun, dass diese haarsträubenden
Gerüchte ein Ende finden." Mit diesen Worten kommentierten Natascha
Kampuschs Medienberater am Freitag das Ergebnis der seit Oktober 2008 geführten
Erhebungen bezüglich möglicher Komplizen ihres Entführers Wolfgang Priklopil.
Die heute 21-Jährige habe sich erleichtert gezeigt, dass
durch die Ermittlungen eine Reihe von Behauptungen aus der Welt geschafft
werden konnten. "Jetzt gibt es das Ermittlungsergebnis von den Experten,
und die haben mehr oder weniger jedes Gerücht noch einmal überprüft", so
die Medienberater. Diese hätten sich allesamt als "nicht haltbar"
erwiesen.
"Aussage bestätigt"
Grundsätzlich habe man mit solch einem Ermittlungsergebnis gerechnet: "Sie
(Kampusch, Anm.) hat immer gesagt, sie hat keine Kenntnis von Mittätern",
betonten die Berater neuerlich. Ihre Aussage sei nun ebenso betätigt wie die
Tatsache, dass es auch sonst keine Anhaltspunkte für Komplizen gebe.
Kampuschs Aussagen würden sich mit den
Untersuchungsergebnissen der Polizei decken. So habe die damals zwölfjährige
Tatzeugin nun bestätigt, dass sie im Entführungswagen doch nur einen Mann
gesehen habe. Ihre ursprüngliche Aussage über zwei Beteiligte sei ein Irrtum
gewesen.
"Dichte Hinweise"
Offen bleibt unterdessen, ob angesichts etwaiger Ermittlungspannen nun
rechtliche Schritte von Kampuschs Rechtsvertretung folgen. Nach Ansicht von
Kampusch-Anwalt Gerald Ganzger tat die Polizei unmittelbar nach der Entführung
jedenfalls nicht genug zur Aufklärung des Falles.
"So kann man das nicht sagen, man hätte sie nicht
gefunden", so Ganzger nach Bekanntgabe der Ermittlungsergebnisse zur APA.
"Aus unserer Sicht - als erste Reaktion - kann man sagen, dass wir der
Meinung sind, dass man damals schon hätte mehr tun müssen."
Den "so dichten Hinweisen" auf ihren Entführer
Wolfgang Priklopil hätte man durchaus anders nachgehen können und müssen.
"Es gab schon damals die Möglichkeit, DNA-Spuren zu nehmen", betonte
Ganzger: "Und die Gerichtsmedizin in Wien hätte diese untersuchen
können."
Warten auf Evaluierungskommission
So gesehen hätte man im Wagen, in dem Kampusch entführt wurde, Spuren nehmen
sollen und außerdem Suchhunde einsetzen: "Das Argument, dass das Verlies
so abgeschottet ist, dass es nicht gefunden worden wäre, kenne ich - ich teile
es nicht", meinte der Anwalt.
Ein weiteres Versäumnis ortete der Jurist im Umgang mit
Priklopil, der von den Beamten weiter befragt hätte werden müssen. Bei
Einvernahmen wäre der Täter laut Ganzger unter Umständen zusammengebrochen und
hätte die Entführung gestanden.
Mögliche rechtliche Schritten wegen etwaiger
Ermittlungspannen wollte der Anwalt nicht kommentieren: "Wir warten jetzt
zunächst einmal auf den Endbericht der Evaluierungskommission und dann schauen
wir weiter", so Ganzger.
"Großer Fehler"
Die Polizei gestand zuvor angesichts des Abschlusses der neuen Ermittlung
nochmals Ermittlungsfehler ein. "Das war damals in meinem
Verantwortungsbereich", sagte Ernst Geiger, Leiter der Abteilung für
Ermittlungen für Organisierte und Allgemeine Kriminalität im Bundeskriminalamt
(BK).
"Dass der Hinweis auf Wolfgang Priklopil falsch
bewertet wurde, ist damals in der Hektik der Ereignisse passiert. Das war ein
großer Fehler." Mit den jetzigen Erhebungen ist der Fall seiner Meinung
nach geklärt: "Was man mit Ermittlungen machen kann, ist getan
worden."
Die Oberstaatsanwaltschaft (OStA) Wien kam bei ihren
weiterführenden Ermittlungen seit Oktober 2008 zu dem Schluss, dass Priklopil
der alleinige Täter war, Mittäter bzw. Mitwisser habe es nicht gegeben.
"Die Mehrtätertheorie ist auszuschließen", so OStA-Leiter Werner
Pleischl am Freitag bei einer Pressekonferenz.
Adamovich nimmt Ergebnisse "zur Kenntnis"
Der Leiter der Evaluierungskommission, Ludwig Adamovich, nahm die Ergebnisse
der OStA "zur Kenntnis". Inhaltlich wollte er zu den präsentierten
Erkenntnissen nichts sagen. "Dazu gebe ich keinen Kommentar ab",
sagte er am Freitag gegenüber der APA.
Adamovich verteidigte die Rolle der Kommission. "Wir
haben ja nie davon gesprochen, dass es mehr Täter geben muss, sondern nur, dass
da und dort noch ermittelt werden muss", sagte der ehemalige Präsident des
Verfassungsgerichtshof - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.