Polizisten, SPÖ-Politiker und Ex-Agent des Heeresabwehramtes
sollen kasachischen Entführern geholfen haben. Ermittlungen über Atomschmuggel
in den Iran verraten.
Wien (OTS) - Die Wiener Wochenzeitung Falter veröffentlicht
in ihrer neuen Ausgabe exklusiv die Verschlussakte des Verfassungsschutzes im
Fall Kasachstan. Die Dokumente illustrieren eine der hässlichsten
österreichischen Korruptionsaffären. Involviert sind Spitzenpolizisten, ein
Ex-Heeres-Agent und ein Politiker der Wiener SPÖ.
Unter dem Decknamen "Asta" ermittelt der
Verfassungsschutz seit Monaten gegen ein Netzwerk, das in die versuchte
Entführung von drei kasachischen Diplomaten involviert sein soll. In einer
Anzeige hält das Innenministerium fest, es gebe "keinen Zweifel mehr
daran, dass es sich in allen Fällen um missglückte Entführungen gehandelt hat, die
durch den kasachischen Geheimdienst in Auftrag gegeben wurden". Es geht
jedoch nicht nur um Entführungen, Geheimnisverrat und Bestechung, sondern auch
um Atomschmuggel in den Iran.
Im Visier der Behörden, so enthüllt der Falter, steht vor
allem das Wiener Netzwerk des kasachischen Geheimdienstlers Ildar A., einemAgenten dem im September in Wien wegen
Verschleppung, Spionage und Anstiftung zum Amtsmissbrauch der Prozess gemacht
wird. Er soll nicht nur Polizisten bestochen, sondern auch seine
"Freundschaft" zum Favoritner SPÖ-Chef Anton Gaal genützt haben, um
die Entführung von Ex-Botschafter Rakhat Alijew und seinen Getreuen vorzubereiten.
Gaal, ehemaliger Wehrsprecher der SPÖ, wird in
Zeugenaussagen vor der Polizei schwer belastet. Gaal soll Ildar A. mit seinem
Freund, dem Ex- Heeresagenten und Privatdetektiv Jimmy H. bekannt gemacht haben.
Jimmy H. sollte den Aufenthalt des unter Polizeischutz stehenden
Ex-Botschafters Alijew ausfindig machen. Jimmy H. lautZeugenprotokoll, das dem Falter vorliegt:
"Toni hat mich angerufen und bat mich um ein Treffen im zehnten Bezirk. Zu
dem Treffen kam er mit einem mir damals unbekannten Mann, den er mir als Ildar vorstellte.
Durch meine frühere Tätigkeit im Heeresabwehramt
weiß Toni, dass ich über ein breites Wissen im Ermittlungsbereich verfüge.
Weil Toni mein Freund ist und Ildar ein Bekannter von Toni
war, dachte ich mir nicht viel dabei." Jimmy H. gibt zu, dass er jene Wiener
Adressen ausforschte, an denen später missglückte Entführungen von Kasachen
stattfanden. Jimmy H. wurde dafür laut eigenen Angaben ein Anteil an einem
milliardenschweren Ölgeschäft versprochen, "von dem ich mir ein schönes
Haus bauen könnte."Anton Gaal
bestreitet die Vorwürfe. Ildar A. sei nur ein "Nachbar" gewesen, dem
er ein Haus abkaufen wollte. Von Entführungsabsichten habe er nichts gewusst.
Das Innenministerium ermittelt auch gegen zwei Polizisten, darunter
ein einst der BIA zugeteilter Beamter. Er reiste mit einem Kollegen
"privat" nach Kasachstan und übergab Polizeidaten über Ex-Botschafter
Alijew an kasachische Geheimdienstler. In einem dem Falter vorliegenden Mail
des Beamten an einen kasachischen Agenten heißt es: "Servus! Anbei alle
Daten, die bei uns polizeilich im Computer aufscheinen". In einem anderen
Mail plaudert der Polizist über hochsensible Ermittlungen, die das
Innenministerium mit dem deutschen Bundesnachrichtendienst führt.
"Servus!", heißt es in dem Mail , "Geschmuggelt werden Waffen
aller Art, sowie auch strahlendes Material. Es hat den Anschein, dass man von
und über Kasachstan Lieferungen in den Iran organisiert." Das Innenministerium
fürchtete aufgrund der Indiskretion um das Leben von V-Männern. Für alle Beteiligten
gilt die Unschuldsvermutung.