Berthold Schmid Wien, Florenz (SN). Eine kleine Pension etwa
25 Kilometer südlich von Florenz. Beamte der Guardia di Finanza überprüfen
routinemäßig die Identitäten der dort wohnenden Gäste und stoßen auf einen
abgelaufenen österreichischen Reisepass, lautend auf Brigitte H. Ebenso routinemäßig
geben sie diese Informationen an ihre Kollegen in Wien weiter.
Ein Volltreffer, wie es Oberstleutnant Helmut Reinmüller von
der Zielfahndung im Bundeskriminalamt bezeichnet. Gegen Brigitte H. besteht
seit acht Jahren ein europäischer Haftbefehl. Sie soll gemeinsam mit dem
Salzburger Wirtschaftsanwalt Friedrich L. Ende 2001 nach der Veruntreuung von
rund 1,45 Millionen Euro Treuhandgelder untergetaucht sein. Doch die Polizisten
nehmen Brigitte H. nicht sofort fest, vielmehr beschatten sie die Frau eine
Woche lang, weil sie noch mehr über den Lebensgefährten der Salzburgerin
erfahren wollen – und tatsächlich taucht der gesuchte Anwalt auf. Nur heißt er
nicht mehr Friedrich L., vielmehr steht „Dr. Franz Maringer“ in seinem
österreichischen Reisepass. Auch das Geburtsdatum von 1. Dezember 1950 ist auf
den 7. Dezember 1950 verfälscht. „Wir glauben, dass es sich um eine
Totalfälschung handelt“, sagt Reinmüller.
Nach sieben Tagen Observation schlagen am Donnerstag die
Beamten zu. Als sich das Paar zur Mittagszeit zu einem Spaziergang aufmacht,
klicken für beide die Handschellen. Derzeit befinden sich die beiden Salzburger
in Gewahrsam der Guardia di Finanza, sollen jedoch in den kommenden Tagen nach
Florenz in die Auslieferungshaft überstellt werden. Parallel müssen noch einige
Hausdurchsuchungen durchgeführt werden.
„Ich bin schon gespannt, wo die beiden in den vergangenen
Jahren tatsächlich waren“, sagt Reinmüller im SN-Gespräch. Denn es habe schon
kurz nach dem Verschwinden des Paares zahlreiche Hinweise darauf gegeben, dass
sich die Gesuchten in Italien aufhalten könnten. „Aber alle Spuren sind im Sand
verlaufen“, sagt der Zielfahnder. Später will ein Privatdetektiv den Anwalt
sogar in einem Nobelhotel in Kapstadt gesehen haben. Aber auch diese Spur verlief
sich.
Jetzt stellt sich heraus, dass Brigitte H. im Gegensatz zu
ihrem Begleiter immer unter ihrem tatsächlichen Namen aufgetreten ist und schon
2001 im Großraum von Florenz zumindest ein Appartement besessen sowie Firmen in
der Modebranche gegründet haben soll. Unklar ist, über welche Bar- und
Vermögenswerte das Paar bis zur seiner Festnahme noch verfügt hat. Nach
jüngsten Informationen soll Brigitte H. als Betreiberin jener kleinen Pension
südlich von Florenz aufgetreten sein, wo nach acht Jahren nun die Flucht zu
einem Ende kam.
Für die Zielfahnder des Bundeskriminalamts ist dies bereits
der 70. Fahndungserfolg in den vergangenen fünf Jahren. Der 71. Erfolg soll
demnächst folgen.
Revolte in Anstalt, in der mutmaßlicher Betrüger Friedrich L. sitzt
Mittendrin. Im Gefängnis von Florenz revoltieren Häftlinge. Just dort sitzt auch der mutmaßliche Betrüger und Ex-Anwalt Friedrich L. ein. Der Aufstand brach auch genau in dessen Trakt aus. Die Situation ist zweifellos skurril: Das mutmaßli
Mittendrin. Im Gefängnis von Florenz revoltieren Häftlinge. Just dort sitzt auch der mutmaßliche Betrüger und Ex-Anwalt Friedrich L. ein. Der Aufstand brach auch genau in dessen Trakt aus. Die Situation ist zweifellos skurril: Das mutmaßli
Aufgenommen: Aug 22, 23:41