Ob es
weitere Schritte bei den Ermittlungen geben wird, ist noch offen.
Wieder
schlägt ein Interview mit Ludwig Adamovich, dem ehemaligen Präsidenten des
Verfassungsgerichtshofes (VfGH) und Leiter der vom Innenministerium
eingesetzten Evaluierungskommission für den Fall Natascha Kampusch, hohe
Wellen.
Gefangenschaft
"allemal besser"
Hatte er erst vor kurzem in dem Magazin "profil" Zweifel an der
Einzeltäterversion geäußert, löst nun ein Interview mit der "Kronen
Zeitung" (Sonntag-Ausgabe) Irritationen aus. Er stellte die Hypothese auf,
dass die Zeit ihrer Gefangenschaft für Kampusch womöglich "allemal
besser" gewesen wäre, "als das, was sie davor erlebt hat".
Damit stößt
Adamovich auf Kritik. Die Oberstaatsanwaltschaft kündigte Gespräche mit
Adamovich an. Dieser solle persönlich seine Bedenken zu den bisherigen
Ermittlungen darlegen. Kampuschs Anwalt Gerald Ganzger wies die Aussagen als
"entbehrliche Spekulationen" zurück.
Kritik an
öffentlicher Abhandlung
Ganzger übte heftige Kritik an den Aussagen von Adamovich: "Wogegen wir
uns wehren, sind einerseits die öffentliche Abhandlung des Konflikts zwischen
den Behörden und vor allem auch die Spekulationen des Vorsitzenden über Sachen,
die mit den Ermittlungen überhaupt nichts mehr zu tun haben."
Auch
Überlegungen, ob Natascha Kampusch in das Haus ihres Entführers Wolfgang
Priklopil einziehe oder nicht, sei für die Erhebungen nicht relevant. Ganzger
fordert eine Versachlichung der Ermittlungen und befürwortete auch eine erneute
Einvernahme, sollte diese notwendig sein.
Mit Blick
auf die Evaluierungskommission sagte er: "Wenn etwas da ist, soll es
intern knallhart auf den Tisch gelegt werden. Wenn die irgendetwas wissen, was
die anderen nicht wissen. Aber das würde mich wundern." Klagen möchte er
nicht gegen die Interviews, aber sie seien der Sache nicht dienlich.
Kritik an
Evaluierungskommission
Medienberater von Kampusch hatten bereits Kritik an Adamovich und der
Evaluierungskommission geübt: "Wir erwarten von der Sonderkommission, dass
sie die richtige Grenze zwischen Opferschutz und öffentlichem Interesse
zieht", betonten sie und forderten, dass die Diskussion des Falls wieder
auf eine "sachliche Ebene" zurückkehre und die
"Unterstellungen" aufhören - mehr dazu in noe.ORF.at.
Unterstützung
aus dem Innenministerium
Im Innenministerium hingegen zeigt man sich eher einverstanden mit der
Vorgangsweise und Leistung der Kommission. "Es ist ja so, dass anhand des
Falls Kampusch die Ermittlungsfortschritte beobachtet werden", sagte
Martin Brandstötter, Sprecher von Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) gegenüber
der APA.
Diese
Aufgabe sei nicht zu weit oder zu eng gefasst, und "somit sind wir mit der
Arbeit der Kommission zufrieden".
Weitere
Ermittlungen offen
Ob es weitere Ermittlungsschritte von der im vergangenen Jahr gegründeten
"SoKo Kampusch" im Bundeskriminalamt geben wird, wie Adamovich
gefordert hatte, ist noch offen. Nach wie vor wird eine erneute Vernehmung von
Kampusch nicht ausgeschlossen. Die Entscheidung dazu liegt bei der
Staatsanwaltschaft Wien. Dort will man aber zunächst noch den Abschluss und die
Dokumentation der Vernehmungen im Bekanntenkreis Priklopils abwarten.
Laut
Bundeskriminalamt gibt es nach wie vor offene Befragungen. Seit November 2008
seien über 100 Personen befragt worden. Über Inhalte werde aber nicht
gesprochen, betonte SoKo-Sprecher Gerhard Lang.
Einsicht in
Protokoll
Erst vergangene Woche nehmen zwei Ermittler des BKA Einsicht in das bisher
unter Verschluss gehaltene Einvernahmeprotokoll, das mit Kampusch unmittelbar
nach ihrer Flucht im August 2006 aufgenommen wurde.
"Die Beamten
haben sich im Beisein des zuständigen Staatsanwalts die rund ein Dutzend Seiten
durchgelesen, um festzustellen, ob sich daraus neue Ermittlungsansätze gewinnen
lassen", gab Gerhard Jarosch, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien,
auf APA-Anfrage bekannt.
ORF, 3.8.2009
"Auf
den zunehmenden öffentlichen Druck hin wurden Kampuschs intime Aussagen den
Sonderermittlern dann doch nicht länger vorenthalten." Nach der
Einsichtnahme hatte Adamovich eine neuerliche Befragung gefordert, da die
bisherigen Einvernahmeprotokolle nicht "übertrieben ergiebig gewesen"
seien.