Nikon kann nicht liefern
Wer sich für das „Revolutionsprodukt zwischen Amateur- und Profibedürfnissen“ (Werbetext) der Firma Nikon, die digitale Spiegelreflexkamera D200, interessiert, wurde seit dem Erscheinungsdatum (Dezember 2005) bitter enttäuscht. Anfragen bei Endhändlern wurden mit einem „bitte warten“ beantwortet und bis heute hat sich daran nichts geändert.
Ein Erfahrungsbericht von Georg Krasser, Berufsdetektiv und Ing. Christian Peter, Berufsdetektivassistent
Auf einen Neuwagen zwei Monate warten zu müssen, mag akzeptabel sein. Bei einem Kameragehäuse, das über alle Maßen lobend angekündigt wurde, verwundert dies allerdings. Dass eine der führenden Photoketten Österreichs auf 75 bestellte Stück (die immerhin einen Gesamtverkaufspreis von € 135.000 erzielen würden) nach eigenen Angaben noch viele Wochen wird warten müssen und dass kleinere Endhändler nicht einmal bestellte drei Stück in akzeptabler Frist erhalten, erschüttert gleichermaßen. „Es werden laufend, seit Weihnachten Kleinstmengen (!) an den Handel ausgeliefert. Wir bitten Sie daher sich direkt an Ihren Händler zu wenden. Danke.“. So die sparsam gehaltene Beantwortung unserer Anfrage, die uns Elisabeth Rothen, Team Assistent von NIKON-Austria, in einer mail am 31. Jänner 2006 übersandte. Ob die Kürze der Antwort an dem Umstand liegt, dass es NIKON-Austria nicht sonderlich interessiert, ob der Verbraucher zu seinem Produkt kommt oder ob die beantwortende Mitarbeiterin wegen Anfrageflut bereits genervt per „copy and paste“ einen lapidaren Standardtext ins Antwortformular füllt, darüber kann nur spekuliert werden.
Immerhin haben die beiden Autoren Testberichte über das D200-Gehäuse ebenso über eine Internet-Suchmaschine abgefragt wie jene der Neugehäuse 5D und 30D des weit flotteren Konkurrenten Canon. Resultat: während Canon bei weit weniger Testberichten seine beiden Neuprodukte „unmittelbar“ nach Verkaufseröffnung in mehr als ausreichender Anzahl in den Handel brachte, entstand bei NIKON der Eindruck, dass weit mehr Testberichte existieren als bereits ausgelieferte Gehäuse. An dieser Stelle erscheint es den Autoren erwähnenswert, dass besagter Konzern nicht in Ostfriesland sondern in Japan etabliert ist. In jenem Land also, in dem das berühmte „harakiri“ seinen Ursprung hat. Immerhin hat Canon ganz offensichtlich diese Wurzeln ausgerissen.
Dass steter Tropfen den Stein höhlt, mag zwar im Falle von Nikon eine Illusion sein. Trotzdem wollten die Autoren nicht locker lassen und richteten sich mit einer nunmehr „redaktionellen“ Anfrage an NIKON-Austria. Zwar wurde die Anfrage an die Geschäftsleitung gerichtet, doch wurde diese wieder von Elisabeth Rothen beantwortet. Anscheinend beißen immer den (oder die) Letzte(n) die Hunde….
