Einstimmig hat der Nationalrat einen U-Ausschuss
beschlossen, doch schon beim Vorsitz endet die Harmonie
Bartenstein soll Vorsitz übernehmen, Opposition dagegen.
Genauer Inhalt und Termin offen.
FPÖ: "Intrige des Innenministeriums gegen Opposition."
Wien. Die diesjährige Sommerpause des Nationalrats fällt kürzer aus als
erwartet. Zwar wurde ein Antrag des BZÖ auf Abschaffung der Sommerpause am
Freitag von der Mehrheit der Abgeordneten abgelehnt, kurz darauf beschlossen
die Mandatare allerdings einstimmig die Einsetzung eines
Untersuchungsausschusses zur Abhör-Causa.
Konkret geht es dabei einerseits um die Überwachung des
Telefonverkehrs von BZÖ-Mandatar Peter Westenthaler durch die Polizei (die
"Wiener Zeitung" hat berichtet), andererseits um den Vorwurf der Bespitzelung
der FPÖ durch die Polizei im Auftrag des Grünen Karl Öllinger sowie die
versuchte Einflussnahme auf Mandatare durch einen ausländischen Geheimdienst.
Bei letzterem Punkt geht es mutmaßlich um eine eventuelle
Instrumentalisierung von FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky durch den
kasachischen Geheimdienst im Zusammenhang mit der Causa
Alijev.
In seltener Einhelligkeit stimmten am Freitagabend alle Abgeordneten
für einen U-Ausschuss. Für den Grünen Peter Pilz ein Zeichen von
"ehrlicher Betroffenheit bei vielen Abgeordneten", da zum Beispiel
die Überwachung von Abgeordnetentelefonen das Vertrauensverhältnis zwischen
Bürgern und Abgeordneten zerstöre, wie er am Montag erklärte. Bürger, die sich
an ihre Abgeordneten wenden, müssten sicher sein können, deswegen nicht
überwacht zu werden. Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft sei sowohl
rechtswidrig als auch der politischen Kultur abträglich, so Pilz.
Dass mit Öllinger ein Parteikollege von ihm im Visier steht,
ist für ihn kein Problem: Die Sache gehöre geklärt, egal aus welcher Fraktion
jemand komme.
Pilz ist von den Grünen für den U-Ausschuss fix gesetzt. Wer
den zweiten Platz besetzt, ist noch offen. Die FPÖ wird die Abgeordneten
Johannes Hübner, Walter Rosenkranz (als Fraktionsführer) und Werner Neubauer
entsenden. Das BZÖ will seine Vertreter erst heute präsentieren. Als
wahrscheinlichste Kandidaten gelten Ewald Stadler und Peter Westenthaler. Die
SPÖ besetzt ihre fünf Plätze mit Otto Pendl, Christine Lapp, Hannes Fazekas,
Gerhard Steier und Hannes Weninger.
"Der Bock als Gärtner"
Für die ÖVP werden Werner Amon, Heribert Donnerbauer, Günter
Kössl, Hermann Gahr und Martin Bartenstein im U-Ausschuss sitzen. Letzterer
steht auch als Ausschussvorsitzender so gut wie fest – sehr zum Unmut der
Opposition. Da zumindest die Überwachungsvorwürfe das Innen- und das
Justizministerium, also ÖVP-Ressorts betreffen, werde der Bock zum Gärtner
gemacht, so der Tenor. Aber offensichtlich sei es in der Koalition so, dass
alle Posten von der ÖVP besetzt würden, ätzte Pilz. Er appellierte denn auch an
SPÖ-Klubchef Josef Cap, einen geeigneten SPÖ-Kandidaten für den Vorsitz zu
nominieren. Cap hatte allerdings zuvor schon erklärt, Bartenstein sei ein
"durchaus akzeptabler" Vorschlag. Befangenheit seitens der ÖVP könne
er sich nicht vorstellen.
Für ÖVP-Chef Josef Pröll ist Bartenstein – gemeinsam mit
Innenministerin Maria Fekter und Justizministerin Claudia Bandion-Ortner –
"die Speerspitze der Aufklärung auf Punkt und Beistrich". Man werde
dafür sorgen, dass nichts im Dunkeln bleibe.
Wann sich der U-Ausschuss konstituieren wird, ist noch
offen. Laut Nationalratspräsidentin Barbara Prammer dürfte es übernächste Woche
sein. Unklar ist auch noch, welche Themen genau behandelt werden. Geht es nach
Pilz, so sollen etwa auch Informationsflüsse vom Heeresabwehramt an die FPÖ
untersucht werden (siehe unten). Ob es dazu tatsächlich kommen wird, ist noch
unklar. SPÖ-Klubobmann Josef Cap plädierte – wohl mit Blick auf den im Vorjahr
aus dem Ruder gelaufenen U-Ausschuss zum Innenministerium – dafür, keinen
"Mega-Untersuchungsausschuss zu konstruieren".
Für Harald Vilimsky geht der U-Ausschuss übrigens nicht weit
genug. Er fordert angesichts der mutmaßlichen Bespitzelung von Mandataren die
Einberufung des Nationalen Sicherheitsrates. Der FPÖ-Politiker wittert eine
"Intrige des Innenressorts" gegen die Opposition.
Quelle: Wiener Zeitung vom Dienstag, 14. Juli 2009