Holmes lebt in der Baker
Street 221b, London,
eine damals fiktive Adresse. Dort beginnen oft die Geschichten mit ratsuchenden
Klienten, die von Holmes' besonderen Fähigkeiten gehört haben und den Detektiv
aufsuchen, um ihn um Hilfe zu bitten. Sherlock Holmes arbeitet als „beratender
Detektiv“ (im Original: „consulting detective“), das heißt, er löst Probleme,
die ihm die Klienten übertragen. Mitunter bittet auch die staatliche Polizei (z.B. in
Gestalt des Inspektors Lestrade von Scotland
Yard) um Holmes' Unterstützung. Der Detektiv kommt dabei stets zu anderen
Schlussfolgerungen als die staatlichen Kriminalisten und versucht, die
Täter-Profile der Polizei zu widerlegen. Manchmal wird Holmes durch Watsons
Neuigkeiten aus der Londoner Gesellschaft oder die Zeitungslektüre selbst auf
für ihn interessante Geschehnisse aufmerksam und nimmt ohne Auftrag die
Ermittlung auf oder mischt sich in die Arbeit der Polizei ein. Als „letzte
Instanz“ greift er häufig in dem Moment ein, wenn anderen die Klärung der
Situation geradezu unmöglich erscheint. Die Aufklärungsarbeit des Detektivs
steht im Mittelpunkt der Geschichten. Erzähler ist meistens der praktisch
veranlagte, bodenständige Dr. Watson, der enge Freund und zeitweilige Mitbewohner
des Detektivs, dem die Rolle des Chronisten zufällt. Nur in wenigen
Geschichten, beispielsweise The Musgrave Ritual (dt.: Das Musgrave Ritual),
wird Holmes selbst zum Erzähler. Die Themen der
Geschichten sind breit gefächert. Es geht um zwischenmenschliche Probleme in
allen Gesellschaftsschichten, geheime Organisationen, kriminelle Bünde,
Kryptogramme, Diebstähle, verschwundene Personen, Drohungen und Erpressungen,
scheinbar unerklärliche Todesfälle, Staatsgeheimnisse und Bedrohungen der öffentlichen
Sicherheit. In der Regel steht ein außergewöhnlich intelligentes Rätsel oder Verbrechen
im Vordergrund. Neben besonders scharfsinnigen kriminellen Plänen und deren
Vereitlung geht es häufig um die unbewältigte Vergangenheit eines Menschen, die
plötzlich in sein jetziges Leben einbricht. Der Autor verarbeitet in seinen
Geschichten auch eigene Einsichten und Meinungen und bringt in einigen Fällen
ein soziales oder politisches Anliegen zum Ausdruck. So lässt Holmes
beispielsweise in einigen Geschichten die Täter entkommen, da er die Tat für
moralisch gerechtfertigt hält oder der Ansicht ist, dass das Leben die
Schuldigen bereits genug bestraft hat.
Eine wichtige Funktion für die Wirkung der Geschichten
spielen ihre pointierten
Dialoge zwischen Holmes und anderen, oft Watson. Ein Beispiel: „‚Gibt es noch
irgendeinen anderen Umstand, auf den Sie meine Aufmerksamkeit lenken
möchten?‘ – ‚Auf das merkwürdige Ereignis mit dem Hund in der
Nacht.‘ – ‚Der Hund hat in der Nacht nichts getan.‘ – ‚Genau das war
eben das merkwürdige Ereignis‘, bemerkte Sherlock Holmes.“
– Aus der Geschichte Silver Blaze (dt.: Silberstern)[ 1886
skizzierte Doyle, während er als Arzt in Southsea, Hampshire,
tätig war, erste Entwürfe zu einer Geschichte um einen rational arbeitenden
Detektiv namens Sherrinford Holmes, der mit seinem Freund Ormond Sacker in der Baker Street
221b in London
lebt.[4]
Doyles Anliegen war, eine neue Art von Kriminalgeschichte zu schreiben, in der
nicht der Zufall, sondern die Beobachtung und Analyse zur Lösung der Fälle
führen würde: “where science would take the place of chance.? 1887 wurde die
erste Geschichte, der Roman A Study in Scarlet (dt.: Eine Studie in
Scharlachrot), in Beeton's Christmas Annual veröffentlicht. Doyle hatte die
Hauptcharaktere mittlerweile in Sherlock Holmes und John Watson umbenannt. Der
erste Roman fand bei Publikum und Kritik wenig Beachtung, erregte aber die
Aufmerksamkeit des amerikanischen Herausgebers John Marshall Stoddart, der eine
Kriminalgeschichte für seine geplante britische Literatur-Zeitschrift Lippinscott's
suchte. 1890 veröffentlichte er The Sign of Four (dt.: Das Zeichen der Vier).
