Hat sich FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky vom
kasachischen Geheimdienst einspannen lassen? Ein brisanter Bericht des
Verfassungsschutzes sorgt für Aufregung.
Plötzlich ging alles ganz schnell. Während sonst wochen-
oder sogar monatelang über die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses
gestritten wird, war die Sache am Freitag innerhalb weniger Stunden erledigt.
Alle fünf Parteien stimmten für einen U-Ausschuss, der noch im Sommer, mitten
in der geheiligten Urlaubszeit der Nationalratsabgeordneten, seine Arbeit
aufnehmen wird. Der Grund für die plötzliche Hektik? Dass die
Staatsanwaltschaft das Telefon von Peter Westenthaler überprüfen ließ, ohne
sich groß um die Abgeordnetenimmunität zu kümmern, empörte zwar Politiker aller
Fraktionen, das alleine hätte aber wohl nicht zu so einem drastischen Schritt
geführt. Der von der FPÖ aufgezeigte „grüne Spitzelskandal" schon gar
nicht. Da ist zwar einiges aufklärungswürdig, eine genaue Prüfung der
Unterlagen zeigt aber, dass vom „größten Spitzelskandal der Zweiten
Republik" (FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache) keine Rede sein kann.
Spionage im Hohen Haus
Es ist der noch unveröffentlichte Bericht des
Verfassungsschutzes, der in den Gängen des Parlaments für helle Aufregung
sorgte. Ausländische Geheimdienste hätten versucht, Einfluss auf aktive und
ehemalige Abgeordnete des Nationalrats zu nehmen, heißt es darin.Details sind erst wenige offiziell bekannt, Innenministerin
Maria Fekter will den Bericht erst in einigen Wochen veröffentlichen und gibt
vorher keine Stellungnahme ab. Parlamentspräsidentin Barbara Prammer erklärte
im ORF-Radio, es gehe um eine parlamentarische Anfrage, deren Beantwortung im
Interesse eines ausländischen Nachrichtendienstes gelegen sei, ohne dass der
betreffende Abgeordnete davon gewusst habe.
Vilimsky als "unfreiwilliger Spion"
Wie die „Presse" erfuhr, soll es sich dabei um
FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky handeln. Dieser hatte in der Affäre um den
früheren kasachischen Botschafter Rachat Alijew - den in Ungnade gefallene
Schwiegersohn von Staatspräsident Nursultan Nasarbajew - eine Anfrage gestellt.
Vilimsky wollte am 27. November des Vorjahres von Innenministerin Maria Fekter
wissen, warum gegen Alijew nicht vorgegangen werde, obwohl dieser in Kasachstan
wegen Entführung, Erpressung und Raub rechtskräftig verurteilt wurde. Eine
Anfrage also ganz im Interesse des kasachischen Regierung, die eine
Auslieferung von Alijew erreichen wollte.Der Verfassungsdienst vermutet nun, dass der kasachische
Geheimdienst Vilimsky zu dieser Anfrage angestiftet hat. Der freiheitliche
Abgeordnete bestätigt im Gespräch mit der „Presse" Kontakte mit Kasachen.
Er sei oft zu Botschaftsempfängen eingeladen. Dass es sich um Geheimdienstleute
gehandelt hat, habe er nicht gewusst. Vilimsky: „Wenn das stimmen sollte, finde
ich es eigenartig, dass mich vom Verfassungsschutz niemand informiert
hat." Schließlich gebe es für ihn auch Sicherheitsinteressen, wenn ein
ausländischer Geheimdienst versuche, ihn zu instrumentalisieren.Die Anfrage selbst verteidigt Vilimsky: Wenn Missstände an
ihn herangetragen werden, liege es in seiner Bewertungskompetenz, zu
entscheiden, ob er eine Anfrage stelle.Der grüne Abgeordnete Peter Pilz behauptet, dass weitere
Abgeordnete der FPÖ betroffen sind. Details will er nicht nennen, er fordert
aber Fekter auf, den Bericht sofort zu veröffentlichen. Es gebe keinen Grund
für das Versteckspiel. Es müsse geklärt werden, ob Geld geflossen ist und ob
die betroffenen Abgeordneten gewusst haben, was sie da tun.
Ausschuss startet im August
Der Untersuchungsausschuss wird rasch mit der Arbeit
beginnen. Laut Prammer findet die konstituierende Sitzung bereits übernächste
Woche statt. Dort wird ein Vorsitzender gewählt. Prammer zufolge haben sich die
Parteien bereits weitgehend auf einen Vertreter der ÖVP geeinigt. Pilz wiederum
hätte lieber einen SPÖ-Abgeordneten. Die ÖVP sei befangen, weil sowohl Innen-
als auch Justizressort von ihr geleitet wird.