Fekter: "Massiv erhöhte" Aktivität des
kasachischen Geheimdienstes.
Am Montag tagt der Nationale Sicherheitsrat.
Wien. (kats) Nicht nur Politiker, sondern auch Medienunternehmen sollen von
"ausländischen Geheimdiensten" instrumentalisiert worden sein. Das
geht aus dem Verfassungsschutzbericht 2009 hervor, den Innenministerin Maria
Fekter am Freitag präsentiert hat.
Wie genau das vonstatten gegangen sein soll und wer
betroffen ist, wird darin nicht erklärt. Es findet sich lediglich die
Feststellung, dass ausländische Geheimdienste versuchen würden, durch
"gezielte Desinformation" die parlamentarische Arbeit und die Medienlandschaft
in Österreich zu beeinflussen. Auch ist die Rede davon, dass parlamentarische
Anfragen ausländischen Nachrichtendiensten zugespielt wurden, bevor sie noch im
zuständigen Ministerium gelandet sind.
Abgeordnete des Nationalrats sind hingegen nicht erwähnt.
Wie berichtet, wurde FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky unterstellt, bei einer
Anfrage an Fekter vom kasachischen Geheimdienst instrumentalisiert worden zu
sein. Dazu findet sich im Papier des Bundesamts für Verfassungsschutz und
Terrorismusbekämpfung (BVT) kein Wort.
Konkrete Details wollte auch Fekter mit Verweis auf
Amtsverschwiegenheit, Datenschutz und laufende Verfahren nicht preisgeben. Sie
erklärte nur, dass die kasachische Botschaft im Jahr 2007 Auslieferungsbegehren
gegen Ex-Botschafter Rakhat Alijev und drei Personen in dessen Umfeld gestellt
habe.
"Gesteuerte Anfragen"
Als diese abgelehnt wurden, sei es zu "massiv erhöhten
Aktivitäten" des kasachischen Geheimdienstes in Österreich gekommen, um
die Personen nach Kasachstan zu holen. In diesem Zusammenhang sei versucht
worden, österreichische Staatsbürger zu instrumentalisieren – etwa durch
"gesteuerte parlamentarische Anfragen".
Außerdem habe es "in der zweiten Jahreshälfte
2008" drei Entführungsversuche in Verbindung mit Alijev gegeben. Im Zuge
der darauffolgenden Ermittlungen – unter anderem durch Telefonüberwachung – kam
man laut Fekter darauf, dass der kasachische Geheimdienst nicht nur Einfluss
auf Politiker genommen, sondern auch "Medien mit Informationen
gefüttert" habe.
"Fürstliche" Summen?
Und der Leiter des BVT, Peter Gridling, ergänzte: Es sei
darum gegangen, dass diese Medien ein positives Bild von Kasachstan erzeugen
sollten – dafür seien ihnen "recht fürstliche" Summen angeboten
worden. Allerdings gab der BVT-Chef auch zu, dass es keine Informationen
darüber gebe, ob die Medien dieses Geld auch angenommen hätten. Fekter und
Gridling beriefen sich auf die Medienfreiheit – da es sich bei diesen
Geldflüssen nicht um strafbare Handlungen gehandelt habe, sei diese Spur auch
nicht weiter verfolgt worden. Auch die Frage, um welche Medien es geht, war
laut Gridling nicht Teil der Ermittlungen.
Fekter begrüßte jedenfalls die Einsetzung des
Untersuchungsausschusses. Sie versprach, dass sie alle
Innenministeriumsbeamten, die als Zeugen geladen werden, von der
Amtsverschwiegenheit entbinden wird, außer, wenn dies Personen gefährden würde.
Auch zeigte sich die Innenministerin erfreut darüber, dass
sich der Nationale Sicherheitsrat mit dem Thema befassen wird. Das Gremium
wurde auf Verlangen der FPÖ für den kommenden Montag einberufen.