Auch dieser zweite Roman blieb weitgehend unbeachtet. Erst die Veröffentlichung
der ersten kürzeren Erzählung A Scandal in Bohemia (dt.: Ein Skandal in Böhmen)
im The Strand-Magazin 1891 erreichte ein breites
Publikum und führte zu einer wachsenden Popularität der Geschichten und des
Hauptcharakters Sherlock Holmes
Der erste Film, in dem der Detektiv auftritt, ist der StummfilmSherlock Holmes Baffled von 1900, der
jedoch keine Literatur-Verfilmung, sondern ein Sketch unter Verwendung der
literarischen Figur ist.
Viele der der Romane und Kurzgeschichten wurden verfilmt,
hierbei stechen vor allem die zahlreichen Verfilmungen des Romans Der Hund der BaskervillesKinofilm zum Roman aus dem Jahr 1939
spielte Basil Rathbone der Figur des Sherlock Holmes. Der
große Erfolg des Films führte dazu, dass Rathbone an zahlreichen weiteren
Holmes-Projekten teilnahm (u.a. in Die Abenteuer des Sherlock
Holmes) und bis heute als einer der populärsten Holmes-Darsteller gilt. heraus. In
einem
1959 übernahm Peter
Cushing die Rolle des Holmes in einer farbigen Neuverfilmung. Ab 1968
spielte er den Detektiv in einer werkgetreuen Holmes-Fernsehserie der BBC, in
der auch der Hund der Baskervilles erneut verfilmt wurde. Sein letzter Auftritt
als Sherlock Holmes war 1984 in der Pasticheverfilmung The Masks of Death.
Eine sehr umfangreiche Reihe von Verfilmungen entstand in
den achtziger Jahren bei Granada TV (Großbritannien) mit Jeremy
Brett als Holmes. Jeremy Bretts Darstellung Holmes' zeichnet sich vor allem
durch Bretts facettenreiche Herausarbeitung der eigenwilligen Charakterseiten
des Detektivs aus. Insbesondere die dunklen, eigenartigen Seiten von Holmes
Natur, konnte Brett, der die Privatschule in Eton besuchte, mit seinem
aristokratischen Auftreten füllen. Die Serie mit dem Titel Die Abenteuer des
Sherlock Holmes umfasst 41 Filme und zeichnete sich zu Anfang durch eine
besonders große Werktreue aus. Die Folgen wurden in einer Zeitspanne von zehn
Jahren produziert (1984 bis 1994). Zwischen 2000 und 2002 entstanden vier
Fernsehfilme in Kanada, in denen Matt Frewer
(Sherlock Holmes) und Kenneth Welsh (Dr. Watson) die Hauptrollen spielen.
Alle Filme entstanden unter der Regie von Rodney Gibbons. Eine neuere
Verfilmung ist die BBC-Fernsehproduktion von Der Hund der Baskervilles mit Richard
Roxburgh aus dem Jahre 2002. Die erste deutsche Fernsehadaption des Stoffes
von 1955 war eine live ausgestrahlte Bühnenfassung, vom Hessischen Rundfunk unter der künstlerischen
Leitung von Fritz Umgelter inszeniert. Die Ausstrahlung ist
verschollen. Die Hauptrollen spielten Wolf Ackva
und Arnulf Schröder. 1967/68 produzierte der WDR unter der Regie von Paul May eine
an der Werksvorlage orientierte sechsteilige Fernsehserie. Sherlock Holmes und
Dr. Watson wurden hier von Erich Schellow und Paul
Edwin Roth verkörpert. 1979-1984 entstand die russische Fernsehreihe Prikljutscheniya
Scherloka Cholmsa i doktora Watsona (Abenteuer von Sherlock Holmes und Doktor
Watson) mit Wassili Liwanow (Holmes) und Vitali
Solomin (Watson).
Für den 25. Dezember 2009 ist der US-amerikanische Start
einer neuen Verfilmung (Originaltitel: Sherlock Holmes) unter der Regie von Guy Ritchie
angekündigt. Die Titelrolle spielt der US-amerikanische Schauspieler Robert Downey jr., die Rolle des Watson der
Brite Jude Law.