Facebook-Gate in Londons High Society: Weil die Ehefrau des
britischen Uno-Botschafters John Sawers peinliche Badefotos für jedermann im
Internet einsehbar machte, hat ihr Mann jetzt mächtig Ärger. Neuer
Geheimdienstchef soll er aber trotz der Datenpanne werden.
Sein Job verpflichtet zu absoluter Geheimhaltung, doch mit
welchen Schauspielern er verkehrt, welche Badehose er trägt und wo er wohnt,
weiß jetzt ganz Großbritannien: Sir John Sawers, britischer Uno-Botschafter und
designierter Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, erlebte Ende der
Woche einen privaten Datengau.
Mailonsunday.co.uk, 5.7.2009
Sawers Ehefrau Shelley veröffentlichte in ihrem Profil des
sozialen Netzwerks "Facebook" private Fotos und Informationen, die
die Sicherheit des 53-jährigen Karrierediplomaten und seiner Familie gefährden
könnten, schrieb die Tageszeitung "Mail on Sunday", die eine lange
Reihe der Bilder in ihrer aktuellen Ausgaben abdruckte.
Einige Fotos zeigen Sawers
in Badehose am Strand, auf einem weiteren Bild posiert er mit Weihnachtsmannmütze
in New York. Zu sehen sind weiter Sawers Ehefrau und seine Tochter, die auf
Stühlen stehen und eine Szene aus dem Musicalfilm "Cabaret"
nachspielen. Außerdem machte Shelley Sawers ihre Freundschaft mit den
britischen Schauspielern Moir Leslie and Alister Cameron öffentlich, ein Bild
zeigt die beiden am Strand, laut der Bildunterschrift im gemeinsamen Urlaub mit
den Sawers. Außerdem soll die Lage der Londoner Wohnung der Familie aus den
Daten ersichtlich gewesen sein.
Außenminister Miliband nimmt den Diplomaten in Schutz
Shelley Sawers hatte ihre komplette Facebook-Seite allen
Benutzern im 200 Millionen Mitglieder starken Netzwerk "London"
zugänglich gemacht und in den Privacy-Einstellungen keine Einschränkungen
gesetzt. Bis Freitag waren Bilder und Details über die Familie Sawers frei
zugänglich, berichtet die Internet-Seite des "Guardian". Nachdem
Journalisten das Außenministerium kontaktiert hatten, wurde die Seite
allerdings gelöscht.
Einige Oppositionsabgeordnete sprachen von einem Verstoß
gegen die Sicherheitsrichtlinien, andere nannten den Vorfall beschämend. Ein
Sprecher der liberalen Partei forderte Regierungschef Gordon Brown auf, die
Ernennung von Sawers zum Geheimdienstchef zu überprüfen.
Der britische Außenminister David Miliband nahm Sawers gegen
die Angriffe in Schutz. Der ehemalige Sondergesandte im Irak und Ex-Botschafter
in Kairo sei ein "herausragender Fachmann", sagte Miliband der BBC.
Der Außenminister ergänzte, es sei "kein
Staatsgeheimnis, dass er eine Badehose der Marke 'Speedo' trägt". Er sähe
nicht, dass wichtige Geheimnisse verraten worden seien und attackierte
seinerseits die Medien, weil sie Sawers Familie in die Angelegenheit
"hineingezogen" hätten.
Der Chefposten beim MI6, für den der Karrierediplomat Sawers
vor zehn Tagen nominiert worden war, ist der prominenteste Job im britischen
Geheimdienstwesen. Der Dienst ist auch für die Terrorismusabwehr auf der Insel
zuständig. Bis in die neunziger Jahre galt sogar der Name des MI6-Chefs, mit
Codenamen "C" genannt, als Staatsgeheimnis.