Die Spitzelaffäre könnte auch Konsequenzen an der Spitze der
Bank haben
Die Deutsche Bank hat in ihrer Spitzelaffäre erste
personelle Konsequenzen gezogen. Nach Informationen aus Finanzkreisen müssen
der Deutschland-Chef der Konzernsicherheit, Rafael Schenz, und der Leiter der
Abteilung Investor Relations (IR), Wolfram Schmitt, gehen. Die Deutsche Bank
nahm dazu keine Stellung. Ein Sprecher erklärte, dass sich das Institut zu den
Ergebnissen der unabhängigen Untersuchung und den daraus resultierenden
Konsequenzen äußern werde, sobald der Abschlussbericht vorliege.
Die Spitzelaffäre wird im Auftrag der Deutschen Bank von der
Kanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton geprüft. Zudem sind in den Vorgang
auch die Finanzaufsicht (Bafin) sowie die Datenschützer des
Regierungspräsidiums Darmstadt eingeschaltet. Am 22. Mai hatte die Bank
mitgeteilt, dass es in früheren Jahren Verstöße der Abteilung Konzernsicherheit
gegen interne Vorgaben oder rechtliche Anforderungen gegeben haben könnte.
Erste Konsequenzen
Die Entlassungen sind erste Konsequenzen, die die Bank aus
dem vorläufigen Bericht der Anwaltskanzlei gezogen hat. Sie stehen im
Zusammenhang mit dem kritischen Aktionär Michael Bohndorf, der eines der Opfer
der Spitzelaffäre gewesen sein soll. Der auf Ibiza lebende Rechtsanwalt
Bohndorf fällt seit Jahren auf den Hauptversammlungen des Instituts mit
kritischen Fragen auf. Beobachter haben ihn dem Lager von Leo Kirch
zugerechnet. Der Münchener Medienunternehmer macht seit Jahren den früheren
Vorstandschef Rolf-E. Breuer für den Untergang seines Konzerns verantwortlich
und überzieht die Bank mit Klagen. Doch sowohl Bohndorf als auch Vertreter von
Kirch streiten eine Verbindung ab. Inwiefern Vorgesetzte in Bohndorfs
Bespitzelung eingeweiht waren, bei der nach Medienberichten auch weibliche
Lockvögel eingesetzt wurden, ist noch offen.
Den Finanzkreisen zufolge gibt es in dem vorläufigen Bericht
der Anwaltskanzlei keine Hinweise darauf, dass der deutsche Sicherheitschef
Schenz den Leiter der weltweiten Konzernsicherheit, Victor Meyer, über den
Vorgang informiert habe. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zitiert einen
„Insider“, demzufolge Schenz seinen Vorgesetzten mehrfach über die Ermittlungen
informiert hat. Jedoch ist es unwahrscheinlich, dass Schenz und der für die
Beziehungen zu den Aktionären verantwortliche IR-Chef Schmitt aus eigenem
Antrieb tätig geworden sind. Es ist zu vermuten, dass sie die Bespitzelung
Bohndorfs mit Rückendeckung aus dem Vorstand oder dem Aufsichtsrat angeordnet
haben. Sollte sich dies bestätigen, könnte die Spitzelaffäre auch Konsequenzen
an der Spitze der Bank haben.
Anhaltspunkte für eine Straftat
Schon seit Bekanntwerden der Affäre haben Beobachter diese
immer wieder in Verbindung mit dem Machtkampf zwischen dem
Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig
gebracht. Börsig wollte Nachfolger von Ackermann an der Vorstandsspitze werden,
was aber größere Aktionäre und Arbeitnehmervertreter ablehnten. Daraufhin
verlängerte Ackermann auf Bitte des Aufsichtsrates Ende April seinen Vertrag
bis zum Jahr 2013. Nach dem „Spiegel“-Bericht hat Börsig im Anschluss an die
Hauptversammlung im Juni 2006 Schmitt gebeten, die Verbindungen Bohndorfs zu
Kirch zu recherchieren.
In die Affäre ist nun auch die Frankfurter
Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat nach
Auswertung der Stellungnahme der Deutschen Bank in zwei Fällen Anhaltspunkte
für eine Straftat erkannt. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob in den beiden
Fällen ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren einzuleiten ist.