In den Jahren 2000 und 2001 gab es undichte Stellen im
Heeresabwehramt. Der ehemalige Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP)
wird als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses nominiert.
WIEN(oli/pri/APA). Der in der Vorwoche im Parlament von
allen Fraktionen beschlossene „Spitzeluntersuchungsausschuss“ könnte um einen
weiteren Fall bereichert werden: Über undichte Stellen in einem der drei österreichischen
Geheimdienste soll es zu einem Informationsfluss, vermutlich in Richtung FPÖ,
gekommen sein.
Allerdings, so schränkt ein Sprecher des
Verteidigungsministeriums ein, beziehe sich dies auf die Jahre 2000 und 2001,
die Amtszeit des damaligen FPÖ-Verteidigungsministers Herbert Scheibner. Erst
unter dem jetzigen Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) sei dann den
„schwerwiegenden Verdachtsmomenten“ gegen Mitarbeiter – mehrere Personen des
Heeresabwehramts – wegen unzulässiger Weitergabe von Informationen an
Außenstehende nachgegangen worden. Nach ressortinternen Ermittlungen schaltete
Verteidigungsminister Darabos im April 2009 die Staatsanwaltschaft Wien ein.
Für die Verdächtigten, so heißt es im Ministerium, gelte zwar die
Unschuldsvermutung, aber die Verdachtsmomente seien in diesem sensiblen Bereich
so schwerwiegend gewesen, dass sie an andere Dienststellen versetzt wurden.
Bartenstein-Comeback
Ein Comeback auf größerer politischer Bühne bringt der
U-Ausschuss, der sich kommende Woche konstituieren soll, für Martin Bartenstein
mit sich. Die ÖVP wird den früheren Wirtschaftsminister für den
Ausschussvorsitz nominieren. Für die SPÖ signalisierte Klubchef Josef Cap
Zustimmung. Der Grüne Peter Pilz hingegen pocht auf einen Vorsitzenden der SPÖ,
da diese am wenigsten in die Causa involviert sei. Zumal die ÖVP die
Verantwortung im Innen- und im Justizministerium trage. „Ich nehme zur
Kenntnis, dass es in der Koalition so ist, dass alle Posten von der ÖVP besetzt
werden“, ätzte Pilz.
ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf wies diese Kritik zurück: Der
Leiter des U-Ausschusses solle kein Ankläger sein, sondern ein objektiver
Lenker des Verfahrens. Das sei Bartenstein sehr wohl zuzutrauen. „Man sollte
dem Instrument des U-Ausschusses überhaupt das Dämonenhafte nehmen“, meinte
Kopf. Ein U-Ausschuss solle kein Tribunal sein, es gebe auch keine
Beschuldigten, sondern nur Auskunftspersonen. Auch SPÖ-Klubchef Cap kann sich
eine Befangenheit Bartensteins nicht vorstellen.
Das ÖVP-Team für den U-Ausschuss wird von Werner Amon
angeführt. Dazu gesellen sich die Abgeordneten Heribert Donnerbauer, Günter
Kössl und Hermann Gahr. SPÖ-Fraktionsführer ist Sicherheitssprecher Otto Pendl,
dazu kommen Christine Lapp, Hannes Fazekas, Gerhard Steier und Hannes Weninger.
Die Freiheitlichen entsenden Werner Neubauer, Walter Rosenkranz und Johannes
Hübner, die Grünen Peter Pilz. Wer den zweiten grünen Platz im Ausschuss
einnehmen wird, ist noch nicht entschieden. Beim BZÖ dürfte einer der Plätze an
Ewald Stadler gehen, der zweite möglicherweise an Peter Westenthaler.
Justizministerium prüft
Auslöser für den U-Ausschuss war die Telefonüberwachung
Peter Westenthalers durch die Staatsanwaltschaft. Das Justizministerium lässt
nun prüfen, ob das Vorgehen der Staatsanwaltschaft Wien bei der Rufdatenrückerfassung
des BZÖ-Abgeordneten korrekt gewesen ist. Westenthalers Immunität wurde
umgangen, indem man ihn als Zeugen führte. Man sei derzeit dabei, sich die
nötigen Unterlagen von der Staatsanwaltschaft zu beschaffen, hieß es im Büro
von Justizministerin Bandion-Ortner.
Der U-Ausschuss wird neben den Vorwürfen von FPÖ-Chef
Heinz-Christian Strache, FPÖ-Politiker seien vom Grünen-Abgeordneten Karl
Öllinger bespitzelt worden, einen weiteren Punkt zu klären haben: ob
FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky vom kasachischen Geheimdienst zur
Informationsbeschaffung eingespannt wurde. Vilimsky sagt, er wisse davon
nichts. „Vilimsky soll sein Gedächtnis strapazieren“, sagt hingegen der Grüne
Peter Pilz. Immerhin sei dies im Unterausschuss des Innenausschusses bei der
Präsentation des Verfassungsschutzberichtes sehr wohl ein Thema gewesen.
Offiziell ist dieser Verfassungsschutzbericht 2009 noch unter Verschluss. Er
werde „in den kommenden Wochen“ präsentiert, heißt es im Innenministerium.
Vilimsky verweist darauf, dass er 300 Anfragen gestellt habe, nur drei betrafen
Kasachstan, eine davon Rakhat Aliyev, den verhafteten Exbotschafter in Wien und
in Ungnade gefallenen Exschwiegersohn von Staatspräsident Nasarbajew.
Ermittlungen gegen Polizisten
Im Laufen sind die Ermittlungen gegen zwei Polizisten, die
verdächtigt werden, für den kasachischen Geheimdienst in der Causa Aliyev
Abfragen am Polizeicomputer Ekis getätigt zu haben. Sie wurden vorübergehend in
U-Haft genommen.