"der detektiv": „Gibt es Schwierigkeiten mit der Qualität der D200?“
Elisabeth Rothen von NIKON-Austria: „Die Ursache der Lieferschwierigkeiten liegt nicht in Qualitätsproblemen der Kamera sondern in der komplexen Produktionsweise der Kamera selbst. Leider ist es nicht möglich, die weltweite Nachfrage in der Produktion lückenlos zu erfüllen.“
"der detektiv": „Warum wird ein angeblich revolutionäres Produkt, das vom Hersteller im Bereich zwischen Profi- und Amateurbedürfnissen angesiedelt wird, nicht einmal Monate nach dem angekündigten Erscheinungsdatum in ausreichender Menge ausgeliefert?“
Elisabeth Rothen von NIKON-Austria: „Die überwältigenden Presseberichte über die D200 haben dazu geführt, dass die Nachfrage noch deutlich die ursprünglichen Planungen übertrifft. Deshalb sind wir nach wie vor in Verzug.“
"der detektiv": „Ist sich die Firma Nikon des Umstandes bewusst, dass sich potentielle Käufer aus privaten und beruflichen Foren bereits mit der Anschaffung der neuen Canon 5D abfinden (obwohl diese um knapp 1.000 Euro teurer ist), statt für unbestimmte Zeit auf die Erwerbsmöglichkeit einer d200 zu hoffen?“
Elisabeth Rothen von NIKON-Austria: „Wir können uns für die langen Lieferzeiten bei diesem Modell nur entschuldigen. Sollte es dadurch zur Anschaffung von Mitbewerbermodellen kommen, bedauern wir dies natürlich sehr.“
"der detektiv": „Wann wird die Firma Nikon die Nachfrage tatsächlich ausreichend befriedigen können?“
Elisabeth Rothen von NIKON-Austria: „Wir erwarten uns ab April eine Entspannung in der Liefersituation.“
Soweit das Interview. Die Autoren wollten von Frau Rothen noch wissen, wohin die nächsten Kameras geliefert werden, um zwei Stück des genannten Gehäuses zu erwerben. Dies wurde von den Autoren auch noch mit dem Hinweis unterstrichen, dass die Gehäuse getestet und das Ergebnis in der Fachzeitschrift veröffentlicht werden würde.
Frau Rothen reagierte prompt und übersandte eine Auflistung von acht (ja, 8!!!) Endhändlern, an die bereits ausgeliefert „wurde“! Bei NIKON ist trotz expliziter Anfrage also die Geschichte mehr wert als die Zukunft, in die die High-Tech-Unternehmen ja streben sollten. Schade irgendwie!
Wir wollten mehr wissen und recherchierten unter „allen“ belieferten Endhändlern. Hier eine kurze Auswahl:
Ein Händler gab uns als Auskunft:
„Seit November 2005 habe ich seitens eines Photojournalisten eine Bestellung vorliegen. Die Auslieferung der bestellten D200 erfolgt voraussichtlich jetzt Ende März! – Wenn Sie jetzt bestellen, dann erhalten Sie das Gehäuse in etwa 4 Monaten!“ (8 Monate nach Markteinführung?!)
Ein zweiter Händler gab an, dass er 70 Vorbestellungen in seinen Auftragsbüchern habe und inzwischen vier (4 !!!) Kunden zum wesentlich teureren Modell Canon 5D gewechselt und dieses bereits erworben haben.
Ein dritter Händler wusste zu berichten, dass NIKON derzeit ganz offensichtlich nur Interesse an der Massenveräußerung von Digitalcameras der „Softschiene“ Coolpix haben dürfte. Er selbst hätte seit dem Umschwung von Analog- auf Digitalphotographie aus diesem Grund zu Canon gewechselt.
Unser Resümee: Wir haben das Warten auf Godot abgebrochen und quittieren mit dem Kauf zweier Canon 30D, die sich auf dem gleichen Spektrum bewegt und eine Woche nach Markteinführung lieferbar ist! In jedem Falle möchten die Autoren der Firma NIKON-Austria ihren Dank aussprechen, denn sie hat ihnen etwa 1.200 €uro bei zwei Geräten erspart. Wir werden NIKON-Austria die ersten Testergebnisse unserer neuen Canon Eos 30D übermitteln.
Allen anderen Berufsdetektiven raten wir in Anbetracht der vorliegenden Situation zum Kauf einer „unmittelbar lieferbaren“ Kamera. Mit dieser wünschen wir viel Spaß!