Er ist im Schnitt 41 Jahre und schon zehn Jahre in der Firma
– Verräter von Dienstgeheimnissen oder Wirtschaftsspione kommen zu 70 Prozent
aus dem eigenen Unternehmen, ergab eine Studie zur Wirtschafts- und
Industriespionage in Baden-Württemberg, die am Freitag in Karlsruhe
bei der Sicherheitsmesse SAFEKON
vorgestellt wurde. Externe Täter hatten im Schnitt seit sechs Jahren eine
Geschäftsverbindung. Bei Verstößen gegen das Urheberrecht kommen die Täter aber
am häufigsten aus Asien, gefolgt von deutschen und westeuropäischen
Firmen-Spionen, so die Untersuchung, die unter anderem vom
Ferdinand-Steinbeis-Institut erarbeitet wurde.
"Die Studie macht deutlich, wie sehr Urheberrechtsverletzungen,
Spionage und Informationsabfluss unsere Unternehmen bedrohen", meinte
Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) bei der Vorstellung – sie
zeigt aber auch, wie leichtsinnig Firmen mit ihren wichtigsten Schätzen wie dem
Know-how umgehen.
Durch Verstöße gegen Patent- und Markenrechte,
Geschmacksmuster oder Verrat von Geschäftsgeheimnissen wurden in den
vergangenen vier Jahren nach der Studie 38 Prozent der befragten 240
Unternehmen geschädigt. Vor allem forschungsintensive Unternehmen – fast zwei
Drittel – waren mindestens einmal von Produkt- und Markenpiraterie betroffen.
Bundesweit richten Marken-Piraten Milliarden-Schäden an, rechnet eine vor einer
Woche veröffentlichte Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und
Innovationsforschung (ISI) hoch.
Dabei fühlen sich Unternehmen ganz gut gegen
Wirtschaftsspionage aufgestellt. Eine Fehleinschätzung, warnen
Sicherheitsexperten. Mehr als die Hälfte der befragten forschungsintensiven
Unternehmen haben zwar antragsfähige, aber nicht geschützte Patente – sei es,
weil sie den hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand eines Antrags fürchten,
weil sie meinen, dass das Produkt noch nicht patentreif ist oder weil sie es im
Ausland ohnehin nur mangelhaft geschützt sehen.
"Ein Teil ihres geistigen Eigentums ist somit rechtlich
schutzlos", so die Forscher. Nur bei etwa zwei Drittel dieser Firmen sind
der Forschungs- und Entwicklungsbereich besonders geschützt, auf ihre
Produktion achten noch weniger Unternehmen.
Angst haben die Firmen vor allem vor technischen
Späh-Angriffen. Falsch, sagen nun die Experten. Denn es ist oft der
unzufriedene Mitarbeiter, vor dem sie sich eigentlich hüten müssen. Geldgier,
verbunden mit mangelndem Werte- und Unrechtsbewusstsein sind der Studie zufolge
die häufigsten Ursachen für schädigendes Verhalten von Beschäftigten. Leichtes
Spiel haben "schwarze Schafe", wenn dem Geheimnisdiebstahl kaum
vorgebeugt und wenig kontrolliert wird. "Hier könnten sich die Unternehmen
aus eigener Kraft besser schützen", so die Untersuchung.
Sensibles Wissen ist immer wieder zu vielen Menschen
bekannt, Geschäftspartner und Subunternehmen sind kaum in Sicherheitskonzepte
eingebunden. Außerdem sind ethische Richtlinien und Verhaltenskodexe genauso
selten wie Schulungen zur Mitarbeiter-Sensibilisierung zum Know-how-Schutz.
Bei der "SiFo-Studie 2009" handelt es sich laut
Ministerium um eine der größten empirischen Untersuchungen zur Wirtschafts- und
Industriespionage in Unternehmen. Bis zum Jahresende will das Sicherheitsforum
Baden-Württemberg – darin sind Firmen, Forschungseinrichtungen, Verbände,
Kammern und Behörden vertreten – eine Broschüre dazu vorlegen. Außerdem wird
die Studie mit Handlungsempfehlungen in der Steinbeis-Edition veröffentlicht.