Immer mehr Behörden kappen ihren Beamten den Zugang zu
Facebook. Es wird zu oft privat genutzt.
Es ist 12.18 Uhr, als Staatsdiener C. seinen Ärger mit der
Welt teilt: "War beim Billa Wurstsemmel holen - schon wieder keine Gurkerl
*grrrrrrr* ." Als C. am selben Nachmittag fragt, "Bin ich hier im Amt
eigentlich von lauter A*** umgeben? *seufz* ", melden sich prompt
Facebook-Freunde mit Rat, Tat und Neugier - erst der 20. Kommentator stellt
eine Gegenfrage in die Runde: "Habt ihr alle nix zum Hackeln? Des gibt's
jo ned." Alltäglichkeiten wie diese gibt es auf C.s Facebook-Seite während der
Amtszeiten zuhauf zu lesen. Vom Konzertbesuch und der neuen Liebe, vom
Tequila-Konsum am Vorabend bis zum Mittagessen heute - der Beamte lässt kaum
etwas unerwähnt. Fast immer findet einer seiner mehr als 100 Facebook-Freunde
Zeit, das Update aus C.s Leben zu kommentieren. Herr C. ist kein Einzelfall. International haben zahlreiche Behörden und Firmen
ihren Mitarbeitern den Zugriff auf Facebook & Co. längst untersagt. In der
Schweiz etwa wird über ein Facebook-Verbot für Staatsdiener nachgedacht, weil
die Plattform ein Viertel des Daten-Verkehrs der Bundesbeamten ausmacht.
Big Brother im Amt
Weil offenbar auch immer mehr österreichische Beamte in der
Dienstzeit Privates in den virtuellen Raum stellen, reagieren die Behörden: Auf
den Dienstcomputern des Wiener Rathaus ist seit dieser Woche der Zugriff auf
Facebook gesperrt. Viele Ministerien und Verwaltungsbehörden haben dies schon
längst getan (siehe Hintergrund).Bei manchen standen anfangs Sicherheitsüberlegungen im
Vordergrund - zumeist geht es aber um das Verhindern von Privat-Aktivitäten
während der Dienstzeit. Das Land Burgenland etwa sperrt neben Facebook auch die
Seiten des Internet-Versandhauses Amazon und den Online-Versteigerungsservice
eBay. "Wir schauen unseren Mitarbeitern nicht individuell über die Schulter, was
sie anklicken. Aber es gibt eine Gesamtstatistik, welche Seiten wie oft
angewählt werden", sagt Rathaus-Sprecher Rudolf Gerlich. Schon seit Langem
sind Pornografie-Seiten und Spiele-Server blockiert. "Nun ist Facebook
signifikant angestiegen, sodass wir davon ausgehen müssen, dass es nicht nur
dienstlich, sondern privat genutzt wird."
Gerlich betont, das Wiener Rathaus sei ein sehr liberaler Dienstgeber, die
Nutzung von Internet und eMails für private Zwecke sei in einem
"notwendigen und angemessenen Ausmaß" gestattet.
Spiele & Bach-Sonaten
"Es geht darum, dass die Mitarbeiter ihre Leistungen
erbringen, für die sie bezahlt werden", sagt Gerlich. "Wir haben
nichts gegen Facebook speziell. Es ist auch das Einstudieren von Bach-Sonaten,
so löblich das sein mag, in der Dienstzeit nicht gestattet." Wenn jemand
Facebook dienstlich brauche, werde es ihm freigeschaltet.
Auch die Beamten im Niederösterreichischen Landhaus, wo Facebook und andere
beliebte Zeitvertreib-Seiten wie das Video-Portal YouTube seit über einem Jahr
gesperrt sind, können die Freischaltung für Dienstzwecke beantragen:
"Einzelne Mitarbeiter haben ursprünglich gemeint, sie würden die Seiten
dienstlich brauchen", sagt der IT-Verantwortliche des Landes
Niederösterreich, Rainer Gronister. Ganz so notwendig für den Vollzug der Amtsgeschäfte dürften die einschlägigen
Seiten dann doch nicht sein, denn: "Ein offizielles Ansuchen auf
Freischaltung hat es noch nicht gegeben." Nachdem auch immer mehr Politiker bis hin zum Kanzler im Facebook performen,
werde es auch "im Dienst der Demokratie" aufgesperrt, schmunzelt
Gerlich: "Wenn ein Beamter sagen würde, er will über Facebook erfahren,
was Kanzler oder Vizekanzler sagen, dann schalten wir es frei."
Artikel vom 03.07.2009 17:24 | KURIER | Philipp Hacker,
Daniela Kittner und Mathias Baumgart